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01.10.2012

16:08 Uhr

Stuttgart 21

Nach IC-Unfall wird über Sicherheit gestritten

In Stuttgart ist ein Intercity entgleist, es gab sieben Verletzte - nur eine Panne von vielen in der vergangenen Zeit. Sind die Bauarbeiten für den neuen Hauptbahnhof schuld? Die Bahn schweigt zu den schweren Vorwürfen.

Entgleister IC: Mehrere Fahrgäste wurden leicht verletzt. dpa

Entgleister IC: Mehrere Fahrgäste wurden leicht verletzt.

StuttgartDer Unfall eines Intercity-Zugs im Stuttgarter Hauptbahnhof hat eine Diskussion über mögliche Risiken infolge der Bauarbeiten für Stuttgart 21 entfacht. So wirft der Verkehrsclub Deutschland (VCD) der Bahn vor, die Sicherheit ihrer Kunden für das umstrittene Milliardenprojekt eines Tiefbahnhofs aufs Spiel zu setzen. Die Bahn wollte die Vorwürfe nicht kommentieren.

Der baden-württembergische VCD-Landeschef Matthias Lieb sagte am Montag in Stuttgart: „Die Pannenserie der vergangenen Monate im Stuttgarter Hauptbahnhof legt die Vermutung nah, dass die Deutsche Bahn kein verantwortlicher Bauherr ist.“ Seit Beginn der Bauarbeiten im Februar 2010 seien im Hauptbahnhof fünfmal Züge entgleist. Die Projektleitung sei offensichtlich völlig überfordert und habe die Baustelle nicht im Griff, meinte Lieb.

Die Entgleisung des IC am Samstag mit sieben Verletzten hänge mit Bauarbeiten im Gleisvorfeld zusammen, sagte der VCD-Landeschef, der Mitglied im Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 ist. Wegen des Umbaus seien die Radien der Gleise extrem eng. Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte ähnlich wie schon Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) Aufklärung von der Bahn.

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Der heftig umstrittene Komplettumbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs wird ein Jahr länger dauern als bislang gedacht - bis 2020. Die geschätzten Kosten nähern sich zudem der Obergrenze von 4,5 Milliarden Euro an.

Inzwischen hat sich das Eisenbahnbundesamt (EBA) eingeschaltet. Ein Sprecher der Bonner Behörde sagte, Fachleute hätten den Ort des Unglücks schon besichtigt, um dessen Ursache zu erforschen und gegebenenfalls Hinweise für mehr Sicherheit abzuleiten. Weder das Kommunikationsbüro zu S21 noch die Bahn wollten sich zu etwaigen Ursachen äußern. Ein Bahnsprecher sagte, es könne mehrere Wochen dauern, bis das EBA Erkenntnisse über die Ursachen bekanntgebe.

Der Unfall geschah nach Bahn-Angaben an einer Stelle, wo schon im Juli dieses Jahres ein IC entgleist war. Für die damals beschädigte Weiche sei eine neue eingebaut worden. An ihr ereignete sich auch der jüngste Unfall.

Nach dem Unfall wurden auch am Montag noch Gleise, Weichen und Oberleitung repariert. Die Arbeiten sollen mehrere Tage dauern. Für den Zugverkehr stehen derzeit nur 11 der 16 Gleise im Hauptbahnhof zur Verfügung. Der Regionalverkehr ist teilweise weiter eingeschränkt, ebenso wie zwei Linien im Fernverkehr, teilte die Bahn weiter mit. Verspätungen waren die Folge.

Von

dpa

Kommentare (5)

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scharfschuetze

01.10.2012, 16:28 Uhr

Schon beeindruckend, daß jeder dahergelaufene Stuttgart-Gegner ein Bahn-Experte ist, und sofort weiß was die Ursache für den Unfall war.

Danny512

01.10.2012, 23:24 Uhr

Herr Lieb hat wohl übersehen, dass der Unfall an einer fastvolkommen geraden Strecke des Stuttgarter Hauptbahnhofes passiert ist. Sein Vorwurf, die Radien seien zu eng scheint mir nicht sonderlich plausibel.

Traumflug

02.10.2012, 11:38 Uhr

Ich glaube, jetzt hat die Bahn den Bogen überspannt. Grundwassermanagement hin oder her, wenn ein Zug zwei mal an der gleichen Stelle entgleist und beides mal auf neu verlegten Gleisen, dann ist es auch für Laien offensichtlich, dass da was nicht stimmt. Es fehlt eigentlich nur noch die Aussage: "Wir können uns das nicht erklären, alle Gleise wurden vorschriftsmässig verlegt" um die (baustellenbedingte?) Unfähigkeit unter Beweis zu stellen.

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