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20.01.2008

16:27 Uhr

Tauchbranche im Wandel

Haitourismus im Trend

Tauchen mit Weißen Haien statt Kurse im heimischen Baggersee: Die Tauchbranche geht neue Wege, um interessierte Urlaubstaucher bei der Stange zu halten. Bis zum 27. Januar präsentieren 395 Aussteller bei der Boot 2008 die neuen Trends der einstigen Boomsportart. Ein Phänomen ist dabei der Haitourismus, den die Anbieter fernab der Luxusyachten auf der weltweit größten Wassersportmesse vorstellen.

Taucher stellen auf der Wassersportmesse boot 2008 in einem Tauchtum ihre Ausrüstung vor. Foto: dpa dpa

Taucher stellen auf der Wassersportmesse boot 2008 in einem Tauchtum ihre Ausrüstung vor. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. „Das ist eine Millionenindustrie geworden“, sagt Wolf Snyckers von „Boleng Adventures“, der Haifischreisen in Südafrika organisiert. Ganze Dörfer hätten sich an der südafrikanischen Küste entwickelt und lebten mittlerweile von der Abenteuerlust der Taucher, die im Käfig einem Weißen Hai ins Auge schauen können. Manche tauchen auch ohne Käfig mit Tigerhaien. Ernsthaft zu Schaden kommt bei dem Nervenkitzel niemand, denn die Tauchgänge finden unter Anleitung von „Aufpassern“ statt. Organisationen wie „sharkproject“ wollen so mit dem Klischee der riesigen Haie als gefrässige „Monster“ aufräumen.

Doch auch die Tauchbranche soll davon profitieren. „Wir müssen das Tauchen wieder als Abenteuer verkaufen“, sagt der Tauchexperte Dietmar Fuchs. „Tauchen ist zur Reisesportart geworden. Das ist ein riesiges Problem für die Branche“, sagt er. Der Chefredakteur des Fachmagazins „Unterwasser“ sorgt sich, dass viele Menschen unbedingt im Urlaub tauchen wollen, dann aber das Interesse verlieren. „Die Leute streichen das Tauchen von einer persönlichen Liste der Dinge, die sie unbedingt mal machen wollen“, sagt Fuchs. Durch den Haitourismus sollen die Hobby-Taucher dauerhaft gebunden werden. Er hofft darauf, dass „die Leute durch den Adrenalinschub immer mehr wollen und sich umschauen, was es sonst noch gibt“.

Dabei kann von mangelndem Interesse am Tauchen keine Rede sein. Der Verband deutscher Tauchlehrer (VDTL) geht von etwa 3 Millionen Hobbytauchern in Deutschland aus. „Doch die Zahlen in den Schulen sind rückläufig“, sagt der VDTL-Präsident Hartwig Sachse. Statt zeitintensiver Kurse mit vielen Theorie-Einheiten und der Praxis im Schwimmbad oder im kalten Baggersee wollen die Deutschen lieber im Urlaub tauchen. Längst hat der VDTL darauf reagiert und bietet nun Tauchkurse auch auf Zypern, Fuerteventura und in der Türkei an.

Auch auf der boot ist der Wandel der Tauchbranche sichtbar. „Früher war es eine Verkaufsmesse der Händler, heute ist es fast eine reine Tourismusmesse“, sagt Sachse. Tatsächlich reihen sich mittlerweile die Reiseanbieter und Fremdenverkehrsämter der Tauchparadiese Stand an Stand, wo früher die Händler Neoprenanzüge, Sauerstoffflaschen und Taucherbrillen verkauft haben. Das meiste Geschäft machen die Anbieter mittlerweile im Internet. Fast alle Händler sind auf das Messe-Geschäft gar nicht mehr angewiesen. Der Karlsruher Händler Michael Kleinert geht sogar davon aus, dass in zehn Jahren nur noch Tourismusunternehmen um das Interesse der Messe- Besucher buhlen.

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