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07.02.2005

15:08 Uhr

Täter wollten wohl Pässe stehlen

Geiselnahme in spanischem Konsulat beendet

Ob es sich bei der Geiselnahme im spanischen Konsulat der Schweizer Hauptstadt Bern um eine politisch Straftat handelt, ist weiter unklar. Die drei Geiseln jedenfalls sind am Montag freigekommen.

HB BERN. Entgegen anders lautender Mitteilungen aus dem spanischen Außenministerium war unklar, ob sich die drei Geiselnehmer noch in dem Konsulatsgebäude aufhielten. Die Berner Polizei, die das Gebäude seit dem Morgen umstellt hielt, begann am frühen Nachmittag mit Sondereinheiten in das Gebäude einzudringen. Am Morgen waren drei mit Messern und einer Schusswaffe bewaffnete Männer gewaltsam in das Konsulatsgebäude eingedrungen und hatten mindestens drei Geiseln genommen. Von diesen drei Geiseln konnte sich eine Person verletzt selbst befreien und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Zwei weitere Personen seien von der Polizei aus dem Gebäude geholt worden, teile die Berner Polizei mit. Am Mittag war das Konsulat weiterhin weiträumig abgesperrt. Scharfschützen und gepanzerte Polizeifahrzeuge waren in Stellung gegangen.

Über Identität und Verbleib der Geiselnehmer lagen der Polizei keine gesicherten Angaben vor. „Wir müssen annehmen, dass sich die Geiselnehmer noch im Gebäude befinden,“ sagte ein Sprecher der Berner Polizei gegen Mittag.

Meldungen aus dem spanischen Außenministerium in Madrid, wonach die Geiselnehmer das Konsulat verlassen haben sollen, wurden von der Berner Polizei damit nicht bestätigt.

Zu den möglichen Beweggründen der Geiselnehmer hieß es im spanischen Aussenministerium in Madrid, eine Verbindung zu terroristischen Kreisen sei eher unwahrscheinlich. Es sei wohl von kriminellen Motiven auszugehen. Möglicherweise, so Spekulationen in Bern, hätten die Täter Pässe stehlen wollen.

Die drei Männer, die unbestätigten Berichten zufolge Französisch gesprochen haben sollen, hatten sich zur Zeit des Dienstbeginns im Konsulat mit Gewalt Eintritt in das Konsulat verschafft und dabei einen Pförtner verletzt. Der Überfall sei von einer vorbeikommenden Polizeistreife bemerkt worden, die dann Alarm gegeben habe.

Zuletzt fand in Bern eine ähnliche Besetzung eines Diplomaten-Gebäudes im Februar 1999 statt. Damals besetzten Kurden im Zuge ihrer weltweiten Protestaktionen gegen die Festnahme von PKK-Chef Abdullah Öcalan die griechische Botschaft in Muri bei Bern. Nach einem Tag wurde die Aktion ohne Opfer beendet.

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