Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.04.2014

16:26 Uhr

Südkorea

Fähre mit knapp 500 Menschen an Bord gesunken

In Südkorea ist eine Fähre mit Hunderten Schülern gesunken. Bei der Rettungsaktion waren Dutzende Schiffe und Hubschrauber im Einsatz. Bislang gab es vier Tote, mehr als 300 Menschen werden vermisst.

500 Menschen an Bord

Fährunglück schockiert Südkorea

500 Menschen an Bord: Fährunglück schockiert Südkorea

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

SeoulEine Fähre mit mehr als 450 Menschen an Bord ist vor der Küste Südkoreas gesunken. Fast 300 Menschen wurden noch vermisst - darunter viele Schüler. Die Rettungskräfte rechneten kaum noch mit Überlebenden. Wegen der Wassertemperatur von zwölf Grad und der Tiefe seien die Chancen sehr gering, zitierte die Zeitung „The Korea Herald“ die Einsatzkräfte. Die Küstenwache befürchtete, dass zahlreiche Passagiere im Inneren des Schiffs eingeschlossen wurden. Die Behörden bestätigten bis zum Mittwochabend vier Tote.

Auf dem Schiff waren mehr als 300 Schüler, die sich auf einem Ausflug befanden. Die Ursache des Unglücks vor der Südwestküste war noch unklar, möglicherweise lief es auf einen Felsen. Gerettete Passagiere erzählten von einem lauten Schlag, bevor das Schiff Schlagseite bekommen habe. Die Fähre „Sewol“ war auf dem Weg von Inchon auf die Ferieninsel Cheju in Seenot geraten.

Nachdem die Besatzung um etwa 9 Uhr einen Notruf abgesetzt hatte, lief eine großangelegte Rettungsaktion an, an der sich auch Fischerboote beteiligten. Starke Strömung und schlechte Sicht unter Wasser behinderten die Rettungsarbeiten. Auf Fernsehbilder ist zu sehen, wie Mitglieder einer Spezialeinheit der Marine nach dem gesunkenen Schiff tauchten.

Bislang wurden 164 Insassen gerettet, Dutzende von ihnen wurden verletzt. 291 Menschen galten noch als vermisst. Mehr als 100 Schiffe und Flugzeuge der Marine und Küstenwache suchten das Gebiet um die Unglücksstelle vor der Insel Chindo ab, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Staatspräsidentin Park Geun Hye drängte wegen der heranbrechenden Nacht zur Eile. Sie sei „tief bestürzt“, sagte Park.

Bei den bisher bestätigten Todesopfern handelte es sich den Angaben zufolge um eine Angestellte des Schiffsbetreibers sowie zwei Schüler. Über die Identität des vierten Toten lagen zunächst keine Angaben vor. Die Schüler gehörten zu einer Ausflugsgruppe der Danwon-Oberschule aus der Seouler Vorstadt Ansan. Das Fernsehen zeigte Bilder von verzweifelten Väter und Müttern, die sich in der Schule versammelten oder in die Häfen im Südwesten des Landes eilten. Sie alle hofften auf Lebenszeichen ihrer Kinder.

Fährunglücke

August 2013

Eine Fähre mit etwa 870 Passagieren an Bord stößt in der philippinischen Provinz Cebu mit einem Frachter zusammen und sinkt. Mindestens 55 Menschen kommen ums Leben, 65 werden vermisst.

Oktober 2012

Bei einer Schiffskollision in Hongkong sterben mindestens 37 Menschen. Von einem Ausflugsboot aus wollten Firmenmitarbeiter und deren Familien das Feuerwerk zum chinesischen Nationalfeiertag im Hafen ansehen. Aus unbekannter Ursache stößt das Boot mit gut 120 Menschen an Bord mit einer Fähre zusammen.

Februar 2012

Eine überladene Fähre reißt in Bangladesch auf dem Fluss Meghna viele Passagiere nach einer Kollision mit einem Frachter in die Tiefe. Von den etwa 250 Menschen an Bord können sich nur rund 40 ans Ufer retten. Erst im April 2011 waren auf dem Fluss Dutzende Menschen ertrunken, als eine Fähre auf ein Wrack auffuhr und sank. Ende 2010 waren bei drei Fährunglücken in Bangladesch binnen eines Monats mehr als 160 Menschen gestorben.

Juni 2008

Vor der philippinischen Insel Sibuyan läuft eine Fähre mit mehr als 800 Menschen an Bord während eines Taifuns nach einem Maschinenschaden auf Grund und sinkt. In den folgenden Tagen werden etwa 250 Leichen an umliegende Strände geschwemmt, mehr als 550 Menschen gelten als vermisst.

Dezember 2006

Bei stürmischem Wetter sinkt eine Fähre zwischen den indonesischen Inseln Java und Kalimantan. Mehr als 380 der 628 registrierten Menschen an Bord werden vermisst. Helfer bergen etwa 230 Überlebende aus der Javasee.

Februar 2006

Im Roten Meer sinkt eine Fähre zwischen Saudi-Arabien und Ägypten. Mindestens 1027 der 1400 Menschen an Bord sterben. Bei einem Brand des Schiffes hatte die Mannschaft vermutlich Meerwasser zum Löschen an Bord geholt und es so zum Kentern gebracht.

„Ich hörte ein laut pochendes Geräusch, bevor das Schiff stoppte“, sagte ein Schüler per Telefon dem Kabelsender YTN. Nach dem Sprung ins Meer sei er zusammen mit anderen zu einem Rettungsboot geschwommen, sagte ein anderer Schüler. Über die Wetterlage herrschte Unklarheit: Einige Medien berichteten, es sei zur Unglückszeit nebelig gewesen.

Der Rundfunksender KBS berichtete unter Berufung auf einen Beamten der Küstenwache, dass das Schiff aus noch ungeklärten Gründen auf der vielbefahrenen Fährstrecke möglicherweise außerhalb der normalen Route gefahren sei.

Auf dem Schiff waren nach jüngsten Angaben des Krisenstabs 459 Menschen - zuvor war von mehr als 470 die Rede gewesen. Auch hatten die Behörden kurz nach dem Untergang zunächst von etwas mehr als 100 Vermissten gesprochen. Die Zahl habe aufgrund von Fehlberechnungen korrigiert werden müssen, hieß es dann.

Die Fähre konnte den Berichten zufolge mehr als 900 Passagiere und 130 Autos aufnehmen. Die Autofähre ist 146 Meter lang und wurde 1994 in der Hayashikane-Werft in Japan gebaut. Bis 2012 war sie in Japan unter dem Namen „Ferry Naminoue“ ausgelaufen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×