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17.04.2012

09:01 Uhr

Simbabwe

Wie Elend und Angst die Slums von Harare regieren

Im Elendsviertel von Harare leiden die Menschen unter bitterer Armut. Hinzu kommt die ständige Angst vor Mugabes Schlägerbanden. Der deutsche Priester Oskar Wermter ist vor Ort, um zu helfen - und riskiert viel.

Margaret Master mit ihren Kindern in Harare: Um sie einzuschüchtern, hätten militante Schergen Mugabes sogar einmal ihren zehnjährigen Jungen aus der Schule vorübergehend entführt. dpa

Margaret Master mit ihren Kindern in Harare: Um sie einzuschüchtern, hätten militante Schergen Mugabes sogar einmal ihren zehnjährigen Jungen aus der Schule vorübergehend entführt.

HarareJede Nacht sucht sich Margaret Master ein neues Nachtquartier. „Ich habe Angst, dass sie mir beim nächsten Mal etwas antun“, sagt die 29-Jährige. Um vor den Schlägerbanden des simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe sicher zu sein, schläft sie bei Verwandten und Freunden in einem der vielen tausend billigen Häuschen, baufälligen Hütten und windschiefen Verschlagen von Mbare, einem der großen Elendsviertel am Rande Harares. Etwa 250.000 Menschen leben hier, die Arbeitslosigkeit liegt bei 80 Prozent.

„Als sie das erste Mal kamen, haben sie die Scheiben eingeschmissen, haben mich wüst beschimpft und bedroht“, berichtet die gepflegte Frau in dem schlichten Kleid und den einfachen Sandalen. Um sie einzuschüchtern, hätten militante Schergen Mugabes sogar einmal ihren zehnjährigen Jungen aus der Schule vorübergehend entführt. Die Mutter von zwei Kindern hat sich den Hass der militanten Jugendorganisation der Mugabe-Partei Zanu-PF zugezogen, weil sie ihren Mund nicht hält. Die Katholikin engagiert sich in der Kirche und auf Bürgerversammlungen, sie hat Sympathien für die Partei MDC gezeigt.

Die MDC - die Bewegung für den demokratischen Wandel - befindet sich zwar in der „Regierung der Nationalen Einheit“. MDC-Chef und Ministerpräsident Morgan Tsvangirai gilt aber dennoch als gefährlichster Rivale Mugabes. Dieser regiert Simbabwe seit 32 Jahren mit eiserner Hand. Auch heute, als 88-Jähriger, tut Mugabe alles für den Machterhalt. Dazu gehört vor allem die brutale Einschüchterung aller kritischen Stimmen. Seit Jahrzehnten kämpft er mit Willkür und Gewalt gegen alle, die in ihm nicht den „großen Befreiungskämpfer“ sehen, sondern einen Mann, der das einst blühende Land in Grund und Boden gewirtschaftet hat.

In Mbare lässt sich die bittere Armut greifen: Schlammige Wege und aufgebrochene Straßen, heruntergekommene Mietshäuser neben unzähligen kleinen Hütten und Baracken. Wenn im Kirchhof von St. Peter zweimal die Woche Mehl und andere Lebensmittel verteilt werden, stehen die Menschen Schlange. Zwei der etwa zwölf Millionen Menschen in dem südostafrikanischen Binnenland würden ohne die Lebensmittel internationaler Hilfsorganisationen hungern. Simbabwe, das frühere Rhodesien, das jahrzehntelang große Überschüsse an Mais und anderen Agrarprodukten hatte, ist zu einem Hilfsempfänger verkommen.

Eine Million Landarbeiter haben ihren Job verloren, seitdem Mugabe im Jahr 2000 begann, systematisch etwa 3000 weiße Farmer im Land zu enteignen und zu vertreiben. Entweder verschenkte der greise Herrscher Ländereien an seine Familie und Günstlinge oder er teilte große Farmen in kleine Parzellen auf, mit denen er ehemalige Soldaten und einfache Parteigänger belohnte. Vielfach verfielen die Plantagen, Getreidefelder und Farmen. Millionen Menschen verließen das ländliche Gebiet, flohen ins Ausland oder in die Slums von Harare und anderen Städten.

Zum Elend des Lebens in den Armenvierteln hat sich schon lange die Angst vor den Brigaden der Zanu-Pf, vor Polizisten und Geheimdienstleuten gesellt. Denn mit einem dichten Netz von Sicherheitskräften (sowie den sprudelnden Erträgen aus den Marange-Diamantenminen) sucht sich Mugabe die Macht zu sichern. Wegen der unzähligen Menschenrechtsverletzungen, wegen Folter in Polizeistationen und Gefängnissen sowie Wahlbetrugs bestehen seit vielen Jahren westliche Sanktionen gegen Mugabe und seinen Clan.

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