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23.01.2013

12:03 Uhr

Taliban vermuten Probleme

Empörung über Prinz Harrys Bericht

Die Aussagen Prinz Harrys über seinen fünfmonatigen Afghanistan-Einsatz schlagen hohe Wellen, auch ein Taliban-Sprecher äußerte sich. Vor allem der Vergleich des Krieges mit einem Videospiel wird scharf kritisiert.

Prinz Harry auf seinem Feldbett im Camp FOB Delhi in der Provinz Helmand. dpa

Prinz Harry auf seinem Feldbett im Camp FOB Delhi in der Provinz Helmand.

LondonNach Ende seines Afghanistan-Einsatzes hat Prinz Harry die Briten mit der Aussage schockiert, dass er am Hindukusch auch Menschen getötet habe. „Ein Leben zu nehmen, um eines zu retten, darum drehte es sich bei uns“, sagte er der britischen Nachrichtenagentur Press Association (PA). Die radikalislamischen Taliban reagierten auf die Aussagen des Prinzen mit Aussagen über „wahrscheinliche“ psychische Probleme.

Die Interviews waren bereits in Afghanistan geführt worden, sie durften aber erst nach Harrys Rückkehr veröffentlicht werden. Insgesamt war der Prinz 20 Wochen am Hindukusch stationiert, er leistete Dienst in der unruhigen südlichen Provinz Helmand. Dabei flog er auch Einsätze als Bordschütze von Kampfhubschraubern. Auf die Frage, ob er dabei auch Taliban-Kämpfer getötet habe, sagte Harry: „Ja, so wie viele andere auch.“ Wer versucht habe, seinen Kameraden etwas anzutun, sei „ausgeschaltet worden“.

Das Leben des Prinz Harry

Name

Henry Charles Albert David Mountbatten-Windsor (Spitzname: Dirty Harry)

Geboren

15. September 1984 in London

Hobbies

Polo, Rugby, Ski

Musikgeschmack

The Killers

Familie

Großmutter (väterlicherseits): Queen Elizabeth II.

Mutter: Lady Diana

Vater: Prinz Charles

Bruder: Prinz William

Stiefbruder: Thomas Parker-Bowles

Skandale

Harry gilt als der Party-Prinz. Der britische Boulevard schreibt regelmäßig über ausschweifende Partys. Aber auch in anderen Bereichen machte Harry von sich reden: Etwa, als er 2005 auf einer Party im Nazi-Kostüm erschien oder als er im Juli 2010 wegen angeblicher Tierquälerei beim Polo-Spiel in die Presse geriet. Er soll seinem Pferd so kräftig die Sporen gegeben haben, dass das Tier an der Flanke blutete. Er wurde von diesem Vorwurf frei gesprochen.

Bei den Einsätzen habe er auch von seiner Liebe zu Spielekonsolen profitiert, fuhr der 28-Jährige fort. „Ich bin einer von diesen Leuten, die gern PlayStation und Xbox spielen. Und ich liebe den Gedanken, dass ich mit meinen schnellen Daumen ziemlich nützlich bin.“

Ein Taliban-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Prinz vergleiche einen „historischen Krieg“ mit Spielen. Seine Äußerungen würden von den Taliban „nicht sehr ernst“ genommen. Harry habe in Afghanistan „wahrscheinlich ein psychisches Problem entwickelt“. Dies passiere vielen ausländischen Soldaten nach Verlassen des Landes.

„Spiegel Online“ zitiert zudem einen britischen Offizier in Kabul: „Es ist problematisch, den Krieg in irgendeiner Form mit Computerspielen zu vergleichen.“ Ein Bundeswehroffizier zum selben Thema: „Der mehr als zehn Jahre andauernde Einsatz in Afghanistan ist kein Spiel.“ Nach Informationen der „Bild“ sollen sich Taliban die Harry-Zitate gegenseitig per SMS schicken.

Afghanistan-Einsatz: Prinz Harry tötete Taliban-Kämpfer

Afghanistan-Einsatz

Prinz Harry tötete Taliban-Kämpfer

Prinz Harry hat während seines Militäreinsatzes in Afghanistan „so wie viele andere auch“ Taliban-Kämpfer getötet. Wer versucht habe, ihren Kameraden etwas anzutun, sei „ausgeschaltet worden“.

Vor Veröffentlichung des Interviews hatte das Verteidigungsministerium in London bekanntgegeben, dass Harry seinen Einsatz in Afghanistan beendet habe. Im Camp Bastion, wo er als Hubschrauberpilot stationiert war, lebte er nach eigenen Angaben „so normal wie möglich“. Harry war bereits im Winter 2007/2008 zehn Wochen als Fliegerleitoffizier am Hindukusch aktiv. Der damalige Einsatz war aber aus Sicherheitsgründen abgebrochen worden, nachdem sein Aufenthaltsort bekannt geworden war.

