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17.08.2012

19:46 Uhr

Südafrika

Streik in Platinmine fordert 44 Todesopfer

Bei dem blutigsten Streik seit dem Ende der Apartheid sind in Südafrika inzwischen 44 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Verletzten stieg auf 78. Präsident Zuma hat derweil eine Auslandsbesuch abgebrochen.

Nach dem blutigen Streik demonstrieren in Kapstadt zahlreiche Menschen gegen Polizei und Regierung. dpa

Nach dem blutigen Streik demonstrieren in Kapstadt zahlreiche Menschen gegen Polizei und Regierung.

JohannesburgEskalierter Streit um Lohnerhöhungen: Bei den schweren Ausschreitungen in einer südafrikanischen Platinmine ist die Zahl der Toten auf insgesamt 44 gestiegen. Nach Angaben der nationalen Polizeichefin Riah Phiyega vom Freitag waren allein am Vortag 34 Minenarbeiter ums Leben gekommen. 78 weitere wurden verletzt. „Dies ist eine Zeit der Trauer“, sagte Phiyega nach den tagelangen Auseinandersetzungen.

Lange war unklar, ob die Polizei oder die Demonstranten das Feuer eröffneten. Nach Angaben von Phiyega hatten die Ordnungskräfte keine Wahl: Sie mussten sich gegen die mit Schusswaffen und Macheten bewaffneten Bergmänner wehren. „Eine militante Gruppe ist schießend auf die Polizisten zugestürmt, die sich daraufhin zurückgezogen haben. Aber sie waren gezwungen, mit aller Härte zurückzuschlagen, um sich zu verteidigen.“

Am Tag nach der Gewaltorgie spielten sich auf dem Gelände des 100 Kilometer westlich von Pretoria gelegenen Bergwerks herzzerreißende Szenen ab. Einige Kumpel wurden noch immer vermisst. In Tränen aufgelöst versuchten die Ehefrauen, Informationen über den Verbleib ihrer Männer zu bekommen. Eine unheimliche Stille lag über der Mine, nur unterbrochen vom Kreisen der Hubschrauber.

Mine in Südafrika: Kämpfe zwischen Gewerkschaften fordern zehn Tote

Mine in Südafrika

Kämpfe zwischen Gewerkschaften fordern zehn Tote

Die Lage zwischen zwei rivalisierenden Gewerkschaften in einer südafrikanischen Platinmine ist eskaliert. Mehrere Menschen wurden bereits getötet, darunter auch Polizisten. Die Polizei versucht verzweifelt zu schlichten.

Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma brach einen Besuch bei einem regionalen Gipfeltreffen im Nachbarland Mosambik ab und kehrte in die Heimat zurück. Vor Medienvertretern erklärte er am Abend, er werde eine Kommission einrichten, die die Geschehnisse untersuchen soll.

„Wir müssen der Wahrheit auf den Grund gehen“, betonte er. „Wir wissen nicht, wo diese Gewalt herkommt, und wir müssen uns damit befassen.“ Er werde alles tun, damit Südafrika ein friedliches, stabiles und produktives Land bleibe, das den Fokus auf die Verbesserung der Lebensqualität aller Bürger legt. Zuma hatte zuvor bereits zum Ende der „sinnlosen Gewalt“ aufgerufen und sich „geschockt und bestürzt“ über die Geschehnisse gezeigt.

Tausende Bergarbeiter hatten am vergangenen Freitag die Arbeit niedergelegt. Sie fordern eine 200-prozentige Lohnerhöhung auf 12 500 Rand (1200 Euro). Hintergrund der Auseinandersetzungen sind vor allem Differenzen zwischen zwei Gewerkschaften. Beide Organisationen riefen jedoch die Bergarbeiter dazu auf, die Gewalt zu beenden.

Die Situation war eskaliert, nachdem die Ordnungskräfte vergeblich versucht hatten, die Streikenden zu vertreiben. Zunächst hatten sie Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt, dann waren Schüsse gefallen. Lokale Medien sprachen von einem „Massaker“.

„Die Polizei hat alles getan, aber die Minenarbeiter haben gesagt, dass sie nicht weggehen würden und bereit seien zu kämpfen“, erklärte Polizeiminister Nathi Mthethwa. „Was soll die Polizei denn in solchen Situationen tun, wenn sie es ganz klar mit bewaffneten und zu allem entschlossenen Kriminellen zu tun hat, die die Ordnungskräfte ermorden?“ Gewerkschaften und Politiker forderten eine eingehende Untersuchung der Vorfälle.

Bis zum Wochenbeginn waren bei den gewaltsamen Zusammenstößen bereits zehn Menschen ums Leben gekommen, darunter zwei Polizisten. Einige wurden verbrannt oder zu Tode gehackt. Beobachter bezeichneten die Kämpfe als die schlimmste arbeitsbezogene Gewaltwelle seit dem Ende des Apartheid-Regimes im Jahr 1994.

In Südafrika befinden sich etwa 80 Prozent der weltweit bekannten Platinreserven. Das Edelmetall wird unter anderem zur Herstellung von Katalysatoren, Laborgeräten und Schmuckwaren verwendet.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Zeitleser

17.08.2012, 22:19 Uhr

Aha, die bekannten Reserven also. Unbekannte macht ja schon wieder fast Sinn...

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