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28.10.2014

07:54 Uhr

Stiftung Warentest warnt

Zu viele Krebserreger im Schwarzen Tee

VonKaren Grass

Viele schwören auf Schwarzen Tee und nutzen ihn als Ersatz für Kaffee. Die Ergebnisse der Stiftung Warentest dürften Teefans jedoch die Laune verderben. Warum Tee die Gesundheit gefährden kann und wo man aufpassen muss.

Heißbegehrt, doch nicht immer auch gesund: Schwarzer Tee kann Stoffe enthalten, die womöglich krebserregend sind. Reuters

Heißbegehrt, doch nicht immer auch gesund: Schwarzer Tee kann Stoffe enthalten, die womöglich krebserregend sind.

DüsseldorfSie duften nach Heu und schmecken je nach Sorte blumig, vielleicht sogar ein wenig nach Jasmin, oder aber süßlich-herb: Schwarze Tees der Sorten Darjeeling und Ceylon Assam sind äußerst beliebt. Doch die Stiftung Warentest kommt in einer aktuellen Untersuchung zu einem beunruhigenden Ergebnis.

Die Tester fanden in allen 27 untersuchten Darjeeling- und Ceylon-Assam-Tees den Stoff Anthrachinon, teils in eher geringen, teils in deutlich überhöhten Mengen. Der Stoff, der oft als Basis für bestimmte Farbprodukte oder in der Herstellung von Zellstoff eingesetzt wird, gilt als potenziell kanzerogen – steht also im Verdacht, Krebs zu erregen.

Dennoch trauten sich die Lebensmittelchemiker der Stiftung Warentest zunächst keine eindeutige Aussage zu, was ihre Testergebnisse nun bedeuten. Denn während in Tierversuchen eine krebserregende Wirkung von Anthrachinon festgestellt wurde, sind die Auswirkungen auf den Menschen bisher nicht einwandfrei geklärt.

Deshalb gilt in der Lebensmittelindustrie eigentlich die Maxime, die Stoffmengen in Gebrauchs- und Lebensmitteln so gering wie möglich zu halten. Das wiederum ist bei den untersuchten Tees definitiv nicht der Fall. Stiftung Warentest erklärt, dass die Substanz, die unter anderem beim Trocknen der Teeblätter entstehen kann, nie vollkommen ausgeschlossen werden kann.

Der Test

Testsieger (1)

Darjeeling von Tee Gschwendner führt das Ranking der 19 Darjeelings an.

Quelle: Stiftung Warentest

Testsieger (2)

Bei den acht Ceylon Assam-Mischungen schnitt die Norma-Eigenmarke Cornwall am besten ab.

Testverlierer (1)

Goldmännchen verhagelten die hohen Schadstoffwerte die ansonsten befriedigende Performance der Ceylon-Assam-Mischung komplett.

Testverlierer (2)

Unter den schlechtesten drei Darjeeling-Sorten befanden sich drei Bioproduktlinien: Gepa, Fairglobe-Darjeeling und die Alnatura mit ihrem Darjeeling Blatttee.

Tees mit geringem Schadstoffgehalt (1)

Gute Noten mit Blick auf die untersuchten Schadstoffe holen die Ceylon-Assam-Mischungen von Cornwall, Ja!, Tip und Captains Tea.

Tees mit geringem Schadstoffgehalt (2)

Unter den Darjeelings erreicht nur Das gesunde Plus von dm ein „gut“.

Darauf wurden die Tees getestet (1)

Die Tees wurden nach dem Kriterium der Marktstärke der jeweiligen Produkte im Segment Schwarzer Tee ausgewählt. Neben 21 stark nachgefragten Tees wurden sechs Bioprodukte in den Test einbezogen, da diese bei Tee eine besondere Rolle einnehmen und von vielen Liebhabern bevorzugt werden.

Darauf wurden die Tees getestet (2)

Die Tees wurden auf ihre sensorische Qualität, auf Schadstoffgehalte, auf die Handlichkeit der Verpackung, auf die Authentizität der Herkunft und auf die ordnungsgemäße Deklaration überprüft.

Weitere belastete Tees

Die Stiftung Warentest geht davon aus, dass auch bei anderen als den untersuchten Teesorten Risiken bestehen könnten. Sie untersuchten nur Schwarztees, da nur 27 Testplätze vorhanden waren. Allerdings wäre weitere Forschung wünschenswert, so die Autoren der Studie. Denn in einer früheren Untersuchung des Europäischen Schnellwarnsystems für Lebensmittel wurden auch grüne Tees mit erhöhten Schadstoffwerten gefunden.

Doch bei zwei der untersuchten Ceylon-Assam-Tees und bei einem Darjeeling überschritten die Anthrachinon-Werte die Richtwerte so deutlich, dass die Stiftung ein „mangelhaft“ aussprach. Unter den schwarzen Schafen war auch eine Biomarke. Drei weitere Biotees erhielten nur die Bewertung „ausreichend“, schnitten also im Vergleich zu den konventionellen Produkten eher schlecht ab.

Nur einer von 19 Darjeeling-Tees – Das gesunde Plus der Drogeriekette dm – erreicht mit Blick auf die Schadstoffgehalte die Note „gut“. Bei den Assam-Ceylon-Tees kamen immerhin vier der acht Sorten auf dieses Niveau. Generell gilt für alle Lebensmittel ein Wert von zehn Mikrogramm Anthrachinon als unbedenklich.

Doch die Tester orientierten sich an einem künftig geplanten EU-weiten Grenzwert speziell für Tee: Dieser beträgt 20 Mikrogramm Anthrachinon je Kilogramm. Die Tester fanden in den untersuchten Tees Werte von sechs bis 76 Mikrogramm je Kilogramm.

Dabei überschritten nur zwei der Produkte diese Grenze deutlich, und zwar der Ceylon-Assam der Marke Goldmännchen und der Darjeeling des Bioherstellers Alnatura. „Wir können bisher nicht sagen, wie gefährlich, wie kanzerogen der Stoff wirklich ist, da die toxikologische Forschung dazu noch läuft“, sagt Ina Bockholt, Lebensmittelexpertin der Stiftung Warentest.

Kommentare (5)

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Herr Torsten Steinberg

28.10.2014, 13:48 Uhr

It's tea-time, Sir! - Jetzt wird es aber langsam höchste Zeit, die Ergebnisse der umfangreichsten und andauerndsten Langzeitstudie der Welt aufzudecken. Inwieweit hat der Teekonsum zu einem signifikanten Anstieg der Krebsinfektionen unter den passioniertesten Teetrinkern der Welt, den Engländern, im Vergleich zu den Deutschen einerseits, die statt dessen eher dem Bier ihre Zuneigung schenken, und den Italienern andererseits, für die es außer Espresso und Wein sowieso keine Alternative gibt, geführt? Heraus mit der Wahrheit!

G. Nampf

28.10.2014, 15:36 Uhr

"Beim Trocknen kann etwas schief laufen"

Ist wohl der Bediener mit dem kurzen linken Bein.

Herr Horst Dörner

28.10.2014, 19:13 Uhr

Trinke seit vielen Jahren mindestens 0,5 ltr. schwarzen und 0,5 ltr grünen Tee täglich. Einziges Gesundheitsproblem: ständig zunehmende Schwerhörigkeit. Zusammenhang möglich ??

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