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31.10.2011

10:21 Uhr

Sieben Milliarden Menschen

Und die Erde könnte auch noch mehr

Noch vor 30 Jahren hätte kaum einer gedacht, dass die Erde sieben Milliarden Menschen aushalten kann. Doch sie kann. Nach Ansicht von Experten können es sogar zehn oder elf sein - wären da nicht Vieh und Maschinen.

Die Vereinten Nationen gehen von 9,2 Milliarden Menschen im Jahr 2050 aus. dpa

Die Vereinten Nationen gehen von 9,2 Milliarden Menschen im Jahr 2050 aus.

New YorkVor mehr als 250 Jahren hat der preußische Gelehrte Johann Peter Süßmilch die Zahl der Menschen errechnet, die, seiner Ansicht nach, maximal auf der Erde leben könnten: sieben Milliarden. Damals wurde die These belächelt, jetzt kann sie überprüft werden: An diesem Montag wurde das Kind geboren werden, mit dem die Menschheit die Schwelle zu den sieben Milliarden überschreitet. Sie wächst weiter - und alle Probleme dazu.

Als Süßmilch 1741 seine Thesen veröffentlichte, lebten auf der Erde 700 Millionen Menschen. 63 Jahre später, schätzen Experten, war die erste Milliarde erreicht. Es dauerte 123 Jahre bis zur zweiten, 33 bis zur dritten und nur noch 14 Jahre bis zur vierten Milliarde. 13 Jahre später, 1987, wurde dann die fünfte und 1999 die sechste Milliardengrenze überschritten. Jede Minute kommen 150 Menschen dazu, im Jahr fast 80 Millionen - einmal Deutschland alle 365 Tage.

Würden auch alle so leben wie die Deutschen - so viel essen, so viel verbrauchen, so viel verschmutzen - hätte die Erde ihre Tragfähigkeit längst überschritten. Den Begriff hatte Süßmilch geprägt und die Frage beschäftigt seitdem die Experten: wie viele Menschen kann die Erde tragen?

Die am schnellsten wachsenden Städte der Welt

10. Kalookan/Philippinen

6,5 Prozent Wachstum, 1.178.000 Einwohner (2000)

9. Fes/Marokko

7,4 Prozent Wachstum, 1.026.000 Einwohner (2007)

8. Puente Alto/Chile

7,5 Prozent Wachstum, 689.000 Einwohner (2009)

7. Guanzhou/China

7,7 Prozent Wachstum, 8.524.000 Einwohner (2000)

6. Dire Dawa/Äthiopien

7,8 Prozent Wachstum, 237.000 Einwohner (2002)

5. Karadsch/Iran

8,0 Prozent Wachstum, 1.386.000 Einwohner (2006)

4. Chongqing/China

11,3 Prozent Wachstum, 9.692.000 Einwohner (2000)

3. Donguan/China

13,1 Prozent Wachstum, 6.446.000 Einwohner (2000)

2. Nakuru/Kenia

13,3 Prozent Wachstum, 1.571.000 Einwohner (2006)

1. Shenzhen/China

20,8 Prozent Wachstum, 7.009.000 Einwohner (2000)

„Die Menschheit hat das Problem bisher besser gemanagt, als viele früher dachten“, sagt John Bongaarts von der New Yorker Denkfabrik Population Council. Denn noch vor 30 Jahren gingen viele bei sieben Milliarden Menschen vom sicheren Kollaps der Erde aus. „Aber trotzdem gibt es klare Zeichen, dass die Umwelt mit der jetzigen Einwohnerzahl überlastet ist“, sagt der Forscher. „Wir könnten noch mehr Menschen ernähren, aber nur, wenn wir noch mehr Natur verbrauchen. Und das würde zwangsläufig in den Untergang führen.“

Doch die Entwicklung ist höchst unterschiedlich. Deutschland war 1972 das erste Industrieland, in dem die Statistiker überrascht feststellten: Die Bevölkerung geht zurück. Heute rechnen Forscher damit, dass es in 50 Jahren 17 Millionen Deutsche weniger geben wird - ein Minus von mehr als einem Fünftel. Gerade den Osten werde es treffen, Sachsen-Anhalt muss gar mit einem Bevölkerungsschwund von 42 Prozent rechnen. Beamte sprechen schon von „Entleerungsgebieten“.

Anderswo explodiert die Bevölkerungszahl ungebremst. „In einigen Ländern sind Kinder immer noch Statussymbole, selbst wenn man sie gar nicht ernähren, geschweige denn bilden kann“, sagt Ute Stallmeister von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung. Deshalb bekämen gerade in armen Ländern Frauen oft sechs, acht oder gar zehn Kinder. „In Somalia sind es im Schnitt 6,4 Kinder pro Frau. Wenn sich das nicht ändert, ist die nächste Hungerkatastrophe sicher.“

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