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03.04.2013

18:58 Uhr

Spanien

Justiz ermittelt gegen Königstochter

Blaues Blut schützt nicht vor der Justiz: In Spanien ermittelt die Staatsanwaltschaft in einem Korruptionsskandal gegen die Königstochter Cristina. Sie soll an den kriminellen Geschäften ihres Mannes beteiligt sein.

Gegen die spanische Königstochter Cristina und ihren Mann Inaki Urdangarin ermittelt die spanische Justiz. ap

Gegen die spanische Königstochter Cristina und ihren Mann Inaki Urdangarin ermittelt die spanische Justiz.

MadridDas spanische Königshaus rutscht immer tiefer in den Korruptionsskandal um Juan Carlos' Schwiegersohn Iñaki Urdangarín. Richter José Castro lud am Mittwoch auch Urdangaríns Ehefrau, Infantin Cristina, als "Verdächtige" vor Gericht. Die Tochter von König Juan Carlos und Königin Sofia ist das erste Mitglied der Königsfamilie, das sich jemals wegen mutmaßlichen Fehlverhaltens vor der Justiz erklären muss.

Prinzessin Cristina soll am 27. April vor Gericht in Palma de Mallorca aussagen, wie aus dem richterlichen Beschluss hervorgeht. Die 47-Jährige wird demnach als "Verdächtige" befragt. In Medien waren zuletzt Dokumente veröffentlicht worden, wonach die Tochter von Juan Carlos von den Machenschaften ihres Mannes wusste. Cristina nicht vorzuladen, würde "das Gebot verletzen, wonach jeder vor der Justiz gleich ist", erklärte der Richter.

Das spanische Königshaus wollte sich zu der Affäre am Mittwoch nicht äußern. Die Staatsanwaltschaft kündigte am Mittwoch einen Einspruch gegen die Vorladung Cristinas an. Es "existiert überhaupt kein Hinweis auf irgendeine Beteiligung an irgendeinem Gesetzesverstoß", erklärte die Behörde.

Gegen Urdangarín laufen Ermittlungen wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder. Er und sein früherer Geschäftspartner Diego Torres stehen im Verdacht, über eine gemeinnützige Stiftung, das Noos-Institut, Finanzmittel der Regionalregierungen auf den Balearen und in Valencia in Millionenhöhe veruntreut zu haben. Den beiden wird auch Steuerbetrug vorgeworfen.

Prinzessin Cristina war Mitglied im Direktorium des Noos-Institutes. Bis vor kurzem war sie nicht öffentlich mit dem Skandal in Verbindung gebracht worden. Dies änderte sich aber, als in der vergangenen Woche die Zeitungen "El País" und "El Mundo" Auszüge aus Schreiben veröffentlichten, wonach die Infantin von den Machenschaften ihres Ehemannes gewusst haben soll.

Einige Schreiben legen demnach dar, "wie der Herzog seiner Frau die Details der Funktionsweise und Geschäfte des Noos-Instituts erklärt". In einem Schreiben vom 20. Februar 2003 fragte er Cristina den Zeitungen zufolge um ihre Meinung zu einem Dokument, das für Kunden und Mitarbeiter bestimmt war.

König Juan Carlos hatte sich zuletzt zusehends von seinem Schwiegersohn distanziert. So wird dieser nicht mehr auf den offiziellen Fotos der Königsfamilie abgebildet. Diese kämpft seit geraumer Zeit mit fallendem Ansehen in der Bevölkerung. Unter anderem sorgte im vergangenen Jahr ein Jagdausflug des 75-jährigen Königs nach Afrika für Unmut.

Von

afp

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