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30.12.2016

19:30 Uhr

Silvester

Böllern und Anfassen verboten!

VonDavid Sauer

Der vergangene Jahreswechsel war so turbulent wie nie: sexuelle Übergriffe bundesweit und Raketen inmitten von Menschenmassen. Jahr für Jahr verursachen Feuerwerke große Schäden. Viele Städte ziehen nun Konsequenzen.

Polizisten sorgen am Kölner Dom für Sicherheit. Stadt und Polizei haben für die letzte Nacht des Jahres ein umfassendes Sicherheitskonzept erarbeitet. Die Kölner Polizei will 1500 Beamte einsetzen. dpa

Polizei präsentiert Vorbereitungen für Silvester

Polizisten sorgen am Kölner Dom für Sicherheit. Stadt und Polizei haben für die letzte Nacht des Jahres ein umfassendes Sicherheitskonzept erarbeitet. Die Kölner Polizei will 1500 Beamte einsetzen.

DüsseldorfAn diesem Donnerstag hat der offizielle Verkauf von Silvester-Feuerwerk begonnen. Mit Böllern in der Silvesternacht sollen nach alter Sitte böse Geister vertrieben und das neue Jahr begrüßt werden. Auch in diesem Jahr werden wieder Millionen von Euro in den Himmel gejagt und zu Rauch, bunten Leuchtfeuern und schrillem Pfeifen verbrannt werden.

An den Feuerwerkskörpern verletzen sich jährlich zahlreiche Menschen, weil sie zu leichtfertig damit umgehen. „Besonders Blindgänger sind eine unterschätzte Gefahr“, warnt Torge Brüning, Brandschutzexperte der R+V Versicherung. Aber auch bei korrekter Anwendung aller Sicherheitsvorkehrungen kommt es immer wieder zu Bränden, beispielsweise durch herunterfallende Raketen, die noch glühen.

Nicht nur die Böller, sondern auch die Übergriffe der vergangenen Silvesternacht haben in vielen deutschen Städten zu einem Umdenken der Sicherheitsbehörden geführt. Mit mehr Polizisten, mehr Kameraüberwachung und Aufklärung der Bürger sollen die Innenstädte in diesem Jahr sicherer gemacht werden. In einigen Städten werden Böller und Raketen sogar komplett verbannt. Eine Übersicht:

Silvester Zahlen und Fakten

Rechtlich

Feuerwerksprodukte der Kategorie 2, dazu zählen Böller, Raketen, Fontänen, dürfen nur an den letzten drei Werktagen im Jahr verkauft werden - in diesem Jahr also vom 29. bis zum 31. Dezember. Zwischen dem 29. und dem 31. Dezember erwirtschaften die Hersteller bis zu 95 Prozent ihres Jahresumsatzes.

Einschränkungen

Böller und Raketen dürfen ohne besondere Genehmigung nur in der Zeit vom 31. Dezember bis zum 1. Januar abgebrannt werden - allerdings nicht in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern sowie Kinder- und Seniorenheimen.

Umsatz

Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) rechnet in diesem Jahr mit 133 Millionen Euro Silvesterumsatz, so viel wie zum Jahreswechsel 2015/2016. Etwa 75 Prozent der Feuerwerkskörper sind laut VPI importiert.

Prüfsiegel

Für den deutschen Markt bestimmte Knallkörper müssen geprüft und gekennzeichnet sein, bevor sie verkauft werden dürfen. Sie dürfen maximal sechs Gramm Schwarzpulver enthalten. Sehr viel stärker reagierende Blitzknallsätze, die schwere Verletzungen verursachen können, sind nicht erlaubt.

Zoll

Der Zoll stellte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr mehr als 151.000 Stück größere illegale Pyrotechnik sowie 1,85 Tonnen kleinteiliges illegales Feuerwerk - wie etwa Böller - sicher.

Batterien

Bei der Silvesterknallerei sind vor allem Batterien und Verbundfeuerwerk beliebt. Einmal angezündet, erzeugen sie minutenlang eine Vielzahl von Knall-, Leucht- und Knistereffekten. Auch Raketen werden nach wie vor gerne in die Luft geschossen.

Köln

Die Bilder vom Chaos rund um den Kölner Hauptbahnhof und den Dom sind noch allen präsent. Was sich in der vergangenen Silvesternacht dort abgespielt hat, soll sich nie mehr wiederholen. Mitten im Zentrum der Rheinmetropole war es zu massenhaften sexuellen Übergriffen von Männergruppen auf Frauen gekommen, die Polizei war völlig überfordert.

Kölner Silvesternacht: Erster Prozess wegen sexueller Übergriffe

Kölner Silvesternacht

Erster Prozess wegen sexueller Übergriffe

Neun Täter sind bisher wegen der Vorfälle in der Kölner Silvesternacht wegen Diebstahls verurteilt worden. Am Freitag steht nun erstmals ein Angeklagter wegen versuchter sexueller Nötigung vor Gericht.

