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31.10.2016

02:46 Uhr

Starke Schäden, Dutzende Verletzte

Wieder schweres Erdbeben in Mittelitalien

Am Sonntagmorgen hat ein Erdbeben der Stärke 6,6 die ohnehin von Erdstößen gezeichnete Region Mittelitalien erschüttert. Es war eines der stärksten seit Jahrzehnten. Tausende Menschen wurden obdachlos.

Epizentrum nahe Perugia

Erneut starkes Erdbeben in Mittelitalien

Epizentrum nahe Perugia: Erneut starkes Erdbeben in Mittelitalien

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RomWieder ist Mittelitalien von einem starken Erdbeben erschüttert worden. Das Beben am Sonntag sei das stärkste seit 1980, sagte der Chef des italienischen Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, am Sonntagmittag. Damals hatte ein Beben der Stärke 6,9 in Neapel und Umgebung 3000 Menschen das Leben gekostet und verheerende Schäden angerichtet. Todesopfer gebe es nach ersten Erkenntnissen nicht. Mehrere Personen wurden lebend aus Trümmern geborgen. Rund 20 Menschen seien verletzt worden, es schwebe aber niemand in Lebensgefahr. Auf Bildern waren zerstörte Kirchen und Häuser, Schuttberge und tiefe Risse in den Straßen zu sehen. Fernsehbilder zeigten sogar einen tiefen Riss in einem massiven Berg. Beim Zivilschutz meldeten sich fast 8000 Hilfsbedürftige. Sie würden in Hotels und Notunterkünften untergebracht, teilte das Zivilschutzamt in der Nacht mit. Es werde erwartet, dass rund 3000 weitere Bürger in der Nacht zum Montag Hilfe bräuchten. Die Einschätzung umfasste nicht jene, die in eigenen Zelten, Autos und Wohnwagen oder andernorts Zuflucht gefunden hatten.

Allein in der Region Marken seien mehr als 25 000 Menschen obdachlos geworden, sagte der Präsident der Region, Luca Ceriscioli. Hinzu kommen die Obdachlosen in der Region Umbrien, in der bei dem neuen Beben die Stadt Norcia besonders getroffen wurde. Viele Menschen sollen an die Küste gebracht werden. So erwartet der Bürgermeister der Adria-Stadt Civitanova, Tommasso Corvatta, eine „epochale Migration“.

Das Erdbeben der Stärke 6,6 legte viele Gebäude in Trümmer, die mehreren Erdstößen seit August standgehalten hatten. Bei dem Beben im August mit einer Stärke von 6,1 waren in den Regionen Umbrien und Marken fast 300 Menschen ums Leben gekommen. Am Mittwochabend hatte dort wieder die Erde gebebt.

Italiens Premierminister Matteo Renzi sagte den Menschen sofortige Hilfe zu und sprach ihnen sein Mitgefühl aus. „Wir werden alles wieder aufbauen: die Häuser, die Kirchen und die Geschäfte“, versprach der Regierungschef. Papst Franziskus sagte, er bete für die Menschen in der betroffenen Region.

„Es war ein sehr starker Erdstoß“, sagte der Cesare Spuri vom Zivilschutz in der Region Marken. „Es ist alles eingestürzt“, sagte der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Ussita, Marco Rinaldi, der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. In dem Ort hatten bereits die Beben von vergangenem Mittwoch starke Schäden angerichtet. „Ich sehe eine Rauchsäule, es ist ein Desaster, ein Desaster! Ich habe im Auto geschlafen und die Hölle gesehen.“

Der Präsident der Region Marken, Luca Ceriscioli, befürchtet Zehntausende Obdachlose. Zudem könne die Zahl der Hilfsbedürftigen auf bis zu hunderttausend steigen, sagte Ceriscioli.

Die Kathedrale des Heiligen Benedikt im Ortszentrum stürzte bis auf die Fassade ein. dpa

Norcia, nahe dem Epizentrum

Die Kathedrale des Heiligen Benedikt im Ortszentrum stürzte bis auf die Fassade ein.

Der Erdstoß gegen 7.40 Uhr am Sonntag hatte eine Stärke von 6,5, wie das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie und das Helmholtz-Zentrum in Potsdam mitteilten. Das Zentrum lag nahe der Stadt Norcia, die für ihren mittelalterlichen Kern bekannt ist. Auf der berühmten Piazza San Benedetto stürzte die Basilika aus dem 14. Jahrhundert ein. Die Stadtassessorin Giuseppina Perla sagte der Nachrichtenagentur Ansa: „Es ist, als ob die ganze Stadt zusammengefallen ist.“ Die Stadtmauer um den mittelalterlichen Kern des Orts mit knapp 5000 Einwohnern wurde beschädigt, ebenso eine weitere Kirche, Santa Maria Argentea, die für ihre Fresken aus dem 15. Jahrhundert bekannt ist.

Das Beben am Morgen ereignete sich den Experten zufolge in etwa zehn Kilometern Tiefe. Es handele sich um ein weiteres Nachbeben der verheerenden Erdstöße im Sommer rund um das Bergstädtchen Amatrice mit rund 300 Toten, sagte der Seismologe Frederik Tilmann vom Deutschen Geoforschungsinstitut in Potsdam. Die Beben regten sich gegenseitig an: „Wir sprechen von einer Erdbebensequenz - also mehreren Beben, die in der Größe etwas variieren, wo aber das größte nicht unbedingt am Anfang steht.“

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