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09.09.2015

12:42 Uhr

Sportler helfen Flüchtlingen

„Es ist zauberhaft, ihr Lächeln zu sehen“

Kritiker werfen dem Profisport oft vor, gesellschaftliche Probleme zu ignorieren. Doch die dramatische Situation vieler Flüchtlinge ruft große Vereine und Stars auf den Plan. Ist das Engagement echt oder nur symbolisch?

Millerntorstadion in Hamburg: Die Spieler von St. Pauli und Borussia Dortmund laufen begleitet von Flüchtlingskindern ins Stadion ein. dpa

FC St. Pauli - Borussia Dortmund

Millerntorstadion in Hamburg: Die Spieler von St. Pauli und Borussia Dortmund laufen begleitet von Flüchtlingskindern ins Stadion ein.

Hamburg/BerlinEs gibt Fußballspiele, bei denen ist der Sport nur Nebensache. Das Testspiel im Hamburger Millerntor-Stadion zwischen dem Zweitligisten FC St. Pauli und Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund vor 25 731 Zuschauern war so eine Partie. „Refugees Welcome“ (Flüchtlinge willkommen) lautete das Motto am Dienstagabend.

1000 Flüchtlinge samt freiwilligen Helfer waren eingeladen, damit sie zumindest für wenige Augenblicke ihre Sorgen vergessen. „Es ist zumindest ein kleiner Anfang, dass man ihnen das Gefühl vermittelt, willkommen zu sein“, sagte BVB-Trainer Thomas Tuchel.

Bereits vor dem Spiel wurden Zeichen der Gastfreundschaft gesetzt. Die St.-Pauli-Spieler liefen beim Aufwärmen mit der Botschaft „Refugees Welcome“ auf. Beim Einlaufen der Mannschaften hielten die Anhänger Willkommensbanner in die Höhe.

Wie Vereine und Sportler den Flüchtlingen helfen

Einlaufkinder

Die Fußballer des FC Bayern sollen an diesem Samstag (12. September) beim Heimspiel gegen den FC Augsburg mit Flüchtlingskindern ins Stadion einlaufen. Sie sollen je ein Kind aus Deutschland und ein Flüchtlingskind an die Hand nehmen.

Geldspenden

Der FC Bayern gibt eine Million Euro, Real Madrid ebenfalls und das Internationale Olympische Komitee spendet rund 1,8 Millionen Euro für Flüchtlingsprojekte. Vereine und Sportler kündigen in diesen Tagen häufig große Summen an. Auch der Fußball-Club AS Rom rief eine internationale Initiative zur Flüchtlingshilfe ins Leben.

Kostenlose Tickets

Viele Vereine stellen Karten für Flüchtlinge bereit – die Liste ist lang. Fußball-Zweitligist FC St. Pauli hat gerade 1000 Flüchtlinge eingeladen. Getan haben das unter anderem auch bereits Fortuna Düsseldorf, 1. FC Nürnberg, der Drittligist Würzburger Kickers und das Oberligateam SV Lichtenberg.

Mannschaft

Gerade erst hat Deutschlands erste reine Flüchtlingsmannschaft „Welcome United 03“ in Potsdam den Liga-Spielbetrieb aufgenommen. Der Verein SV Babelsberg 03 hat das Team als dritte Herrenmannschaft angemeldet.

Öffentliche Statements

Superstar Lionel Messi vom FC Barcelona äußerte sich bei Facebook betroffen über die Lage der Flüchtlinge: „Solche Dinge sollten im 21. Jahrhundert unvorstellbar sein.“ Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer forderte in der „Bild“-Zeitung, jedem Flüchtling zu helfen.

Trainingscamp

Ein Vorschlag des FC Bayern. Der Fußball-Club plant durch seine Jugendabteilung ein Trainingscamp für junge Flüchtlinge. Kinder und Jugendliche sollen dort trainieren, Deutsch lernen, Mahlzeiten und Fußballsachen bekommen.

Trikots

Bayern-Defensivspieler Javi Martínez war am Münchner Hauptbahnhof, wo viele Flüchtlinge ankommen. Er verschenkte Bälle und Trikots an Flüchtlinge. Auch das Kleinste helfe, twitterte der spanische Profi der Münchner. Auch der VfL Bochum verteilte Kleiderspenden in einer Flüchtlingsunterkunft.

Turnhallen

Mitunter ein umstrittener Punkt. Viele Städte funktionieren Turnhallen in Notquartiere um. Die Belegung von Turnhallen als Flüchtlings-Unterkünfte dürfte nur „eine Übergangslösung“ sein, hatte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörman, vor kurzem gesagt.

Unterricht

Profisportler trainieren Flüchtlinge. Ein Beispiel ist Olympia-Boxer Artem Harutyunyan, der sich in einem Hamburger Flüchtlingsheim engagiert. Die Eishockey-Spieler von den Eisbären Berlin luden Flüchtlingskinder bereits zum Schlittschuhlaufen ein.

Videobotschaft

Die Fußball-Nationalelf veröffentlichte ein Video, in dem sich Spieler gegen Gewalt und Fremdenhass stellen. Das Video dauert rund 20 Sekunden, mehrere Spieler halten Zettel hoch: Für Fairplay, Weltoffenheit, Hilfsbereitschaft, Respekt und Integration.

Die Einlaufkinder waren Flüchtlingskinder aus der Erstaufnahmeeinrichtung in den Hamburger Messehallen. Dortmunds Verteidiger Neven Subotic kann das Leid der Kinder besonders gut nachempfinden. Als er zwei Jahre alt war, floh er mit seiner Familie aus dem Kriegsgebiet von Jugoslawien nach Deutschland.

Testspiel: FC St. Pauli gegen Borussia Dortmund in Hamburg: Der Flüchtling Huseyin aus Syrien hält vor der Partie ein Schild mit der Aufschrift «Vielen Dank Deutschland!». dpa

FC St. Pauli - Borussia Dortmund

Testspiel: FC St. Pauli gegen Borussia Dortmund in Hamburg: Der Flüchtling Huseyin aus Syrien hält vor der Partie ein Schild mit der Aufschrift «Vielen Dank Deutschland!».

„Ich musste echt schlucken, als ich die kleinen Kinder aufgereiht sah“, sagt der 26-Jährige. Besonders ein Mädchen, das ihren kleinen Bruder mit dem Armen eng umschlang, habe ihn bewegt: „Vermutlich hat sie sich die letzten Wochen sehr um ihn gekümmert. Wir alle können uns nicht vorstellen, was sie durchgemacht hat. Es ist zauberhaft, nun deren Lächeln zu sehen“. Jedem war bewusst, dass sich mit einem Fußballspiel keine Probleme lösen lassen. Zumindest aber könne man ein Zeichen setzen, lautete die Meinung vieler.

St.-Pauli-Trainer Ewald Lienen rief jeden auf, Flüchtlingen zu helfen. „Es reicht nicht, nur ein Banner hochzuhalten. Wir müssen das auch im Alltag umsetzen. Auch bei uns gibt es Spieler und Trainer, die sich sehr engagieren und zum Beispiel Trainingseinheiten mit Flüchtlingen machen. Es ist unsere Aufgabe, sie hier willkommen zu heißen.“ Richtig in Rage gerät der 61-Jährige, wenn er auf die Gegner von Flüchtlingen zu sprechen kommt: „Die würde ich am liebsten dorthin schicken, wo die Flüchtlinge herkommen.“

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