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16.11.2013

14:21 Uhr

Taifun „Haiyan“

Vermisstensuche über Facebook

„Haiyan“ gehört zu den schlimmsten Stürmen, die jemals auf der Erde gewütet haben. Tausende fielen ihm zum Opfer. Weil viele Verbindungen in die Region unterbrochen sind, suchen Verwandte ihre Liebsten über das Internet.

Überlebende des Taifuns „Haiyan“ lassen sich mit Namensschildern fotografieren und die Fotos auf Facebook posten, um Angehörige über ihr Überleben zu informieren. Reuters

Überlebende des Taifuns „Haiyan“ lassen sich mit Namensschildern fotografieren und die Fotos auf Facebook posten, um Angehörige über ihr Überleben zu informieren.

ManilaDank Facebook kann Maritez Omirez wieder ruhig schlafen. Die Philippinerin überprüft ständig ihre Nachrichten im Internet - sie guckt nicht nach Bildern von süßen Kätzchen oder Partyspäßen, sondern bei ihr geht es um Leben oder Tod. Ihre Familie lebt in der Provinz Leyte, einer Region, die besonders schlimm von Taifun „Haiyan“ heimgesucht wurde.

Nur wenige Stunden, nachdem der verheerende Wirbelsturm am vergangenen Freitag über die Region gezogen war, suchte Omirez auf Facebook nach Lebenszeichen von ihren Verwandten. Die Telefonverbindungen waren unterbrochen, und auch sonst gab es kaum Informationen aus dem Katastrophengebiet. „Yolanda“ - wie der Sturm auf den Philippinen heißt - hatte ganze Landstriche verwüstet.

Vier Tage lang hörte sie nichts von ihrer Familie. Also beschloss Omirez, Bilder von ihrer Schwester, Tante und den Nichten und Neffen auf einer Facebook-Seite für Vermisste zu veröffentlichen. „Innerhalb eines Tages bekam ich die gute Nachricht, dass sie alle in Sicherheit waren, aber das Haus wurde von "Yolanda" zerstört“, erzählt sie. „Wir waren so erleichtert.“ Ihr Mann sei nun auf dem Weg, um die Verwandten aus der Krisenregion zu holen.

Tausende Philippiner nutzen das Internet, um an Informationen über Überlebende und Opfer zu gelangen. Sie nutzen offizielle Kanäle wie das Rote Kreuz oder die philippinische Behörde für Katastrophenschutz sowie private Initiativen. Mehrere Facebook-Seiten für die Suche nach Vermisste wurden ins Leben gerufen. Der Internetgigant Google wurde ebenfalls aktiv. Mit Hilfe des „Person Finder“ können Informationen über Vermisste oder Gerettete ausgetauscht werden.

Im Katastrophengebiet konnten die Menschen noch Nachrichten auf Internet-Portalen schicken, als die normale Telefonverbindung schon längst zusammengebrochen war. Mittlerweile funktionieren die Mobilfunknetze wieder, eine Telekom-Firma richtete WiFi-Hotspots ein, und es gibt Computer-Stationen, die genutzt werden können.

Cheryl Marie Ty hat so von ihrer Tante gehört, dass es ihr und 19 weiteren Verwandten gut gehe. „Sie hat eine schnelle Nachricht auf Facebook geschickt.“ Aber Ty hat trotzdem ihre Handynummer auf die Suchseiten im Internet gestellt, für den Fall, dass jemand ihre Familie in der Stadt Palo trifft. Sie will die Stimme ihrer Großmutter hören. „Wir machen uns alle Sorgen, denn wir wissen, dass es dort kein Essen kein Wasser mehr gibt.“

Andere warten immer noch auf ein Lebenszeichen. Mailyn Bayani sucht nach ihrem Bruder. Der 33-Jährige lebt mit seiner Frau und ihren drei Söhnen in einem kleinen Holzhaus in der Stadt Mac Arthur in Leyte. „Es gibt noch keine Neuigkeiten“, sagt Bayani. Ihre Stimme zittert. „Ich habe eine Seite für Überlebende auf Facebook gefunden, aber da sind sie nicht.“ Sie hat auf einer der Seiten Bilder von ihrem Bruder und den Kindern gepostet. Die Familie lächelt in die Kamera, einer der Jungs posiert mit seinem Fahrrad.

Die letzten Nachrichten waren nicht gut: „Sie sagten, ihr Haus sei zerstört und die Notunterkunft, in die sie geflüchtet waren, werde überflutet“, sagt sie. „Ich hoffe noch, aber ich bereite mich auf das Schlimmste vor.“

Von

dpa

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