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20.04.2006

07:07 Uhr

Streng geheim

Was bisher noch keiner über die Queen wusste

Elizabeth II. ganz privat. Zu ihrem Geburtstag veröffentlicht das Königshaus 80 Tatsachen über die Monarchin, die sonst eher als kühl und distanziert gilt.

Elizabeth II. (lachend) mit Prinzessin Margaret bei den Horse Trials in Badminton 1953 Foto: AP

Elizabeth II. (lachend) mit Prinzessin Margaret bei den Horse Trials in Badminton 1953 Foto: AP

HB FRANKFURT. Die alltäglichsten Dinge, sonst kaum der Rede wert, sind im Fall der Queen die bestgehüteten Geheimnisse. So erschien die Enthüllung eines getarnten Reporters, dass königliche Frühstücks-Cornflakes auch nur in einer Tupperdose aufbewahrt werden, wie eine kleine Sensation. Zum 80. Geburtstag von Elizabeth II. hat das Königshaus 80 Tatsachen über die Queen im Internet veröffentlicht und immerhin einige wenige persönliche Dinge offiziell bestätigt. So erfährt man, dass die Königin (ebenso wie Ehemann Prinz Philip) leidenschaftlich gerne fotografiert, dass sie fließend französisch spricht oder 1945 bei der Armee das Autofahren gelernt hat. In der Kriegszeit spielte die jugendliche Prinzessin in jährlichen Pantomimen-Theateraufführungen auf Schloss Windsor mit, unter anderem den Prinzen Florizel im Märchen „Cinderella“. Und ihre erste E-Mail schrieb sie 1976 von einer Armee-Station aus.

Nach Informationen des ARD-Adelsexperten Rolf Seelmann-Eggebert hat Elizabeth II. ein parodistisches Talent: "Sie kann alle Premierminister seit Churchill treffend nachahmen." Ihre Schwester Margaret sei darin vielleicht noch besser gewesen. Jedenfalls ist die Queen, wie Seelmann-Eggebert weiß, im Familienkreis als geradezu witzig bekannt. Bei öffentlichen Auftritten lässt sie als personifizierte Disziplin kaum mehr als ihr beherrschtes Lächeln erkennen. Wenn sie die Öffentlichkeit wissen lassen möchte, dass sie „amused“ ist, wird das ausdrücklich mitgeteilt. Um so mehr Aufmerksamkeit finden rare Momente echter Spontaneität wie der Schnappschuss vom Grimassieren im Angesicht zu einem Pferd.

Über ihr Interesse für Tiere gibt die Königin gerne Auskunft. Stolz verkündet der Palast in den 80 Tatsachen, dass Rennpferde aus königlicher Zucht in den vergangenen 200 Jahren bei nahezu jedem wichtigen Pferderennen in Großbritannien unter den Siegern waren. Mit vier Jahren, 1930, habe Elizabeth ihr erstes Pony vom Großvater, König Georg V., geschenkt bekommen – ein Shetlandpony namens Peggy.

Erwähnt wird auf der Homepage der Royals auch die seit 1886 bestehende Tradition der Reisetauben-Wettbewerbe. Im Alltag umgibt sich die Queen mit kurzbeinigen Gefährten: Zurzeit hat sie die fünf Corgis Monty, Willow, Holly, Emma und Linnet sowie die vier Dorgis Cider, Berry, Candy und Vulcan. Die Dorgis entstanden aus einer Kreuzung eines der königlichen Corgis mit Dackel Pipkin von Prinzessin Margaret. Im Lauf ihrer Regentschaft hat Elizabeth mehr als 30 Corgis besessen, viele davon Nachkommen von Susan, die sie 1944 zum 18. Geburtstag bekam. Gezüchtet werden außerdem in ihrem Auftrag Labradors und Cockerspaniel.

Dass ihre Lieblingshunde ihr auch bei Familienfeiern zu Füßen sitzen dürfen, kam heraus, als an Weihnachten letzten Jahres ein kleines Malheur passierte. Höflinge berichteten laut „Mail on Sunday“, dass sich die Queen an der Tafel auf Schloss Sandringham erhob. Ihr Lakai rückte ihren Stuhl zur Seite, weil er dachte, sie wolle zum Buffet gehen. Doch sie setzte sich gleich wieder. Ihr Sturz wurde von mehreren Corgis abgefedert. „Alle haben gelacht und gelacht - einschließlich der Queen“, berichtete neulich Prinz Andrew der „Time“. Zwei Jahre zuvor hatte Elizabeth einen tragischen Verlust zu beklagen. Als Prinzessin Anne zu Weihnachten 2003 auf Schloss Sandringham eintraf, rannten ihr die Corgis entgegen. Annes Bullterrier Dotty rastete aus und richtete den Corgi Pharos so schlimm zu, dass man ihn einschläfern musste. Der Kampfhund hatte im November 2002 schon zwei Kinder angefallen.

Die sprechende Handtasche

Der Palast schwieg zu dem Vorfall. Doch das System der Abschottung erweist sich immer wieder mal als durchlässig. Wie weit Indiskretionen Bediensteter allerdings der Wahrheit entsprechen, bleibt fraglich. Das gilt etwa für die Handtasche der Königin, von der es heißt, dass sie nichts als eine leere Geldbörse enthält und als Kommunikationsmittel dient: Links getragen signalisiert sie angeblich den Bediensteten „alles in bester Ordnung“. Tasche rechts soll bedeuten, Ihre Majestät wünschen aus der Situation befreit zu werden. 2003 gelang es einem Reporter des „Daily Mirror“, sich für zwei Monate als Bediensteter in den königlichen Haushalt einzuschleichen. Er übermittelte die Neuigkeiten über die Plastikbecher auf dem Frühstückstisch der Queen und einer Gummi-Ente im Badezimmer der Privatgemächer. Dass die Queen im Palast eigenhändig unnötig brennendes Licht ausschaltet, wird allgemein geglaubt. Seelmann-Eggebert erklärt dies mit ihren Erfahrungen in der Kriegszeit, als auch die Versorgung im Palast rationiert werden musste. Außerdem sei Elizabeth eine praktische Frau.

Ihre scharfe Beobachtungsgabe muss bei den Bediensteten geradezu gefürchtet sein. Denn immer wieder heißt es, die Queen erkenne jeden noch so kleinen Fehler - ob in der akkuraten Symmetrie der Gedecke bei einem Staatsbankett oder am Sitz von Uniformen bei Paraden.

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