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21.03.2017

17:32 Uhr

Streit um Limit für Wiesn-Bierpreis

Fass vor dem Überlaufen

Der Bierpreis auf dem Oktoberfest ist an sich schon jedes Jahr ein Aufregerthema. Jetzt will der Wiesn-Chef den Maßpreis für drei Jahre deckeln. Die Wirte rebellieren, die Fronten vor dem nächsten Anstich verhärten sich.

Weil sich der zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU) von Wirtesprecher Toni Roiderer persönlich angegriffen fühlt, sagte er ein Gespräch ab. dpa

Bier auf dem Oktoberfest

Weil sich der zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU) von Wirtesprecher Toni Roiderer persönlich angegriffen fühlt, sagte er ein Gespräch ab.

MünchenDer Bierpreis auf dem Oktoberfest ist in München alljährlich ein Politikum. Doch dieses Jahr ist über den Preis für den Liter Gerstensaft ein Zank mit den Wirten ausgebrochen, der die ganze Stadt beschäftigt und auch das Rathaus erschüttert. Wiesn-Chef Josef Schmid will den Höchstpreis für die Maß für drei Jahre bei 10,70 Euro einfrieren, dem höchsten Preis des Vorjahres. Das bringt die Wirte zum Kochen - und hat zusätzlich die Stimmung zwischen SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter und seinem CSU-Vize abgekühlt.

Am Dienstag erreichte der Zwist eine neue Spitze. Schmid lud nach Angriffen von Wirtesprecher Toni Roiderer in der Münchner „Abendzeitung“ die Wirte aus und sagte ein für Mittwoch geplantes Gespräch ab. Roiderer, der Schmid dem Artikel zufolge unter anderem „despotisch“ genannt hatte, entschuldigte sich schriftlich. Und der Wiesn-Chef lud die Wirte nun doch für den nächsten Tag ein.

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister Schmid, lieber Sepp“, beginnt das Schreiben Roiderers, der für deftige Sprüche bekannt ist und vor der Obrigkeit nicht einzuknicken pflegt. Er könne Schmids Verärgerung sehr gut nachvollziehen. Und wolle sich von den Zitaten ausdrücklich distanzieren. „Es liegt mir absolut fern, Deine Person oder das Amt durch meine Äußerungen zu tangieren.“ Es bleibe das Anliegen aller Wirte, eine einvernehmliche Lösung mit der Stadt zu finden.

Schmid lenkte ein. „Ich gehe davon aus, dass ich nun meine Vorschläge für die notwendige Reform des Oktoberfestes im gebotenen sachlichen Rahmen erläutern kann“, teilte er mit.

Der Bierpreisdeckel ist Teil von Schmids Wiesn-Reform, die vor allem die Wirte trifft. Über eine Umsatzpacht will er ihnen tiefer in die Tasche greifen und die Millionen herausholen, die er für zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen auf der Wiesn wegen der Terrorgefahr braucht. Als Ausgleich für die Wirte will er die Wiesn einen Tag verlängern.

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Vergangene Woche verdonnerte OB Reiter seinen Stellvertreter, den Konflikt mit den Wiesn-Wirten rasch zu lösen. Schmid solle „unverzüglich“ alle Beteiligten zu einem sachlichen Gespräch an den Tisch zu holen. „Die Art und Weise der derzeit ausschließlich über die Medien geführten Auseinandersetzung ist unwürdig, nicht zielführend und schadet dem Ansehen der Stadt München“, warnte der OB. Schmid konterte, er brauche weder Nachhilfe in Dialogfähigkeit noch sonstige Hinweise, „mit wem ich wann zu sprechen habe“. Wenn sich „unser Kooperationspartner“ zu seinen Vorschlägen äußere, erwarte er zumindest, dass er inhaltlich Stellung beziehe.

Reiter war Schmids Vorgänger als Wiesn-Chef; bei der Kommunalwahl konkurrierten beide um den Chefsessel im Rathaus. Nun arbeiten sie zusammen, weil es für die Fortsetzung der rot-grünen Koalition nicht mehr reichte. Nicht zum ersten Mal geraten die Bündnispartner, die ohnehin nicht ganz leicht zusammenfanden, wegen der Wiesn aneinander. Im vergangenen Jahr brachte Schmid wegen der SPD zunächst seinen Plan nicht durch, die Wiesn mit mobilen Zäunen absperrbar zu machen. Unter dem Eindruck des Amoklaufes wurden die Zäune dann doch angeschafft.

Schmids Bierpreisvorschlag stößt bei den Fans des Oktoberfests offenbar auf Wohlwollen, jedenfalls stimmten bei einer Online-Umfrage der „Bild“-Zeitung mit rund 3500 Teilnehmern 84 Prozent dafür. Doch er hat Tücken. Eine behördlich verordnete Preisgrenze habe nichts mit freier Marktwirtschaft zu tun, sondern sei Populismus, hatte Roiderer zu Beginn der Debatte den Vorschlag gegeißelt. „Das schützt nur den Biertrinker.“ Familien müssten womöglich tiefer in die Tasche greifen, weil Hendl, Würste und Brezen umso teurer werden könnten.

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Der Münchner Bürgermeister Josef Schmid will höhere Bierpreise auf dem weltgrößten Volksfest verbieten. So soll ein Maß Bier bis einschließlich 2019 maximal 10,70 Euro kosten. Zugleich sollen die Wiesn-Wirte mehr zahlen.

Wie die Ausgaben von geschätzten fünf Millionen Euro für die Sicherheit auf der Wiesn hereingeholt werden können, die 2016 vor allem durch zusätzliche Ordner entstanden, wird im Rathaus schon länger diskutiert. Eine Zeit lang kursierte ein Vorschlag, der genau gegenläufig zu Schmids Plan die Kosten mit einem Aufschlag aufs Bier finanzieren wollte. Inzwischen mag sich dazu niemand mehr äußern.

Im Mai will der Wirtschaftsausschuss über Schmids Vorschläge entscheiden. Eines hat der Wiesn-Chef mit ihnen auf jeden Fall geschafft: Den Sprung auf den Nockherberg. Beim traditionellen Starkbieranstich verglich Luise Kinseher als Mama Bavaria in ihrer Fastenpredigt Schmid mit dem Volkshelden „Schmied von Kochel“. „Er hat gewagt, was sich in der Geschichte Bayerns noch nie jemand zu wagen getraut hat“, lobte sie. Allerdings sei die Idee der Bierpreisbremse nicht ausgereift, schließlich sei am zweiten Wiesn-Sonntag Bundestagswahl. Deshalb müsse es Freibier geben - „das wichtigste Element bayerischer Demokratie“.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

22.03.2017, 10:21 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Paul Kersey

22.03.2017, 14:51 Uhr

Während der Bierpreis im Handel seit Jahren stagniert oder sogar fällt (Kasten Hasseröder bei Kaufland diese Woche 7,80€) zocken einen die Wiesn'Wirte ab bis der Arzt kommt. Ohne mich!

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