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05.04.2006

11:20 Uhr

Starker Druck auf Deiche

Nervöses Warten auf den Hochwasserscheitel

Die Elbepegel in Sachsen-Anhalt sind am Mittwoch zunächst geringer angestiegen als prognostiziert. Doch von Entwarnung kann noch keine Rede sein.

In weiten Teilen von Sachsen-Anhalt herrscht noch immer Land unter. Foto: AP

In weiten Teilen von Sachsen-Anhalt herrscht noch immer Land unter. Foto: AP

HB MAGDEBURG. In Wittenberg werden die Wassermassen voraussichtlich nicht über die 6,25-Meter-Marke steigen, teilten die Behörden mit. Vorausgesagt waren 6,45 Meter. Nach Angaben von Innenminister Klaus Jeziorsky soll der Höchststand das Bundesland Ende dieser Woche erreichen. Erwartet werde ein „lang gestreckter Scheitel mit sehr langsam fallendem Pegel“. Deshalb würden die Deiche unter gewaltigem Druck stehen.

Die Landeshauptstadt Magdeburg rechnet damit, dass der Scheitel mit einer Höhe von 6,40 am Freitag anrollen wird, das sind 30 Zentimeter unter der Rekordhöhe vom Jahrhunderthochwasser 2002. „Wir planen vorsorglich eine Sicherheitsreserve von zehn Zentimetern ein“, sagte der Leiter des Krisenstabes, Holger Platz. Besonders gefährdete Bereiche würden verstärkt kontrolliert. An der Oststraße auf dem Werder, an der Rennbahn im Herrenkrug und im Handelshafen seien bereits rund 6.000 Sandsäcke verbaut. Die Deiche an der Elbe und am Umflutkanal würden weiterhin kontrolliert, erklärte Platz.

In der vom Hochwasser eingeschlossenen Ortschaft Gohlis in Sachsen ist am Mittwoch ein Straßendamm durchbrochen worden, damit das angestaute Wasser der Elbe abfließen kann. Wie ein Sprecher der Einsatzleitung weiter mitteilte, wollte die Bundeswehr im Laufe des Tages eine Behelfsbrücke an der etwa acht Meter breiten Lücke errichten. Mit dem Durchbruch soll verhindert werden, dass das Wasser in dem bei Riesa gelegenen Ort mit seinen rund 300 Einwohnern weiter ansteigt. Der Sprecher sagte, es gebe nun einen gewissen Entlastungseffekt. Häuser liefen nicht weiter voll. Die Bewohner müssten dennoch weiter mit Booten zu ihren Häusern gebracht werden. Die Straße sollte bereits Anfang der Woche durchbrochen werden. Das Einziehen von Spundwänden hatte sich jedoch verzögert, weil eine Ramme ausgefallen war.

Die Einwohner hatten seit längerem gegen die nach der Wende entstandene Straße zwischen Zeithain und Gohlis protestiert, die im alten Elbearm liegt und bei Hochwasser wie ein Deich wirkt. Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) hatte bei einem Ortstermin vor wenigen Tagen Planungsfehler eingeräumt. Mittelfristig soll nun eine Brücke die Straße ersetzen.

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