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19.01.2006

11:30 Uhr

Sibirische Kälte

Moskau friert bei minus 31 Grad

In der russischen Hauptstadt ist es so kalt wie seit 1927 nicht mehr an einem 19. Januar. Auf minus 31 Grad hat eine sibirische Kaltfront am Donnerstag die Temperaturen sinken lassen. Allein in Moskau erfroren in der Nacht sieben Menschen. Tausende ließen sich trotzdem nicht von einem Bad im Freien abhalten.

Ein kleines Mädchen versucht sich vor der extremen Kälte in Moskau zu schützen. Foto: dpa

Ein kleines Mädchen versucht sich vor der extremen Kälte in Moskau zu schützen. Foto: dpa

HB MOSKAU. Innerhalb von 24 Stunden erfroren sieben Menschen, wie der Chef der Moskauer Rettungskräfte, Igor Elkis, erklärte. 70 Bürger mussten in Krankenhäusern behandelt werden, wie die Behörden mitteilten. Bis zum Abend soll es mancherorts sogar bis zu 37 Grad kalt werden. Ähnlich kalt war es in der Hauptstadt zuletzt im Winter 1978-1979 mit Temperaturen von minus 40 Grad.

In der Kleinstadt Tomilino bei Moskau mussten 8000 Menschen in ihren stark unterkühlten Wohnungen ausharren, nachdem im örtlichen Wärmekraftwerk ein Heizkessel geplatzt war. Die Extremkälte soll noch bis Ende Januar andauern.

Im Umland der nördlichen Millionenstadt St. Petersburg ordneten die Behörden bei Temperaturen von bis zu minus 40 Grad in den meisten Schulen kältefrei an. Selbst im relativ milden Süden Russlands sanken die Temperaturen am Ufer der Wolga auf minus 30 Grad.

Die eisige Kälte konnte jedoch Mitglieder der russisch-orthodoxen Kirchen nicht hindern, ihren Feiertag mit einem Bad im Fluss zu feiern. Viele Gläubige ignorierten Warnungen von Ärzten und Priestern und schlugen Löcher in das dicke Eis auf den Flüssen. Dann sprangen tausende Wagemutige in das Wasser und reinigten sich. „Hier drinnen ist es wärmer als draußen“, rief ein Mann aus dem Fluss ans Ufer. „Hier sind es vier Grad, draußen minus 30 Grad.“ Nach orthodoxer Art wird die Taufe Christi am 19. Januar gefeiert.

Der russische Ministerpräsident Michail Fradkow wies seine Regierung an, auf strategische Brennstoffreserven zurückzugreifen, um die Wärmeversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Nach Medienberichten pumpt Russland in diesen Tagen weniger Erdgas als vereinbart an die Kunden in Westeuropa, da der Verbrauch im eigenen Land extrem angestiegen ist.

Die Meteorologen rechneten am Freitag mit einer leichten Entspannung der Lage und wärmeren Temperaturen von minus 20 Grad. Diese könnten sich jedoch wegen des scharfen Ostwindes deutlich kälter anfühlen. Ein staatlicher Fernsehsender berichtete dagegen, die Temperaturen in Moskau könnten weiter fallen und sogar minus 42 Grad erreichen.

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