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31.01.2010

10:50 Uhr

Sturmtief Keziban

Eiskalter Ausnahmezustand im Nordosten

Am Wochenende wurden in Mecklenburg-Vorpommern Erinnerungen an den schlimmen Schneewinter 1978/79 wach: Sturmtief „Keziban“ fegte mit gewaltigen Schneemengen über das Land. Die Auswirkungen wurden als noch schlimmer eingeschätzt als bei Sturmtief „Daisy“ drei Wochen zuvor. Und neues Chaos auf Straßen und Schienen droht schon am Dienstag.

Die Freiwillige Feuerwehr auf der Insel Rügen gräbt mit dem Traktor einen zugeschneiten PKW aus. Quelle: dpa

Die Freiwillige Feuerwehr auf der Insel Rügen gräbt mit dem Traktor einen zugeschneiten PKW aus.

HB SCHWERIN/HAMBURG/DÜSSELDORF. Ob Straße, Schiene oder Fährbetrieb - in dem nordöstlichen Bundesland, das bereits seit Wochen unter einer geschlossenen Schneedecke liegt, ging jetzt wegen des eiskalten meteorologischen Ausnahmezustands gar nichts mehr.

Ganze Ortschaften waren zum Teil noch am Sonntag von der Außenwelt abgeschnitten, an Straßenrändern standen im hohen Schnee verlassene Autos, die auf ihre Bergung warteten. Statt Bussen und Straßenbahnen zogen in Städten wie Rostock, Schwerin, Greifswald und Stralsund Skiläufer und Schlittenfahrer ihre Spur auf den Straßen.

Besuche in Nachbarorten oder auch zu weiter entfernten Zielen wurden auch am Sonntag noch zu Abenteuerfahrten, und die Polizei riet dringend davon ab. „Es erschwert die Situation für die Räum- und Bergungsdienste nur zusätzlich, zumal auch noch weitere Schneefälle angekündigt sind“, sagte Martin Mittelstedt vom Landeslagezentrum in Schwerin.

Der Umstieg vom Auto auf die Schiene stellte zunächst auch keine Alternative dar, wie viele Reisende feststellen mussten. Nachdem am Samstag der Zugverkehr in Mecklenburg-Vorpommern nahezu völlig zum Erliegen gekommen war, gab es nach Bahn-Angaben am Sonntag auf einigen Strecken wieder Fahrten. Allerdings mit Einschränkungen und Verspätungen, wie es hieß. Auf vielen Nebenstrecken im Küstengebiet und auf den Ostseeinseln ruhte der Betrieb weiterhin, und Schienenersatzverkehr war wegen der Straßenverhältnisse nicht möglich.

Fehlanzeige auch beim öffentliche Buslinienverkehr, der entweder gar nicht fuhr ist oder auf ein Minimum schrumpfte. Seit mehreren Tagen gibt es auch keinen Fährbetrieb zur Ferieninsel Hiddensee. Einige Wagemutige haben allerdings bereits einen Weg über das Eis ausprobiert, wobei jedoch die Polizei vor Nachahmung ausdrücklich warnt.

Massenstop für Veranstaltungen

Selbst Autobahnen und Bundesstraßen konnten im Nordosten trotz Dauereinsatzes der hoffnungslos überforderten Winterdienste erst im Laufe des Sonntags beschränkt befahrbar gemacht werden. Besonders hart getroffen hatte es die Küstenautobahn A 20, auf der in verschiedenen Abschnitten hunderte Fahrzeuge in Schneewehen steckten oder im Stau standen. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, beteuerte der 40-jährige Geschäftsmann Karsten Polchow, der auf der Rückreise nach Berlin erst vom Technischen Hilfswerk aus meterhohem Schnee bei Stralsund befreit wurde.

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