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20.03.2011

18:24 Uhr

Tagebuch eines Japaners - Teil 3

Müde von der Katastrophe

VonF. Sato

Der Schrecken hat Japan im Griff, doch für die Bürger muss das Leben weitergehen. In einem Tagebuch für Handelsblatt Online beschreibt ein junger Japaner, wie er seinen Alltag meistert. Aufgezeichnet von Jan Keuchel.

Tagebuch eines Japaners

Tagebuch eines Japaners

Die neuesten Nachrichten machen Hoffnung, dass sich die AKW-Katastrophe nicht weiter verschlimmert. Es macht fast den Anschein, als sei sie bald unter Kontrolle. Die Kühlmaßnahmen der japanischen "Selbstverteidigungsarmee" und der Feuerwehr haben nach anfänglichen Komplikationen wohl nun doch Wirkung gezeigt und man konnte endlich eine Kühlung der Abklingbecken feststellen.

Auch die so genannten Experten (meist Uni-Professoren aus dem Fachbereich Kernenergie) im Staatssender NHK äußern sich zunehmend zuversichtlicher, dass die Lage bald unter Kontrolle sein könnte. 

Man sollte hier erwähnen, dass NHK einer der wenigen japanischen Sender ist, der relativ kritisch über die Lage in Fukushima und auch über die AKW-Betreibergesellschaft TEPCO berichtet. In einer Diskussionsrunde unter Wirtschaftsexperten wurde dies damit begründet, dass NHK als Staatssender unabhängig von Sponsoren-Geldern der TEPCO ist.

Heute habe ich mich allerdings so gut wie gar nicht mit dem Thema befasst. Es ermüdet, ständig darüber zu reden und die Nachrichten zu verfolgen, und anschließend mit Freunden die Einschätzungen auszutauschen. Ich vermute allerdings, dass die meisten meiner Freunde die Situation in Japan jetzt ähnlich wahrnehmen, nämlich optimistischer. Zumindest bei einer Freundin, dich ich heute in Osaka getroffen habe, trifft dies mit Sicherheit zu. Sie überlegt, wieder nach Tokio zurückzukehren.

Die Menschen wissen durchaus, dass im Trinkwasser von Tokio erhöhte Strahlungswerte gemessen wurden (allerdings immer noch unter dem "zugelassenen Wert"). Und ja, die zuständigen Behörden haben (teilweise) festgestellt, dass das Gemüse, welches in Fukushima und Ibaraki (Präfektur im Nordosten Tokios) angebaut wurde, verstrahlt ist. Aber das ist weit von den Schreckensszenarien entfernt, die ich und auch einige Freunde befürchtet hatten. 

Dass das Vertrauen in die Regierung und TEPCO mittlerweile einen irreparablen Schaden genommen hat, ist allerdings ein anderes Thema. Ich gehe davon aus, dass dann, wenn sich die Situation wieder entspannt hat, wir das übliche politische Chaos bekommen - einen Premier, der mit samt seiner Führungsriege zurücktritt. Aber das gehört in Japan längst zur Normalität. 

Der Autor des Tagebuchs ist ein 29-jähriger Unternehmensberater aus Tokio. Den Namen des Autors hat die Redaktion auf seinen Wunsch hin geändert.

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