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23.03.2011

15:12 Uhr

Tagebuch eines Japaners - Teil 5

"Von den vielen Beben fast seekrank"

VonF. Sato

Der Schrecken hat Japan im Griff, doch für die Bürger muss das Leben weitergehen. In einem Tagebuch für Handelsblatt Online beschreibt ein junger Japaner, wie er seinen Alltag meistert. Aufgezeichnet von Jan Keuchel.

Tagebuch eines Japaners

Tagebuch eines Japaners

22. März 2011: Erster regulärer Arbeitstag, nachdem unsere Firma letzten Mittwoch auf Telework umgeschaltet hatte. Auch hier bei uns im Büro wird Strom gespart, die Beleuchtung ist nur zu einem Drittel an. Das heutige Regenwetter ist auch nicht sehr hilfreich, um das Büro zu erhellen.

Aber sonst wird hier wieder wie üblich gearbeitet. Auf dem Weg ins Büro waren die Bahnen wieder so voll wie es für Tokio üblich ist (auch um 06:30 Uhr morgens...). 

„Das war letzte Woche noch anders“ höre ich von einem Kollegen, der in der vergangenen Woche freiwillig jeden Tag ins Büro gekommen war, weil er sich zuhause nicht auf die Arbeit konzentrieren konnte. „Am letzten Freitag waren die Bahnen ziemlich leer, es gab immer noch vereinzelt Leute in Anzügen in dieser Office-Gegend, aber ich denke, dass Ende letzter Woche viele Firmen ihre Mitarbeiter angewiesen hatten zuhause zu bleiben.“

Außer den Neonlichtern und stillstehenden Rolltreppen nimmt bei den meisten Tokiotern der gewohnte Alltag wieder seinen Lauf.

Nein! Moment, nicht ganz. Die Erde bebt schon wieder!... mein iPhone App sagt mir, dass der Ursprung vor der Küste Fukushimas liegt. Großartig...

Auch tagsüber gab es heute zwei, drei kleinere Beben.

Die Menschen in Japan sind ja an Erdbeben gewöhnt. Nach mehr als drei Jahren in Tokio mittlerweile auch ich. Aber seit dem großen Erdbeben vorletzten Freitag gibt es so viele Nachbeben, dass die Leute langsam richtig "genervt" sind. In den modernen „mitschwingenden“ Bürohochhäusern fühlt man sich fast seekrank, weil diese auch nach dem Beben einige Zeit brauchen um „auszuschwingen“.

Das gefährliche an der Sache ist, dass die Angst abnimmt, und somit die Aufmerksamkeit. Bei uns im Büro schaut man sich mittlerweile bloß kurz an, und arbeitet dann weiter.

Der Autor des Tagebuchs ist ein 29-jähriger Unternehmensberater aus Tokio. Den Namen des Autors hat die Redaktion auf seinen Wunsch hin geändert.

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