Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.04.2013

20:23 Uhr

Streik beendet

Lufthansa will zum Normalbetrieb zurück

Schon am Dienstag will die Lufthansa wieder zu ihrem normalen Flugplan zurückkehren. Bereits nach einem Streiktag soll bereits morgen wieder Normalität einkehren.

Schon am Dienstag sollen die Kunden der Lufthansa wieder abheben können. Reuters

Schon am Dienstag sollen die Kunden der Lufthansa wieder abheben können.

FrankfurtDurch einen Warnstreik der Gewerkschaft Verdi ist der Flugbetrieb bei der Lufthansa am Montag fast komplett lahmgelegt worden. Von knapp 1800 planmäßigen Flügen konnten nur 42 tatsächlich starten, wie Deutschlands größte Airline am Abend mitteilte. Nach Verdi-Angaben hatten rund 12.000 Beschäftigte des Bodenpersonals vom frühen Morgen an die Arbeit niedergelegt, um ihre Forderung nach höheren Gehältern durchzusetzen.

Nach Lufthansa-Angaben hoben am Montag nur 30 Kurz- und Mittelstrecken- sowie zwölf Langstreckenflüge ab. Die Konzerntochter Germanwings war demnach nicht von dem Streik betroffen. Am Dienstag wolle die Lufthansa „möglichst schnell“ wieder wie geplant fliegen, sagte eine Unternehmenssprecherin. Die Rückkehr zum Normalflugplan hänge davon ab, wann die Warnstreiks beendet würden und wie schnell die Frühschicht die Arbeit wieder aufnehme. Mit „vereinzelten Planabweichungen“ sei am Dienstag und den darauf folgenden Tagen zu rechnen.

Betroffen von dem ganztägigen Warnstreik im laufenden Tarifkonflikt waren unter anderem die Standorte Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Hannover, Düsseldorf und Köln. An Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt am Main begannen die Beschäftigten laut Verdi ab 05.00 Uhr morgens mit dem Warnstreik. Im Tagesverlauf beteiligten sich dort demnach 3000 Konzernmitarbeiter an dem Ausstand.

Die Rechte der Fluggäste bei Streiks

Stornierung und Umbuchung

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen könnte.

Verspätung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen eine Entschädigung dann nicht. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) nun entschied: Streiks auch der eigenen Piloten sind „außergewöhnliche Umstände“, die von Airlines „nicht beherrscht“ werden können, heißt es in dem Urteil.

Die Fluggesellschaft veröffentlichte auf ihrer Webseite lufthansa.com einen Sonderflugplan und richtete eine kostenfreie Hotline (0800 850 60 70) ein. Passagiere konnten ihre Tickets kostenfrei umbuchen, stornieren oder innerhalb Deutschlands auf die Deutsche Bahn ausweichen. Darüber hinaus gebe es aber keinen Anspruch auf Schadenersatz, sagte ein Konzernsprecher: „Das fällt unter höhere Gewalt.“

Verdi hatte am Freitag zu dem Warnstreik aufgerufen, um in den seit Februar laufenden Tarifverhandlungen Druck zu machen. Die Lufthansa habe in der dritten Runde am Mittwoch „kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt“. Verdi verlangt für rund 33.000 Beschäftigte des Konzerns 5,2 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Wichtig sind der Gewerkschaft auch die Sicherung von Arbeitsplätzen und Verbesserungen für die Auszubildenden.

Laut Verdi hatte die Lufthansa ein Angebot vorgelegt, das Gehaltserhöhungen zwischen 0,4 und 0,6 Prozent in den ersten zwölf Monaten vorsieht. Die Lufthansa selbst sprach von einem Angebot mit einer zweistufigen Gehaltserhöhung in Höhe von 1,7 Prozent für die Lufthansa AG, in Höhe von 2,1 Prozent für die Frachttochter Lufthansa Cargo und den IT-Dienstleister Lufthansa Systems und im Umfang von 2,3 Prozent für die Lufthansa Technik. Sie kritisierte den Streik als unverhältnismäßig und geht von einem finanziellen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe aus.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×