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14.07.2011

12:37 Uhr

Stromausfall in Hannover

Lebensgefährlich für Senioren in Pflegeheimen

Ein Stromausfall hat Hannover lahmgelegt. Warum Hunderttausende im Dunkeln tappten oder in Aufzügen stecken blieben, liegt ebenso im Dunkeln. Für einige war der Blackout sogar lebensgefährlich, ihnen blieb die Luft weg.

Blackout in Hannover: Großeinsatzzeit für Polizei und Feuerwehr. Quelle: dpa

Blackout in Hannover: Großeinsatzzeit für Polizei und Feuerwehr.

HannoverStromausfall in Hannover: Die ganze Stadt und mehrere Gemeinden im Umland lagen am Mittwochabend komplett im Dunkeln. Am Kraftwerk Mehrum war um 22.34 Uhr ein sogenannter Netzkuppler ausgefallen. Kritisch war der Blackout vor allem für Alten- und Pflegeheime, dort waren Senioren auf Beatmungsgeräte angewiesen, die nur noch auf Akkubetrieb liefen. 350 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten waren im Einsatz. „Im Zusammenhang mit einem Stromausfall haben wir einen Einsatz in dieser Größenordnung noch nicht gehabt“, sagte Feuerwehrsprecher Jan Feichtenschlager.

Auslöser war ein Defekt bei der Einspeisung des Stroms ins regionale Netz rund um Hannover. „Wie es genau zu dem Impuls kam, der den Anlagenteil abschaltete, wissen wir aber noch nicht“, sagte ein Sprecher des Energieversorgers Enercity am Donnerstag. „Es kann einige Tage dauern, bis alles ausgewertet ist.“ Sofort seien Expertenteams zu dem Kraftwerk östlich von Hannover hinausgefahren.

20 Minuten nach dem Ausfall gab es für 70 Prozent der Kunden wieder Strom, um 0.15 Uhr waren nach Angaben des Sprechers alle Kunden wieder versorgt.

Spektakuläre Stromausfälle

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Nach einem Feuer in einem Umspannwerk sind ganz Lübeck und Teile von Ostholstein 40 Minuten lang ohne Strom. In einem Vergnügungspark bleiben Achterbahnen, Karussells und Riesenräder stehen.

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„Viele Brandschutzmelder sprangen durch Spannungsimpulse an oder gaben Fehlermeldungen ab. Und einige Leute saßen in Aufzügen fest“, sagte ein Feuerwehrmann. Kleinere Kliniken und Pflegeheime, die keine eigenen Notstromaggregate besitzen, wurden von Rettungsteams mit tragbaren Generatoren betreut. Aus einigen Wohnungen in Hannover schimmerte Kerzenschein. Auch am Flughafen der Stadt fiel der Strom aus, Notstromaggregate sprangen an. Alle Starts und Landungen seien aber planmäßig verlaufen, sagte ein Flughafensprecher.

Bei der Polizei gingen in der Nacht zahlreiche Anfragen ein: „Wir hatten 1500 Anrufe von besorgten Bürgern, dazu viele Fehlalarme“, sagte eine Sprecherin. Einbrecher nutzten die Dunkelheit, um im Stadtteil Roderbruch in vier Geschäfte einzubrechen und Zigaretten zu stehlen. Unfälle wegen ausgefallener Ampeln habe es nicht gegeben.

„Der Auslöser ist klar, die Ursache dahinter noch nicht“, erklärte der Enercity-Sprecher weiter. Zum Zusammenbruch der Stromversorgung kam es nach ersten Analysen, weil die Verbindung vom Werk ins Hochspannungsnetz für kurze Zeit fehlte. Dadurch hätten sich Schwankungen im regionalen Netz ergeben, das Gleichgewicht zwischen Abnehmern und Einspeisern sei massiv gestört gewesen. Man habe Reservekapazitäten an anderen Standorten aktiviert, diese hätten den Spannungsabfall aber nicht sofort ausgleichen können: „Wenn der Strom einer kompletten Stadt ausgefallen ist, kann man sie nicht per Knopfdruck anschalten.“ Eine ähnliche Panne habe sich zuletzt vor etwa zehn Jahren ereignet.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Wolfgang

14.07.2011, 14:02 Uhr

Es ist schon verwunderlich und gleichsam bedenklich wie einfach eine Stadt wie Hannover ohne Strom zusammenbricht.

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