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04.09.2016

18:26 Uhr

Sturm lässt Touristenboot sinken

Zwei Vermisste nach Schiffsunglück in Antalya

In den türkischen Badeorten stehen Tagestouren mit Ausflugsbooten bei Urlaubern hoch im Kurs. Ein Ausflug nahe Antalya wird zur Katastrophe: Ein Boot mit Dutzenden Menschen an Bord gerät in ein Unwetter – und sinkt.

Nach einer verunglückten Schiffstour werden in Antalya zwei Menschen vermisst. Reuters

Strand in Antalya

Nach einer verunglückten Schiffstour werden in Antalya zwei Menschen vermisst.

IstanbulBei schweren Regenfällen und Sturm ist in der südtürkischen Urlauberprovinz Antalya ein Touristenboot mit 86 Menschen an Bord gesunken. Ein libanesischer und ein einheimischer Passagier wurden auch am Tag nach dem Unglück noch vermisst, wie der Sender CNN Türk am Sonntag berichtete.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, die restlichen 84 Menschen an Bord seien von der Küstenwache und anderen Booten gerettet worden. Der Kapitän, zwei Besatzungsmitglieder und der Besitzer des auf 45 Meter Tiefe gesunkenen Ausflugsbootes seien festgenommen worden.

Ein Überlebender sagte: „Auf einmal kenterte das Boot, und wir stürzten alle ins Meer.“ Das Boot war am Samstag vom Jachthafen von Kaleici in der Stadt Antalya aus gestartet und kenterte dann nach gut 25 Kilometern Fahrt vor der Küste von Konyaalti. Wie CNN Türk berichtete, hatte der Kapitän sich wegen des aufkommenden Sturmes zu einer vorzeitigen Rückkehr in den Hafen entschlossen.

Anadolu berichtete unter Berufung auf den Provinzgouverneur, 38 Menschen seien nach ihrer Rettung in Krankenhäuser gebracht worden. 36 davon seien bis Sonntag wieder entlassen worden. Der Gesundheitszustand der anderen beiden Geretteten sei zwar gut, sie blieben aber zunächst unter Beobachtung.

Die Türkei im Überblick

Gründung

Am 29. Oktober 1923 rief Mustafa Kemal Atatürk die erste türkische Republik aus. Dem vorausgegangen war der Türkische Befreiungskrieg, in dem die Truppen Atatürks gegen Armenien, Griechenland und die französische Besatzungsmacht Anatoliens kämpften. Atatürk brach mit dem Sultanat der Osmanen, die zuvor das Osmanische Reich beherrschten, und mit dem Kalifat. Stattdessen errichtete er eine laizistischen Republik.

Bevölkerung

Die Türkei hat derzeit rund 79,4 Millionen Einwohner. Die meisten von ihnen – rund 99 Prozent – sind Muslime, wovon wiederum 80 bis 85 Prozent sunnitischen und 15 bis 20 Prozent alevitischen Glaubens sind. Zwischen 1930 und heute hat sich die Bevölkerung der Türkei mehr als vervierfacht. Gemessen an der Fläche des Landes wohnen heute 98 Einwohner pro Quadratkilometer in der Türkei.

Wirtschaft

Staatswährung ist die türkische Lira (TRY). Von 2003 bis 2013 erreichte die Türkei hohe Wachstumsraten von bis zu 8,9 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg in diesem Zeitraum von 303 auf 839 Milliarden US-Dollar. Die Arbeitslosenquote betrug im Februar 2015 10,1 Prozent. Das Leistungsbilanzdefizit der Türkei, also das Verhältnis von importierten zu exportierten Waren, ist eines der höchsten der Welt. Rund acht Prozent des türkischen BIP wurden etwa 2013 aufgewendet, um Waren im Ausland einzukaufen. Wichtigster Handelspartner ist Deutschland: 2007 kamen 13 Prozent der Importe aus Deutschland, und rund 14 Prozent der Importe gingen dorthin.

Politische Führung

Die Regierungsmehrheit mit 317 von 550 Sitzen im türkischen Parlament hat derzeit die AKP (Adalet ve Kalkinma Partisi; deutsch: „Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung“). Parteivorsitzender ist Ahmet Davutoglu, der auch gleichzeitig als Ministerpräsident der Türkei amtiert. Staatspräsident ist dessen Amtsvorgänger Recep Tayyip Erdogan, der die AKP zuvor ebenfalls führte und die Türkei in eine präsidiale Demokratie mit größeren Rechten für den Staatspräsidenten umwandeln möchte.

Beziehungen zur EU

Im Herbst 2005 hat die Europäische Union Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aufgenommen. Als frühestmöglicher Eintrittstermin war dabei das Jahr 2015 besprochen worden. Doch die Verhandlungen wurden ausgesetzt, vor allem wegen unterschiedlicher Auffassungen in Handels- und Zollfragen, die Zypern betreffen. Die Türkei dagegen forderte, die Isolierung des türkisch besetzten Nordzyperns aufzuheben. Im Zuge des Flüchtlingsabkommens zwischen Ankara und Brüssel wurde vereinbart, die Verhandlungen wieder aufzunehmen – was wiederum von Erdogans Ankündigung, die Todesstrafe wieder einzuführen, stark erschüttert wurde.

Für die Tourismusindustrie ist das Unglück an der türkischen Riviera ein weiterer Rückschlag. Die Urlauberzahlen sind nach mehreren schweren Terroranschlägen und dem Putschversuch in der Türkei Mitte Juli dramatisch gesunken.

Dabei hatte es erst am Freitag noch einen Hoffnungsschimmer gegeben: Erstmals seit der Aussöhnung der Regierungen in Moskau und Ankara landete wieder ein russisches Charterflugzeug mit Urlaubern in Antalya. Zuvor hatte die russische Regierung das Verbot der Charterflüge in die Türkei aufgehoben.

Von

dpa

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