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15.04.2016

07:56 Uhr

Singapurs mächtige Herrscher

Familienkrach auf Facebook

VonFrederic Spohr

Kritiker werden in dem Stadtstaat oft zu empfindlichen Strafen verurteilt. Jetzt wettert ausgerechnet die Schwester des Regierungschefs öffentlich über ihren Bruder. Der jedoch demonstriert Gelassenheit.

Singapurs Regierungschef Lee Hsien Loong: Seine Schwester macht ihrer Wut öffentlich Luft. Er reagiert gelassen. AP

Lee Hsien Loong

Singapurs Regierungschef Lee Hsien Loong: Seine Schwester macht ihrer Wut öffentlich Luft. Er reagiert gelassen.

BangkokHeftige öffentliche Kritik hört Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong nur selten. Das liegt nicht daran, dass in dem reichen Stadtstaat alles perfekt läuft. Vielmehr braucht es für Kritik auch jede Menge Mut. Auf dem Pressefreiheits-Index der Organisation Reporter ohne Grenzen belegt Singapur nur Rang 153 – und liegt damit zwischen Russland und Libyen.

Jetzt macht ausgerechnet die Schwester des Regierungschefs ihrer Wut öffentlich Luft. Ihr Bruder „missbrauche seine Macht“, schrieb Lee Wei Ling auf ihrer Facebook-Seite. Sie kritisierte zudem die vielen Feierlichkeiten zum ersten Todestag des Vaters der beiden Geschwister, dem Staatsgründer Lee Kuan Yew. Ihr Bruder wolle wohl einen „Heroenkult“ um den Vater entfachen und eine „politische Dynastie“ aufbauen.

Der Beitrag ist mittlerweile wieder gelöscht – die Narben dürften bleiben. Zumal Schwester Lee Wei Ling nicht davor zurückschreckte, ihren Bruder auch persönlich anzugreifen. Sie werde es „nicht zulassen, dass der Name ihres Vaters durch dessen unehrenhaften Sohn befleckt wird“, teilt die Schwester aus, die in Singapur eine angesehene Neurochirurgin und Autorin ist.

Drastische Strafen – Niedrige Kriminalität

Singapur

Der kleine, reiche asiatische Stadtstaat Singapur rühmt sich mit einer der niedrigsten Kriminalitätsraten der Welt.

Quelle: dpa

Geldbußen und Haftstrafen

Dies führt die Regierung unter anderem auf ihre drakonischen Strafen – von Geldbußen über lange Haftstrafen sowie Stockschläge und Hinrichtung – zurück. Sowohl Verbrechen als auch Vergehen, die anderswo mit Geldbußen geahndet würden, werden rigoros verfolgt.

Rauschgiftdelikte

Besonders streng ist die Justiz bei Rauschgiftdelikten. Auf Drogenhandel oder -schmuggel steht schon bei kleinen Mengen zwingend die Todesstrafe, bei Kokain etwa ab 30 Gramm.

Kaugummi verkaufen

Kaugummi verkaufen, Pornografie, nackt in der eigenen Wohnung herumlaufen – all das ist verboten und wird geahndet.

Wasserspülung

In öffentlichen Toiletten nicht abzuziehen, zog auch lange eine Geldstrafe nach sich. Inzwischen haben alle Toiletten automatische Wasserspülungen.

Graffiti

Die autokratische Regierung hält in der Metropole mit 5,4 Millionen Einwohnern Disziplin und Sauberkeit besonders hoch. Graffiti sind nur an einer eigens dafür aufgestellten Wand erlaubt.

Abschreckung

Die Prügelstrafe soll als Abschreckung dienen.

Mord und Vandalismus

Sie wird neben langen Haftstrafen verhängt für Verbrechen wie Mord, Überfälle und Drogendelikte, aber auch bei Vandalismus, illegalem Geldverleih und Visa-Vergehen.

Stockschläge

Mehr als 2200 Menschen erhielten nach dem US-Menschenrechtsbericht 2012 in einem Jahr Stockschläge.

Medienberichten zufolge veröffentlichte sie auch einen Briefwechsel mit der Zeitung „The Straits Times“, die einen Beitrag von Lee Wei Ling nicht in der von ihr eingereichten Form drucken wollte. Die Zeitung beruft sich dabei auf handwerkliche Mängel und weist Zensurvorwürfe von sich.

Regierungschef Lee Hsien Loong wollte die Anschuldigungen seiner Schwester nicht unkommentiert lassen. Er antwortet mit staatsmännischer Besonnenheit. Er sei „tief traurig“ über die Angriffe, halte sie allerdings für „vollkommen falsch“, schrieb der Regierungschef ebenfalls auf Facebook.

Er wolle keineswegs eine politische Dynastie etablieren. „Das Leistungsprinzip sei ein fundamentaler Wert in Singapurs Gesellschaft. Weder er, noch die Poeple's Action Party (PAP) oder die Gesellschaft, würden einen solchen Versuch tolerieren.“

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