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13.03.2014

16:04 Uhr

Suche nach Flugzeug

Spur führt ins Nichts, Minister dementiert Gerüchte

Das Rätsel um Flug MH370 bleibt ungelöst. Der Verkehrsminister dementierte Gerüchte laut denen die Maschine nach Verschwinden vom Radar noch weiterflog. Das Vertrauen in die malaysischen Ermittler ist erschüttert.

Soldaten planen die Suche nach dem vermissten Flugzeug. Noch immer gibt es keine Spur von der Maschine. dpa

Soldaten planen die Suche nach dem vermissten Flugzeug. Noch immer gibt es keine Spur von der Maschine.

Kuala LumpurEs ist eine der größten internationalen Suchaktionen mit Experten aus aller Welt - doch das Rätsel um die vor Vietnam verschwundene Passagiermaschine blieb auch am sechsten Tag ungelöst. Eine zunächst vielversprechende Spur mit möglichen Trümmerteilen, die auf chinesischen Satellitenbildern zu sehen waren, führte ins Nichts. Ein Zeitungsbericht, dem zufolge die Maschine nach dem Verschwinden vom Radar noch vier Stunden weiterflog, wurde von Malaysias Verkehrsminister dementiert.

Der Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt sagte am Donnerstag, die Suche könne noch Wochen dauern. Die Malaysia Airlines-Boeing 777-200 mit 239 Menschen an Bord ist seit Samstagmorgen spurlos verschwunden.

Auf chinesischen Satellitenbildern vom Sonntag waren schwimmende Objekte zu sehen, eines davon etwa 22 mal 24 Meter groß. Die Bilder wurden erst am Mittwoch veröffentlicht. Mehrere Schiffe suchten das Seegebiet südlich von Vietnam daraufhin nach den vermeintlichen Trümmerteilen ab. Es sei nichts gefunden worden, sagte Verkehrsminister Hishammuddin Hussein. Die chinesische Botschaft habe ihm geschrieben, die Veröffentlichung der Fotos sei nicht autorisiert gewesen, und was darauf zu sehen war, seien keine Trümmerteile der Boeing gewesen.

Das „Wall Street Journal“ meldete unter Berufung auf US-Luftfahrt- und Geheimdienstexperten, die Maschine sei noch vier Stunden nach dem letzten Radarkontakt weitergeflogen. Die Triebwerke hätten noch so lange automatisch Daten übermittelt. Damit habe das Flugzeug 4000 Kilometer fliegen können, etwa bis zur Grenze Pakistans.

Flug MH370 – Was ist geklärt, was nicht?

Vom Radar verschwunden

Flug MH370 von Kuala Lumpur nach Peking mit 239 Menschen an Bord verschwindet zwei Stunden nach dem Start von den Radarschirmen. Ein Überblick über die geklärten und ungeklärten Fragen.

Was ist geklärt? (1)

Die Boeing 777-200 verschwand bei gutem Wetter. Zwei Stunden nach dem Start war die Maschine eigentlich in der sichersten Phase eines Flugs, auf der Reisehöhe von rund 10.000 Metern. Es gab keinen Notruf, und die Bordcomputer sendeten keinen automatischen Alarm an die Bodenkontrolle, wie bei technischen Problemen eigentlich üblich. Im Cockpit saß ein erfahrener Pilot. Die Fluggesellschaft gilt als sehr zuverlässig, die Boeing ebenfalls.
Der Funkkontakt brach vor der vietnamesischen Küste ab. 154 der 239 Insassen waren chinesische Staatsbürger. Malaysia Airlines bot den Flug gemeinsam mit China Southern an.

Was ist geklärt? (2)

An Bord waren zwei Passagiere mit gestohlenen Pässen. Diese waren ihren Besitzern, einem Italiener und einem Österreicher, 2012 und 2013 in Thailand gestohlen worden. Die Reisedokumente wurden bei der Passkontrolle nicht mit der Datenbank von Interpol abgeglichen.
Vier Reisende checkten ein, gingen aber nicht an Bord. Ihr Gepäck wurde vor dem Abflug wieder ausgeladen. Mittlerweile ist wahrscheinlich, dass sie illegal nach Europa einreisen wollten, sie also vermutlich nichts mit dem Absturz der Maschine zu tun hatten.

Was ist ungeklärt? (1)

Wo ist die 70 Meter lange Maschine mit 60 Metern Spannweite geblieben? Obwohl Dutzende Schiffe und Flugzeuge das Meer zwischen Malaysia und Vietnam absuchen, sind bislang weder Wrackteile noch der Flugschreiber gefunden worden.

Was ist ungeklärt? (2)

Warum drehte die Maschine ab? Wie konnte sie so lang von den Radars verschwinden. Aufschluss darüber könnte die Blackbox geben. Die Suchteams suchen fieberhaft danach, denn lange können die Akkus in der Regel nicht mehr halten.

Der Verkehrsminister wies den Bericht unter Berufung auf Flugzeugbauer Boeing und Triebwerk-Hersteller Rolls Royce zurück. „Sowohl was Boeing, als auch was Rolls Royce angeht, sind diese Berichte unzutreffend“, sagte er. Das letzte Signal, das die Unternehmen von der Boeing 777-200 aufgefangen hätten, stamme von 01.07 Uhr (Ortszeit) am vergangenen Samstag.

Unklar an dem Szenario des „Wall Street Journal“ wäre auch, wieso die Piloten sich nicht meldeten und weshalb die Maschine nicht auf Radarbildern zu sehen war. Nach Angaben der Zeitung kann der Pilot alle nötigen Sender manuell ausschalten - US-Terrorexperten schlössen die Theorie nicht aus, dass jemand ins Cockpit eindrang, berichtete die Zeitung.

Die chaotische Informationslage und viele widersprüchliche Aussagen haben das Vertrauen in die malaysischen Ermittler erschüttert. Chinas Regierungschef Li Keqiang verlangte, dass die Suche nach der Maschine ausgeweitet und die Koordination der Bemühungen verbessert werde. An Bord waren 154 chinesische Staatsbürger. „Solange es nur einen Funken Hoffnung gibt, werden wir die Suche nach dem Flugzeug nicht aufgeben“, sagte er zum Abschluss der Jahrestagung des Volkskongresses.

Hishamuddin wies Kritik zurück. „Wir haben nichts getan, was die Suche behindert hätte. Malaysia hat nichts zu vertuschen. Wir scheuen keine Mühen und Kosten (um die Maschine zu finden).“

Von

dpa

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