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19.10.2013

13:09 Uhr

Seit vier Jahren vermisst

Polizei findet vermutlich entführtes Mädchen

Bei einer in Griechenland lebenden Roma-Familie hat die griechische Polizei ein Mädchen gefunden, das vermutlich im Jahr 2009 als Säugling entführt wurde. Mit Fotos suchen die Behörden nun nach den leiblichen Eltern.

Das vierjährige Mädchen fiel den Beamten auf, weil es mit seinen blonden Haaren und grünen Augen keinerlei Ähnlichkeit mit dem Paar hatte, bei dem es lebte. Reuters

Das vierjährige Mädchen fiel den Beamten auf, weil es mit seinen blonden Haaren und grünen Augen keinerlei Ähnlichkeit mit dem Paar hatte, bei dem es lebte.

Athen/LarissaEin vermutlich als Säugling entführtes Mädchen ist im Alter von vier Jahren in Griechenland bei einer fremden Familie entdeckt worden. Wer die biologischen Eltern sind, ist noch unklar. Die Behörden suchen europaweit. Die Staatsanwaltschaft ließ am Freitag Fotos veröffentlichen, um die Identität des Mädchens klären zu können, das auf den Namen Maria hört. Die Entdeckung macht den Eltern der vermissten Madeleine „Maddie“ McCann aus Großbritannien Mut.

„Dies gibt Kate and Gerry (McCann) große Hoffnung, dass Madeleine lebend gefunden werden kann“, sagte ein Sprecher der Familie dem „Daily Mirror“ (Samstagsausgabe). Maddie ist seit 2007 vermisst, als sie während eines Urlaubs mit ihren Eltern aus einer Ferienanlage in Portugal verschwand.

Die vierjährige Maria war nach Angaben der Polizei am Donnerstag bei einer Routinekontrolle in einem Roma-Lager im mittelgriechischen Farsala entdeckt worden. Den Beamten sei das hellhäutige, blonde Mädchen mit grünen Augen aufgefallen, weil es keinerlei Ähnlichkeit mit dem Paar hatte, bei dem es lebte. Bei einer Vernehmung verstrickten sich der 39-Jährige und die 40-Jährige in Widersprüche. Ein DNS-Test ergab keine Übereinstimmung beim Erbgut.

Spektakuläre Kinderentführungen

Acht Millionen vermisste Kinder pro Jahr

Schätzungsweise acht Millionen Kinder werden nach Angaben der Internet-Suchplattform „Centre for Missing and Exploited Children“ weltweit jedes Jahr als vermisst gemeldet. Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) waren es allein in Deutschland am 1. Oktober 536 Kinder bis 13 Jahre. Ihre Schicksale sind sehr unterschiedlich. Doch weltweit gibt es immer wieder Fälle von Rückkehrern - auch noch nach langer Zeit. Einige Beispiele:

Amanda Berry, Gina DeJesus und Michelle Knight

Mai 2013: Rund zehn Jahre nach ihrer Entführung entkommen drei Frauen in den USA ihrem Kidnapper. Amanda Berry, Gina DeJesus und Michelle Knight waren zwischen 2002 und 2004 verschwunden - damals 14, 16 und 20 Jahre alt. Ihr Entführer Ariel Castro versprach ihnen einen Hund und lockte sie damit in sein Haus. Castro wurde wegen Entführung, Misshandlungen und Vergewaltigungen zu lebenslanger Haft verurteilt und im September erhängt in seiner Zelle gefunden.

Anna und Lydia

Mai 2010: Zwei im Jemen entführte Mädchen aus Sachsen kehren in ihre Heimat zurück. Anna und Lydia waren knapp ein Jahr zuvor im Alter von drei und fünf Jahren mit ihrem jüngeren Bruder, ihren Eltern und vier weiteren Ausländern verschleppt worden. Alle Erwachsenen arbeiteten für ein staatliches Krankenhaus. Eine Spezialeinheit befreite die Mädchen, die sich Fatima und Sarah nannten und nur Arabisch miteinander sprachen. Von Eltern und Bruder fehlt nach wie vor jede Spur. Drei Erwachsene aus der Gruppe waren bereits kurz nach der Entführung erschossen aufgefunden worden.

Shawn Hornbeck und Ben Owby

Januar 2007: Zwei entführte Jungen werden in den USA von der Polizei unversehrt befreit. Der 15-jährige Shawn Hornbeck war über vier Jahre in den Händen seines Entführers. Die Polizei kam dem Mann erst auf die Schliche, als er einen weiteren Jungen kidnappte - diese Tat wurde von einem Freund des Opfers beobachtet. Als die Polizei den 13-jährigen Ben Owby nach wenigen Tagen aus der Wohnung des Kidnappers befreit, findet sie auch Shawn.

Natascha Kampusch

August 2006: Die 18 Jahre alte Natascha Kampusch aus Wien taucht nach acht Jahren wieder auf. Das Mädchen war im Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg entführt und in einem Verlies unter der Garage seines Kidnappers gefangen gehalten worden. Kampusch gelang schließlich die Flucht, der Täter nahm sich am selben Tag das Leben.

Quelle: dpa

Die griechische Polizei schaltete die internationale Polizeiorganisation Interpol ein und schickte zur Ermittlung der biologischen Eltern Gen-Proben in ausländische Labors. Das kleine Mädchen wurde einer Kinderhilfsorganisation übergeben, die angeblichen Eltern verhaftet.

Erste Ermittlungen ergaben, dass das Kind wohl 2009 seinen Eltern weggenommen worden war. Anschließend hätten sich die beiden Tatverdächtigen in Athen Geburtsurkunde und Taufschein erschlichen. Die genauen Umstände der mutmaßlichen Entführung blieben jedoch zunächst unklar.

Die griechische Polizei forscht nun laut Medienberichten in Geburtskliniken, Krankenhäusern und Kinderheimen nicht nur nach den Eltern der kleinen Maria, sondern auch nach anderen vergleichbaren Fällen, die auf organisierten Kinderhandel hinweisen könnten. Eine Anwältin des Paares, in dessen Obhut das Kind entdeckt wurde, sprach dagegen am Freitagabend im Fernsehsender „Skai“ von einer illegalen Adoption. Das Mädchen sei von einer ausländischen Frau in Griechenland geborenen worden. „Sie wollte das Kind loswerden“, sagte die Anwältin.

Die Frau, bei der das Mädchen entdeckt wurde, hatte Medienberichten zufolge zwei gültige Personalausweise und zwei Familienstammbücher. In denen waren insgesamt zehn Kinder eingetragen, was jedoch weitere Fragen aufwirft: Laut den in den Stammbüchern gemachten Angaben hätte die Frau drei Kinder innerhalb von fünf Monaten und drei weitere innerhalb von dreieinhalb Monaten zur Welt gebracht haben müssen. Der Mann führte ein weiteres Stammbuch mit noch einmal vier Kindern. Auf diesen Kindersegen angesprochen, sagte die Anwältin des Paares in „Skai“, dass solche illegalen Praktiken der Erschleichung von Kindergeldern dienten.

Von

dpa

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