Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2007

16:51 Uhr

Sturm und Wärme

Unwinterliches Wetterchaos

Umgestürzter Bäume, Blitzeinschläge und umherfliegender Bauteile: Das Wetter spielt verrückt. Erst ist es viel zu warm für die Jahreszeit, dann bricht das Orkantief „Franz“ mit Gewalt über Deutschland herein.

Erst frühlingshafte Temperaturen, dann herbstlicher Sturm. Das Januarwetter schlägt heftige Kapriolen. Foto: AP ap

Erst frühlingshafte Temperaturen, dann herbstlicher Sturm. Das Januarwetter schlägt heftige Kapriolen. Foto: AP

HB DÜSSELDORF. Ein schwerer Sturm ist am Donnerstag über Teile Deutschlands und Europas gefegt. Bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern mussten Feuerwehr und Polizei in Schleswig-Holstein, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Berlin mehrmals wegen umgestürzter Bäume, Blitzeinschlägen und umherfliegender Bauteile ausrücken.

Der Schiffsverkehr an der Küste in Niedersachsen und Schleswig-Holstein war stark eingeschränkt. Während es in Deutschland zunächst keine Berichte über Verletzte gab, wurde in England ein Autofahrer von einem Baum erschlagen. Am Freitag flaut der Sturm ab, in den Hochlagen der Mittelgebirge seien aber immer noch Orkanböen möglich, sagte DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold am Donnerstag.

Zwar bleibt es auch in den kommenden Tagen viel zu mild für die Jahreszeit, aber nach Spitzenwerten am Mittwoch sinken die Temperaturen etwas. Mit 17 Grad war es am Mittwoch in Stuttgart am wärmsten, in Freiburg registrierte der DWD 16 Grad, in Köln 15 Grad. Deutschland steuert auf den wärmsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu. Schon jetzt liegen die Temperaturen nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia einige Grad höher als im Durchschnitt vergangener Jahre.

Mit einer Geschwindigkeit von fast 160 Stundenkilometern pfiff der Wind nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia am kräftigsten auf dem Brocken im Harz. Im Oberharz riss der Sturm in der Nacht Bäume um. Nach Angaben der Polizei waren die Bundesstraßen 242 und 494 betroffen, weil Bäume auf die Straße und ein Auto gekracht waren.

Auf den Nordseeinseln Sylt und Helgoland bliesen die Orkanböen mit mehr als 120 Stundenkilometern. In der Nähe von Husum (Schleswig-Holstein) wehte der Wind einen Lastwagen um. Fast alle Fährverbindungen zu den nordfriesischen Inseln fielen aus. Inseln wie Föhr oder Amrum waren vom Festland abgeschnitten.

Auch die Schifffahrt zu einigen ostfriesischen Inseln war eingeschränkt. Die einzige Winterverbindung von Cuxhaven nach Helgoland musste eingestellt werden. In Bremerhaven deckte der Wind unter anderem ein Hallendach ab. Bei Oldenburg (Niedersachsen) beschädigte ein Baum eine Bahn-Oberleitung. In Nordrhein-Westfalen entwurzelten heftige Böen zahlreiche Bäume, einem Taxifahrer im Kreis Aachen krachte ein Fassadenteil auf das Auto. Im Münsterland stockte der Berufsverkehr wegen herabgestürzter Dachziegel.

Unterdessen waren in Nordostpolen nach dem nächtlichen Sturm rund 2500 Haushalte ohne Strom. Umstürzende Bäume hatten zahlreiche Stromleitungen unterbrochen. An der Kanalküste in Frankreich kam der Schiffsverkehr zum Erliegen, weil der englische Hafen Dover geschlossen wurde. In Großbritannien richteten Wind und Regen erhebliche Schäden an. In Wales waren 80 000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×