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11.06.2015

20:13 Uhr

Sex-Übergriffe in Mainzer Kita

Bistum räumt schwere Fehler ein

In Mainz ist aus einer Kita ein Ort des Schreckens geworden. Kinder sollen anderen Kindern sexuelle Gewalt angetan haben – über Monate. Auch die Verantwortlichen fragen sich: Wie konnte es soweit kommen?

Nach mutmaßlichen sexuellen Übergriffen unter Kindern hat die katholische Kirche die Kindertagesstätte Mariä Königin vorübergehend dicht gemacht. Die Vorfälle beschäftigen jetzt auch Ermittler und Behörden. dpa

Verdacht sexueller Übergriffe

Nach mutmaßlichen sexuellen Übergriffen unter Kindern hat die katholische Kirche die Kindertagesstätte Mariä Königin vorübergehend dicht gemacht. Die Vorfälle beschäftigen jetzt auch Ermittler und Behörden.

MainzGeneralvikar Prälat Dietmar Giebelmann ringt mit seinen Worten. Der Begriff, mit dem er seine Sätze an diesem Tag häufig beschließt, ist „fassungslos“. Giebelmann will erklären wie es in einer katholischen Kita in seinem Bistum zu sexueller Gewalt unter Kindern gekommen sein soll und kann es nur mit Mühe. „Wir können uns kaum erklären, wie diese Vorfälle über einen langen Zeitraum unbemerkt bleiben konnten“, sagt der 68-Jährige am Donnerstag in Mainz.

Obwohl die Erzieher erste Hinweise schon vor Monaten erhalten hätten, sei nichts nach außen gedrungen – es habe sich um ein geschlossenes System gehandelt. Ein System, das nun offenbar traumatisierte Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren hinterlassen hat. Ein System, das vergangene Woche, als die Pfarrei von den Vorfällen erfahren haben will, in einer Art Hauruck-Aktion schlagartig abgeschaltet wurde. Die Kita im Mainzer Stadtteil Weisenau ist geschlossen, den sieben Mitarbeitern wurde fristlos gekündigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflichten.

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„Wie es geschehen kann, dass ein Gesamtgeist einer Einrichtung so umkippt und so im Grunde genommen verroht, weiß ich auch nicht“, sagt Giebelmann. Wenn es darum geht, was genau in der Kita „Mariä Königin“ vorgefallen ist, fallen nicht nur ihm die Worte schwer. Er nennt es „Perversitäten sexueller Gewalt“. Er beschreibt Handlungen, die mancher sich nur im Fall harter Pornografie vorstellen kann, sowie üble Gewaltandrohungen.

Michael Huss, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Unimedizin Mainz, kennt den Katalog der Vorfälle. Auch er kann das Ausmaß kaum fassen. Das gehe weit über das hinaus, was man unter Doktorspielen kenne. „Dieses Verhalten ist nicht normal. Auch wenn ich meine Berufsjahre Revue passieren lasse, fällt das eindeutig aus dem Rahmen.“

Kommentare (2)

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Herr Vittorio Qeiry

11.06.2015, 20:47 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Franz Paul

12.06.2015, 10:29 Uhr

Aber das ist doch genau das, was in Baden Württemberg die Grüne Landesregierung als Standard einführen will: Selbst Kindergartenkinder sollen schon jede denkbare sexuelle Perversion kennenlernen !

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