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29.03.2012

12:03 Uhr

Tempolimit als Vogelschutz

Die Eifel kämpft gegen den Uhu-Starenkasten

Farbattacke, Knüppelangriff, Umgefahren: Mit rabiaten Maßnahmen versuchen erboste Eifeler, eine Radarfalle auf einer Landstraße loszuwerden. Das Gerät überwacht ein Teilstück - damit Autos nicht mit Uhus kollidieren.

50 km/h sind hier vorgeschrieben - wegen der Uhus. dpa

50 km/h sind hier vorgeschrieben - wegen der Uhus.

Aachen/HeimbachEs ist ein erbitterter Kampf mit zum Teil brachialen Mitteln. Tausende Autofahrer sind auf einer Eifeler Landstraße in eine Radarfalle gerauscht und wurden bestraft. Die ersten Racheakte begannen, da war die Anlage bei Heimbach noch so gut wie neu - eine Anschlagsserie mit Farbe, Knüppeln und sogar mit einem geklauten Traktor. Einfach umgefahren haben Unbekannte den Blitzer damit. Jetzt ist die Radarfalle jetzt ein Fall fürs Gericht. Eine Temposünderin klagt gegen Tempo 50 auf der Strecke und die strenge Kontrolle durch die Radarfalle, die dem Naturschutz dienen soll. Widerrechtlich sei das, sagt ihr Anwalt Wolfgang Beyer.

Es geht um 900 Meter Straße, zwischen den Örtchen Heimbach-Blens und Hausen in Nordrhein-Westfalen, ganz nah an einem bedeutenden Vogelschutzgebiet. In den steilen Buntsandsteinfelsen brütet der in Deutschland geschützte Uhu. Der Vogel gilt tendenziell als Tiefflieger, der mit schwerer Beute in den Krallen nur träge auf Hindernisse reagieren kann. Je langsamer die Autos, desto geringer das Kollisionsrisiko mit dem Uhu, meinen Uhu-Experten wie der Düsseldorfer Biologe Rolf Krechel.

Diese 900 Meter Strecke wurden in den letzten Jahren zu einer schönen, breiten Straße ausgebaut - richtig tierschutzfreundlich mit Tunnel für Biber und Kröten, für sechs Millionen Euro. Vorher war sie eine „Buckelpiste“, ein schlichter Feldweg. Wer die damals erlaubten 70 Stundenkilometer fuhr, hat sich sein Auto kaputtgemacht.

Die Stadt Heimbach wollte die Straße ausbauen, unbedingt. Kommunen und Behörden wussten, dass die Tierschützer für eine Klage in den Startlöchern standen. Also machen sie den Deal: Der Kreis sorgt für eine wirksames Tempo-Limit 50 und die Naturschützer ziehen nicht vors Gericht. „Ich hätte auch 30 unterschrieben“, bekennt der Heimbacher Bürgermeister Bert Züll (CDU) trotz des ganzen Ärgers. Er steht zu dem Abkommen. Niemand hatte aber die Rechnung mit den Autofahrern gemacht.

Das Stück Straße in landschaftlich reizvoller Umgebung wurde schön ausgebaut, die Leute mussten langsam fahren. Auf der Strecke weisen Schilder auf die Radarfalle und auf die Uhus im Felsen hin. „Das ist keine gemeine Falle“, sagte der Sprecher des Kreises Düren, Josef Kreutzer. Aber in nur zehn Monaten wurden trotzdem 7600 Auto- und Motorradfahrer geblitzt.

„Die Leute sind richtig sauer“, sagt Züll und kriegt den Unmut als Bürgermeister auch persönlich ab. Ein guter Bekannter von ihm musste für einen Monat den Führerschein abgeben.

Die Anschlagsserie auf die Radarfalle begann mit Farbe vergleichsweise harmlos, wenig später eskalierte die Lage. Unbekannte klauten einen Traktor und nieteten den Kasten einfach um - mit 50.000 Euro fast Totalschaden. Der Kreis Düren stellte sie wieder auf. Im Dezember schlugen Unbekannte erneut zu, „mit Eisenstangen“, erzählt Kreutzer. Die Anlage war noch außer Gefecht, da kam im Februar schon die nächste Gewalt-Attacke.

Seit Monaten macht die Anlage keinen Mucks mehr. Die Ersatzteile liegen schon bereit, aber der Kreis Düren unternimmt erst mal nichts. „Wir warten das Urteil ab“, sagt Kreutzer. Das wollen die Richter am 10. April sprechen. Ein Frieden stiftendes Urteil? Bürgermeister Züll weiß das nicht: „Die Leute meinen: Der Uhu war doch schon immer da. Der geht wegen der 20 Kilometer mehr doch nicht weg.“

Von

dpa

Kommentare (3)

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Altposaunix

29.03.2012, 13:47 Uhr

Solch ein Tempolimit macht durchaus Sinn - allerdings nur in der Dämmerung und nachts. Tagsüber schlafen Uhus, da besteht keine Kollisionsgefahr, weder für den Autofahrer noch für den Vogel. Ähnliche zeitgesteuerte Tempolimits gibt es bereits vor diversen Schulen - warum nicht auch hier in der Eifel? Technisch sollte sich dies im elektronischen Zeitalter simpel und ohne größeren Installationsaufwand realisieren lassen.

Wer noch nie einen Uhu im Flug erlebt hat, dem sei gesagt, dass ich keinen Zusammenstoß mit ihm erleben möchte. Oder vor Schreck gegen den nächst besten Felsen krachen will...

Account gelöscht!

29.03.2012, 16:49 Uhr

Das sich überall diese Vandalen-Wutbürger in jedem Zusammenhang über das böse Südeuropa auslassen müssen.

Nur weil Sie sich keinen Urlaub dort leisten können, müssen Sie nicht auf Griechen und Portugiesen rumhacken, aus Gründen, von denen Sie überhaupt nichts verstehen. Was qualifiziert Sie zur Abgabe einer deart unqualifizierten Aussage?

Was die Radarfalle angeht, wenn der Bürgermeister schlau ist, dann stellt er das Ding wieder auf, und installiert gut versteckt eine Videoüberwachung. Der nächste Vandale darf dann den gesamten Schaden bezahlen und sollte obendrein noch 2 Jahre auf Bewährung bekommen, damit er seinen wutbürgerlichen Drang auf Vandalismus etwas in den Griff bekommt.

Wir werden mir euch Wutbürgern schon fertig werden, verlassen Sie sich drauf. Und wann man euch dafür einsperren muss bis ihr kapiert das ihr nichts weiter als proletarier Pöbel seit, wir werden es euch begreiflich machen.

Abschaum Wegkärchen. So drückte sich Sarkozy seinerzeit aus.

Account gelöscht!

29.03.2012, 16:53 Uhr

Nanu, wo ist denn das Posting vom Vandalen hin, auf den sich mein Posting bezog? Gelöscht? Auch ok. Ordnung schaffen.

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