In einem weiteren nach Harrys Rückkehr veröffentlichten Interview kritisierte Harry die britischen Medien scharf. Die Zeitungen druckten „Müll“ und beraubten ihn seines Privatlebens, sagte er dem Sender ITV News. „Es macht mich traurig und wütend, dass die Leute mit dem Zeug durchkommen, das sie schreiben.“ Er sei überrascht, wie viele Briten diese Berichte lesen. Er hoffe, dass die Menschen nicht glaubten, was sie lesen.

Chronologie: Tödliche Zwischenfälle in Afghanistan

Unbeliebte Besatzer

Bereits vor dem Massaker eines US-Soldaten an 16 afghanischen Zivilisten hat es in dem Land am Hindukusch mehrere Übergriffe von Angehörigen der amerikanischen Truppen gegeben. Auch Aktionen wie Koranverbrennungen lösten gewalttätige Proteste aus.

20. Februar 2012

Soldaten in der US-Basis Bagram bringen Ausgaben des Korans versehentlich zur Entsorgung zu einer Verbrennungsanlage. Muslimen gilt jede Schändung des Korans als Todsünde. Trotz einer Entschuldigung von Präsident Barack Obama führt die Koranverbrennung zu schweren Ausschreitungen mit zahlreichen Toten.

11. Januar 2012

Im Internet taucht ein Video auf, das angeblich US-Soldaten zeigt, die auf getötete Taliban urinieren. Der Vorfall sorgt international für Empörung und belastet die amerikanisch- afghanischen Beziehungen. US-Verteidigungsminister Leon Panetta verurteilt die Leichenschändung und ordnet eine Untersuchung an.

23. März 2011

Ein US-Soldat wird von einem amerikanischen Militärrichter zu 24 Jahren Haft verurteilt. Der Stabsgefreite hatte zugegeben, zusammen mit mehreren Kameraden gezielt drei unbewaffnete Zivilisten in Afghanistan umgebracht zu haben. Dem fünfköpfigen „Killkommando“ wird nicht nur angelastet, aus purer Mordlust getötet zu haben: Sie sollen auch Körperteile ihrer Opfer wie Finger als Trophäen mitgenommen haben.

20. März 2011

In der Gemeinde des umstrittenen Pastors Terry Jones in Gainesville (US-Staat Florida) findet eine Koranverbrennung statt. Wenige Tage später stürmen aufgebrachte Menschen im afghanischen Masar-i-Scharif ein Büro der Vereinten Nationen und töten sieben Ausländer. Bei Ausschreitungen kommen in den folgenden Tagen in Afghanistan mindestens 23 Menschen ums Leben.

4. Mai 2009

Bei einem US-Luftangriff in der südwestafghanischen Provinz Farah kommen auch zahlreiche Zivilisten ums Leben. Das US-Militär hatte den Taliban vorgeworfen, diese als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Nach einer Untersuchung der afghanischen Regierung wurden 140 Zivilisten getötet.

Sein Misstrauen gegenüber den Medien führte Harry zurück auf den Tod seiner Mutter Diana, die nach einer Verfolgung durch Paparazzi 1997 in Paris bei einem Autounfall ums Leben kam. „Ich denke, es ist klar, wie weit es zurückreicht - zu der Zeit, als ich sehr klein war“, sagte Harry. Eines der „besten“ Dinge am Afghanistan-Einsatz war laut Harry, dass er „weit weg von all den Medien in der Heimat“ war. Diese seien „einer der wirklich negativen Aspekte“ Großbritanniens.

Von

afp

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

23.01.2013, 12:42 Uhr

Eigentlich sollte der Titel heißen: "Prinz Harry empört über Afghanistan-Bericht". Wichtig ist nicht die Meinung der Presse, sondern der Akteure. Der Beitrag befasst sich hauptsächlich mit anderen Pressemeldungen. Das ist doch nur Sekundärberichterstattung. Wen interessiert das?

Account gelöscht!

23.01.2013, 12:50 Uhr

Ein Soldat war im Krieg und hat, zumindest seinen Aussagen nach, ein paar Feinde um gemacht. Ja und jetzt?

Fach-Leser

23.01.2013, 12:53 Uhr

Wer ist Prinz Harry? Handelt der mit Aktien? Hat der etwas mit Wirtschaft zu tun?

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