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26.11.2015

15:14 Uhr

Stiftung Warentest

Krebserreger in Kuscheltieren

Viele Plüschtiere sind nicht nur mangelhaft, sondern gefährden auch die Gesundheit. Dieses erschreckende Ergebnis lieferte zum wiederholten Mal die Stiftung Warentest. Nur acht von 30 Produkten seien empfehlenswert.

Krebserregende Stoffe, reißende Nähte, verschluckbare Einzelteile – das Urteil der Stiftung Warentest über einige Plüschtiere fiel vernichtend aus. dpa

Gefährliche Plüschtiere

Krebserregende Stoffe, reißende Nähte, verschluckbare Einzelteile – das Urteil der Stiftung Warentest über einige Plüschtiere fiel vernichtend aus.

BerlinNur wenige Plüschtiere eignen sich laut Stiftung Warentest wirklich zum Kuscheln. Von 30 Kuscheltieren seien gerade einmal acht empfehlenswert, berichtete die Stiftung Warentest am Donnerstag in der Dezember-Ausgabe ihrer Zeitschrift „Test“. Bei den anderen rissen in einem Test entweder Nähte schnell auf, oder das Material enthielt Schadstoffe.

Lediglich ein fast 60 Euro teurer Hase bestand den Test mit der Bestnote 1,0. Sechs weitere Kuscheltiere befanden die Tester für „gut“. Ein Kuscheltier schnitt befriedigend ab. 22 Plüschtiere waren aber „mangelhaft“. Für ihren Test kauften die Prüfer der Stiftung Warentest 30 exemplarisch ausgewählte Plüschtiere für Kinder – von Hasen, Schafen und Affen über Katzen bis hin zu Elefanten und Drachen.

Stiftung Warentest: Test von Plüschtieren 2015

Anbieter

Untersucht wurden dreißig exemplarisch ausgewählte Plüschtiere – von bekannten Markenanbietern wie Steiff, Sigikid und Käthe Kruse ebenso wie von Handelsunternehmen wie Ikea, Karstadt, Galeria Kaufhof, Kik und Toys'R'Us.
Quelle: Stiftung Warentest

Test

Die Plüschtiere wurden einem umfangreichen Sicherheitscheck unterzogen: Neben Prüfungen auf etwa 180 verschiedene Chemikalien wurde untersucht, ob sich verschluckbare Kleinteile zu leicht lösen, die Nähte zu schnell reißen, ob das Spielzeug speichel- und schweißecht ist sowie ob es leicht entflammt werden kann.

Mangelhaft

Im Ergebnis wurden 21 Spielzeuge wegen Sicherheitsmängeln mit „Mangelhaft“ bewertet, davon entsprachen drei nicht den rechtlichen Vorgaben, hätten also nicht verkauft werden dürfen.

Nicht stabil

Bei den drei nicht verkehrsfähigen Produkten – einem Plüschtier von Karstadt, einem Drachen von Käthe Kruse und einem Hasen von Steiff – waren die Nähte nicht ausreichend stabil. Sie können aufgehen, wenn Kinder zum Beispiel beim Streit um das Spielzeug stärker daran reißen.

Weichmacher

Der Drache von Käthe Kruse enthielt darüber hinaus auch noch den Weichmacher DEHP in der Knisterfolie in den Flügeln. Dieses Phthalat kann die Fortpflanzungsfähigkeit gefährden und ist deshalb EU-weit in Spielzeug schon seit Jahren verboten.

Gefährlich

In der Nase des Tedi-Teddybären fanden die Tester das Phthalat (Weichmacher) DIBP, das ebenfalls wie DEHP die Fortpflanzungsfähigkeit gefährden kann.

Krebserreger

In 13 Spielzeugen fanden wir den als krebserzeugend eingestuften Stoff Chrysen. Dieser polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoff, kurz PAK genannt, wird in Spielzeug EU-weit ab dem 27. Dezember dieses Jahres beschränkt sein.

Norm überschritten

Als krebserzeugend eingestuft ist auch Formaldehyd, das in den Füßen des Kösen-Pinguins gefunden wurde. Der Höchstgehalt der Spielzeugnorm wurde überschritten.

Sicheres Spielzeug

Die Empfehlungsliste umfasst acht Spielzeuge von den Anbietern Senger Tierpuppen, Spiele Max, Galeria Kaufhof, Kik, Sigikid, Oetinger Natur, Schmidt Spiele und Heunec. Diese Produkte haben alle Sicherheitsprüfungen bestanden.

Kosten

Diese Spielzeuge kosten zwischen fünf Euro (für das Lamm von Kik) bis 58 Euro (für den Hasen von Senger Tierpuppen). Hergestellt wurden sie laut Anbieter in Deutschland, Europa, Ägypten und Fernost.

Tipps für Käufer I

Riecht es auffällig oder ist es schlecht und nachlässig verarbeitet, sollte man die Finger davon lassen. Dazu sollte man durchaus auch an Nähten, Etiketten oder Knopfaugen ziehen.

Tipps für Käufer II

Plüschspielzeug sollte aus hygienischen Gründen auch in der Waschmaschine waschbar sein und es ist empfehlenswert, es vor der Benutzung auch tatsächlich zu waschen.

Im Labor testeten sie die Spielwaren auf Sicherheit und Schadstoffbelastung. Überprüft wurde beispielsweise, wie Kinder vor verschluckbaren Einzelteilen geschützt sind, oder ob die Tiere ein Zerren an Armen und Beinen verkraften. Darüber hinaus prüften die Tester die Schadstoffbelastung. Bei diesem Test schnitten insgesamt 20 der 30 Plüschtiere schlecht ab.

In 19 Fällen sei das Fell mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, sogenannten PAK, belastet gewesen, berichtete die Stiftung Warentest. Mit dem krebserregenden PAK Chrysen waren demnach 13 Plüschtiere verunreinigt; sieben enthielten den vermutlich krebserzeugenden PAK Naphtalin – und das „in deutlichen Mengen“.

Krebserregendes Formaldehyd wurde laut „Test“ in den Füßen eines Pinguins entdeckt. Phthalate – also Weichmacher, die sich auf die Fortpflanzungsfähigkeit auswirken können – wurden in zwei Kuscheltieren gefunden. Durch den Sicherheitstest fielen laut Stiftung Warentest drei Kuscheltiere – von zwei namhaften Herstellern und einer großen Kaufhauskette.

Ihre Nähte seien an Armen, Ohren und Füßen so weit aufgerissen, dass Kinder die Füllung herauspulen und in den Mund stecken könnten, heißt es in „Test“. Da die drei Stofftiere die rechtlichen Vorgaben nicht eingehalten hätten, seien die Hersteller und die Aufsichtsbehörden informiert worden.

Alle Jahre wieder untersuche die Stiftung Warentest Spielzeug auf Sicherheit, kommentierte Holger Brackemann, Bereichsleiter Untersuchungen. „Und alle Jahre geben diese Testergebnisse leider Anlass zur Besorgnis.“

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