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16.03.2017

15:22 Uhr

Steinewerfer-Prozess

„Froh, dass wir am Leben sind“

Ein Betonbrocken auf der Straße. Das Auto einer Familie prallt dagegen. Vier Menschen werden beinahe getötet. Beim Prozess kommt die Heimtücke der Tat zur Sprache. Aber auch große menschliche Anteilnahme.

Nach dem Aufprall überschlug sich der Familienwagen mehrfach. dpa

Verheerender Unfall

Nach dem Aufprall überschlug sich der Familienwagen mehrfach.

EllwangenDieser Prozess macht einen wütend. Aber er macht auch Mut. Es geht vor allem um die heimtückische Tat eines sogenannten Steinewerfers, aber daneben gibt es eine Geschichte von bewegender Hilfsbereitschaft. Vor dem Landgericht Ellwangen muss sich seit Donnerstag ein 37-Jähriger wegen versuchten Mordes verantworten. Von einer Brücke der Autobahn 7 habe er in der Dunkelheit am 25. September 2016 einen zwölf Kilogramm schweren Betonpflasterstein auf die Autobahn 7 geworfen – und zwar in der klaren Absicht, Menschen zu töten, wie die Staatsanwaltschaft erklärt.

Wie ein Donnerschlag erwischt das Unglück die vierköpfige Familie Öztürk aus Laupheim (Kreis Biberach). Sie sind auf dem Heimweg von einer Hochzeit, als ihr Wagen gegen 1:30 Uhr gegen den Betonstein prallt und sich mehrfach überschlägt. Mutter Deniz (26), Vater Serdal (33), die Tochter (6) sowie der Sohn (5) werden bei dem Unfall auf der A7 nahe Giengen an der Brenz bei Heidenheim schwer verletzt.

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Ein Mann fährt mit seinem Auto in eine Menschengruppe und tötet einen 73-Jährigen. Zwei verletzte Fußgänger hätten das Krankenhaus bereits verlassen. Der Verdächtige sei weiterhin nicht vernehmungsfähig.

Bis heute leiden sie an den Folgen, den körperlichen wie den seelischen, besonders die Mutter. Aber Serdal und Deniz Öztürk erfahren auch, dass Nachbarn, Freunde und unzählige andere Menschen in ihrer Heimatstadt Laupheim sie in dieser schweren Zeit nicht allein lassen. Einige sitzen im Gerichtssaal, andere warten davor – und erzählen Reportern, was sie über die Öztürks denken und warum sie nach dem Unfall eine Hilfsaktion gestartet haben.

„Das sind prima Menschen“, sagt der Kaufmann Leander Baumgart (47). „Serdals Eltern sind nach Deutschland ausgewandert, er ist hier aufgewachsen, arbeitet als Gabelstaplerfahrer. Alle mögen ihn, seine Kinder und seine Frau.“ Als sich die Nachricht von dem Unfall verbreitete, rief Baumgart auf der öffentlichen Facebookseite „Laupheimer ist...“ zur Hilfe auf. „Die Reaktion war überwältigend“, sagt er.

Deniz Öztürks Verletzungen waren so schwer, dass nach einer Schädel-Basis-Fraktur mit Hirnbluten und einer Halswirbelfraktur eine Querschnittslähmung drohte. Zudem musste ihr der rechte Unterschenkel amputiert werden. Sie sitzt im Rollstuhl, ist teils gelähmt und kann ihre Notdurft – wie sie im Gericht als Zeugin mit leiser Stimme erzählt – nicht ohne Hilfe verrichten.

„Es war klar, dass die Familie nun nicht mehr im Haus von Serdals Eltern mit all den Treppen leben kann“, sagt Baumgart. „Wenn Deniz nach der Rehabilitation aus dem Krankenhaus entlassen wird, braucht sie mit ihrem Rollstuhl barrierefreien Wohnraum.“ Vor allem dafür wurden in Laupheim gesammelt. Bislang sind laut Baumgart „deutlich mehr als 35.000 Euro“ zusammengekommen. „Das ist der Grundstock für das neues Haus, in das die Familie hoffentlich bald einziehen kann.“

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