Die Aufklärung der Taten geht bis heute nur schleppend voran. Als Lehre aus den Exzessen des vergangenen Jahres erhöht die Polizei die Mannstärke um das Zehnfache auf 1500 Beamte. Mit weiträumiger Videoüberwachung und einer böllerfreien Zone im Bereich des Doms und des Hauptbahnhofs soll die Sicherheit der Feiernden gewährleistet werden.

Silvester ABC (1)

A wie Apia

13 Stunden bevor in europäischen Breiten die Korken knallen, wird in der Hauptstadt des pazifischen Inselstaates Samoa direkt an der Datumsgrenze schon gefeiert – um 11:00 Uhr MEZ.

B wie Bleigießen

Ein beliebter Brauch, um die Zukunft vorherzusagen. Da Blei jedoch hochgiftig ist, sollte lieber ungefährliches Zinn gegossen werden. Es schmilzt leicht und lässt sich gut bearbeiten.

C wie Champagner

Das französische Weinanbaugebiet Champagne produzierte im vorigen Jahr 309 Millionen Flaschen und machte damit 4,7 Milliarden Euro Umsatz. Größter Exportmarkt war Großbritannien.

D wie „Dinner For One“

Der Sketch mit Freddie Frinton und May Warden über Miss Sophies 90. Geburtstag läuft Silvester in allen Dritten Programmen der ARD, und das seit 1963: „The same procedure as every year“.

E wie Eine Million

So viele Menschen etwa versammeln sich nach Angaben der Veranstalter zur Silvesterparty am New Yorker Times Square. Feuerwerk gibt es dort aber ebenso wenig wie Alkohol.

F wie Feuerwerk

Böllern in der Neujahrsnacht hat Tradition: Schon die Germanen wollten böse Geister mit Licht und Lärm vertreiben. Die Kampagne „Brot statt Böller“ mahnt allerdings, zu Silvester auch an die zu denken, die nichts zu feiern haben.

G wie „Guten Rutsch“

Doch Achtung! Mit Glatteis oder Schneematsch hat der klassische Silvesterwunsch nichts zu tun. Manche Forscher führen ihn auf das jüdische Fest „Rosch Haschana“ zurück. Andere verweisen auf seine Verwendung als Synonym für „Gute Reise“.

H wie Hüpfen

Auf den Philippinen springen Kinder um Mitternacht möglichst hoch in die Luft. Das soll ihrem Wachstum im neuen Jahr einen Schub verleihen.

I wie Islam

Muslime verkünden den Beginn eines neuen Jahres nicht mit Böllern und Raketen, sondern mit traditionellen Blasinstrumenten. Außerdem wird anders gerechnet: Das islamische Neujahr fällt 2017 auf den 21. September.

J wie Jahresende

Von einer Sekunde auf die andere ist ein Jahr vorüber. Das Jahresende geht um Mitternacht direkt in den Jahresanfang über. Gedanklich hat man plötzlich wieder eher Tage vor sich als hinter sich.

K wie Knüppel

In Bulgarien geht es mit Schlägen ins neue Jahr. Hiebe auf den Rücken mit der „Surwatschka“, einem geschmückten Ast des Kornelkirschbaums, sollen im neuen Jahr Gesundheit und Reichtum bringen.

L wie Lärm

Schon in den Tagen vor Silvester sollten Hunde nur noch angeleint spazieren geführt werden, rät der Deutsche Tierschutzbund. Die Knallerei sei für Hunde und Katzen purer Stress und könne bei vielen Haustieren Panik auslösen.

M wie Mitternacht

Der Augenblick, dem alle entgegenfiebern – gern mit Countdown für den ersten Schluck, den ersten Kuss, den ersten Knaller des Jahres.

Berlin

Bei Deutschlands größter Silvesterfeier rund um das Brandenburger Tor in Berlin sind Böller, Raketen, Flaschen und Dosen seit Jahren verboten. Taschen werden von Sicherheitskräften am Einlass kontrolliert. Dennoch sollen nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche die Sicherheitsvorkehrungen noch mal stark erhöht werden.

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Ob auf dem Oktoberfest, bei Hochzeiten, zur alljährlichen Weihnachtsfeier, auf Malle oder im Vereinsheim: überall wird lustig gefeiert und immer fließt der Alkohol in Strömen. Doch was feiern die Menschen da eigentlich?

Davon abgesehen darf überall in der Hauptstadt weiter kräftig geböllert werden. Es sei nun mal ein sehr weit verbreiteter Brauch, mit Knallern und Raketen das neue Jahr zu begrüßen, sagt ein Sprecher der Berliner Senatsverwaltung. „Ebenso wie der Weihnachtsbaum Tradition ist, obwohl der eigentlich brandgefährlich ist.“ In der Millionenstadt gebe es jährlich lediglich ein Dutzend Beschwerden.

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