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12.01.2006

08:33 Uhr

Stallpflicht wahrscheinlich

Bauern fürchten Vogelgrippe

Die Ausbreitung der Vogelgrippe in Europa alarmiert die deutsche Ernährungsindustrie. Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, forderte, dass verstärkte Kontrollen des Reiseverkehrs zwischen der Türkei und Deutschland illegale Importe unterbinden.

HB BERLIN. Auch Bauernpräsident Gerd Sonnleitner mahnte angesichts der jüngsten Fälle in der Türkei zu „höchster Wachsamkeit“. Der deutsche Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) beriet gestern mit seinen Kollegen aus den Bundesländern über Maßnahmen zum Schutz gegen eine weitere Ausbreitung der Seuche. Er werde noch im Januar entscheiden, ob für die Zeit des Vogelzuges ab März erneut eine Stallpflicht in Deutschland verhängt wird, sagte Seehofer nach dem Treffen. Dieser Schritt werde „mit höchster Wahrscheinlichkeit“ notwendig sein. Nach der Ausbreitung der Vogelgrippe auf Russland hatte der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin am 22. Oktober 2005 die Freilandhaltung von Geflügel verboten, um eine Ansteckung durch Zugvögel zu verhindern. Das Verbot wurde am 15. Dezember aufgehoben.

Derzeit entscheidender für das Risiko einer Übertragung der Tierseuche sei aber der illegale Import von Geflügel und Produkten aus den befallenen Regionen wie der Türkei und Rumänien, erklärte Seehofer. In der EU wird Deutschland nach seinen Worten darauf dringen, dass die Kontrollen an den Außengrenzen verstärkt werden. Wenn in Deutschland illegal eingeführte Geflügelprodukte beschlagnahmt würden, deute das darauf hin, dass an den Außengrenzen zu wenig kontrolliert werde.

Auch die Vereinten Nationen haben gestern vor einem ernsthaften Risiko für die Nachbarländer der Türkei gewarnt. Zuvor waren in einem türkischen Touristengebiet am Mittelmeer vier Menschen mit Verdacht auf Vogelgrippe ins Krankenhaus gebracht worden. Der auch für den Menschen gefährliche Vogelgrippe-Erreger H5N1 hat bereits Tiere in rund einem Drittel aller türkischen Provinzen befallen.

Für eine wirksame Bekämpfung der Seuche müsste die internationale Gemeinschaft nach Einschätzung der Uno 1,5 Mrd. Dollar bereitstellen. Mit dieser Summe könnten die internationalen Organisationen ihren Kampf gegen die Krankheit führen und die einzelnen Länder ihre Grippeprogramme und effektive Kontrollsysteme aufbauen, erklärte der zuständige Uno-Koordinator David Nabarro in New York. Sollte es zu einer Vogelgrippe-Pandemie kommen, wäre aber weit mehr Geld nötig.

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