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11.06.2011

15:58 Uhr

Sprossen-Gegenprobe

Bundesinstitut bestätigt aggressiven EHEC-Typ

Der EHEC-Erreger an den Sprossen vom Biohof in Bienenbüttel ist exakt vom selben Typ wie der Darmkeim, an dem mehr als 30 Menschen in Deutschland gestorben sind.

Lebensmittelproben in Glaskolben werden auf EHEC untersucht. Quelle: dpa

Lebensmittelproben in Glaskolben werden auf EHEC untersucht.

Berlin/BienenbüttelDas sagte der Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums, Holger Eichele, am Samstag in Berlin der Nachrichtenagentur dpa. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) habe bestätigt, dass es sich um das Bakterium O104:H4 handelt. Am Freitag war der lebensbedrohliche EHEC-Typ erstmals an Sprossengemüse von dem niedersächsischen Betrieb nachgewiesen worden. Ein Labor in Nordrhein-Westfalen entdeckte den Darmkeim an Sprossen aus einer geöffneten Verpackung. Diese hatte ein Familienvater aus Königswinter bei Bonn aus dem Müll geholt, nachdem seine Frau und seine Tochter schwer erkrankt waren.

Die Ergebnisse der Landesbehörden in Nordrhein-Westfalen seien mit der BfR-Analyse bestätigt, sagte Eichele. „Dieses Labor-Ergebnis ist ein weiterer wichtiger Stein in der Beweiskette, dass rohe Sprossen als wesentliche Quelle für die EHEC-Infektionen der letzten Wochen anzusehen sind.“

Doch auf die Nachricht vom EHEC-Fund an Sprossen folgt Ernüchterung: Die Spurensuche nach dem Fund der verseuchten Sprossen geht weiter. Die Lieferkette vom verdächtigen Biohof in Niedersachsen zu den Erkrankten in Nordrhein-Westfalen sei noch unklar, betonte Landesverbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) in einem WDR-Interview. Ebenso offen ist, wie der aggressive Darmkeim auf das Gelände in Bienenbüttel kam, sagte der niedersächsische Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) der „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Heidelberg/Samstag).

Juristischen Konsequenzen der EHEC-Epidemie drohen dem Betrieb dem Minister zufolge nicht. „Nach allen bisherigen Erkenntnissen wurde auf dem Betrieb nichts falsch gemacht.“ Der Hof habe hohe Hygienestandards und sei bisher nicht negativ aufgefallen. Der Präsident des niedersächsischen Bauernverbands, Werner Hilse, kritisierte das Vorgehen der Landesregierung, Betriebe wie den Sprossenhof namentlich genannt zu haben. „Man hätte ja auch einfach sagen können: Es ist ein Betrieb in Niedersachsen von EHEC betroffen, der ist gesperrt und vor dem Verzehr von Sprossen wird gewarnt“, sagte Hilse der in Hannover erscheinenden „Neuen Presse“ (Samstag). „Der Name ist doch für die Öffentlichkeit völlig irrelevant.“ Die öffentliche Nennung bedeute erstmal das Aus. „Die Chance ist, dass der Betrieb entweder schnell wieder freigegeben wird oder er genug finanzielle Reserven hat, um einen Neuanfang zu schaffen.“

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte der „Bild am Sonntag“: „Weitere Todesfälle sind nicht ausgeschlossen, so schmerzlich das ist. Als Bundesgesundheitsminister schaue ich deshalb besonders auf die aktuelle Situation in den Krankenhäusern.“ Ein Wiederaufflammen der Seuche hält er für „sehr unwahrscheinlich“.

Mehr als 4000 Menschen sind deutschlandweit an EHEC erkrankt oder stehen unter Infektionsverdacht. Jost de Jager, Wissenschaftsminister in Kiel, warnte davor, die Krankenhäuser auf den hohen Kosten sitzen zu lassen. „Allein am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein drohen uns schon jetzt Fehlbeträge in Höhe mehrerer Millionen Euro“, sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur dpa. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos setzt nach der Entwarnung für Tomaten, Salat und Gurken auf eine steigende Gemüsenachfrage. „Ich hoffe, dass der Markt sich schnell wieder erholt“, sagte Ciolos der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag). Er bekräftigte, die Europäische Kommission wolle Bauern eine schnelle Entschädigung für die Ausfälle zusichern. Er setze darauf, dass die EU-Mitgliedstaaten am Dienstag grünes Licht für das 210-Millionen-Euro-Hilfspaket der Kommission geben. „Dann könnten wir die ersten Hilfen im Juli abwickeln und auszahlen."

Von

dpa

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