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18.11.2012

18:10 Uhr

Studie

Jeder dritte Pilot ist schon im Cockpit eingeschlafen

Der gefürchtete Sekundenschlaf trifft nicht nur Autofahrer, auch Flugkapitäne sind betroffen: Jeder dritte ist einer Umfrage zufolge im Cockpit schon einmal weggenickt. Die Piloten fordern deshalb bessere Arbeitszeiten.

Im Flugsimulator ist es nicht so schlimm, aber im echten Cockpit kann Sekundenschlaf fatale Folgen haben. dpa

Im Flugsimulator ist es nicht so schlimm, aber im echten Cockpit kann Sekundenschlaf fatale Folgen haben.

FrankfurtJeder dritte Pilot in Europa ist einer Umfrage zufolge schon einmal hinter dem Steuerknüppel eingeschlafen. Neun von zehn Piloten waren demnach im Cockpit schon einmal zu müde, um weiterfliegen zu können. Vier von fünf deutschen Flugzeugführern berichten, dass sie aus Müdigkeit Fehler gemacht haben. Das geht aus einer in der „Bild am Sonntag“ veröffentlichten Umfrage der europäischen Pilotenvereinigung Cockpit bei 6000 Flugzeugführern hervor. Ein Sprecher der Vereinigung Cockpit e.V. bestätigte die Angaben. „Aus meiner eigenen Erfahrung halte ich die Ergebnisse auch für realistisch“, sagte der Pilot.

Die Flugzeugführer wehren sich laut Cockpit deshalb gegen die bestehenden Arbeitszeitregelungen, aber auch gegen die Pläne der Europäischen Luftsicherheitsbehörde (EASA) für künftige Regelungen. „Grundsätzlich sind die Flugdienstzeiten zu lang“, sagte der Pressesprecher der Organisation, Jörg Handwerg. Die Piloten hielten einen Einsatz von bis zu zwölf Stunden für vertretbar, erlaubt seien aber Einsätze von bis zu 14 Stunden.

Auf Kritik der Piloten stößt auch ein EU-Gesetzesvorschlag, den eine Arbeitsgruppe der EASA fertiggestellt hat. Er sieht nach Handwergs Darstellung vor, dass Piloten nachts bis zu elf Stunden im Einsatz sein können, obwohl Mediziner höchstens zehnstündigen Nachteinsatz empfehlen, weil ansonsten die Gefahr von Übermüdung drohe.

„Nicht gut“, lautet Handwergs Kommentar. Im Augenblick allerdings sei die Situation noch schlimmer, derzeit seien Einsätze von fast zwölf Stunden pro Nacht erlaubt. Die EASA habe zunächst auch zwölfstündige Nachteinsätze anvisiert, nach der Stellungnahme der Wissenschaftler habe sie ihren Vorschlag dann auf elf Stunden verringert. Nach Handwergs Angaben soll aus dem Gesetzesvorschlag eine Verordnung werden. Eine Verordnung wird unmittelbar gültig. Der bisherige Spielraum der einzelnen EU-Mitgliedsländer für abweichende nationale Regelungen fiele damit also weg.

Von

dpa

Kommentare (1)

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18.11.2012, 18:52 Uhr

Die Meldung ist nicht überraschend. Das liegt an der Unterbeschäftigung im automatisierten Reiseflug. Der Fall kann schon nach nur zwei Stunden eintreten, ist also keine Folge von ÜBERmüdung. Während Start und Landung oder im innereuropäischen Kurzstreckenverkehr ist mit Sicherheit noch kein Pilot eingeschlafen. Ein ganz ähnliches Problem ist bekannt vom Überwachungspersonal von Kernkraftwerken. Vielleicht sollte man den Piloten ein nintendo mitgeben.
mondahu weiß worüber er schreibt: >40 Jahre Pilot, > 10'000 Flugstunden, die längsten Flüge um die 15 Stunden.

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