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24.08.2015

12:03 Uhr

Thalys-Helden gefeiert

Frankreich will Schnellzüge sicherer machen

VonTanja Kuchenbecker

Frankreich feiert seine Helden: Präsident Hollande hat die Männer zu Rittern der Ehrenlegion ernannt, die einen Bewaffneten im Thalys-Zug überwältigt haben. Wie kann ein solcher Anschlag künftig verhindert werden?

(v.l.) Der britische Geschäftsmann Chris Norman, Anthony Sadler, ein Student an der Sacramento University in Kalifornien, Frankreichs Präsident Francois Hollande, U.S.-Luftsoldat Spencer Stone, und Alek Skarlatos, ein US-Gardist aus Roseburg, Oregon vor dem Élysée-Palast. Die Helden wurden für ihren Einsatz geehrt. ap

Hollande und die Helden

(v.l.) Der britische Geschäftsmann Chris Norman, Anthony Sadler, ein Student an der Sacramento University in Kalifornien, Frankreichs Präsident Francois Hollande, U.S.-Luftsoldat Spencer Stone, und Alek Skarlatos, ein US-Gardist aus Roseburg, Oregon vor dem Élysée-Palast. Die Helden wurden für ihren Einsatz geehrt.

ParisSeit Tagen feiert Frankreich die Helden des Thalys, die am Freitagabend ein Massaker verhindert haben. Eine solche Heldentat erfordert eine große Auszeichnung. Deshalb verlieh Präsident François Hollande den vier Männern, drei Amerikanern und einem Briten, am Montag den Orden der Ehrenlegion. Er lobte „ihren Mut“ und „ihre Besonnenheit“. Ausgezeichnet wurden die beiden amerikanischen Soldaten Spencer Stone (23) und Alek Skarlatos (22) und ihr Freund Anthony Sandler (23) sowie der britische Geschäftsmann Chris Norman (62). Die US-Soldaten waren auf der Durchreise in den Heimaturlaub und nicht im Dienst, als die Tat geschah.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

„Sie verkörpern gegenüber dem Bösen des Terrorismus das Gute.“ Die vier Helden hatten Ayoub El Khazzani, der eine Pistole und eine Kalaschnikow dabei hatte, im Thalys von Amsterdam nach Paris überwältigt. Dadurch sei „eine Tragödie, ein Massaker“ verhindert worden, sagte Hollande in seiner Ansprache im Élyséepalast, bevor er ihnen die Auszeichnung verlieh. Bei der Preisverleihung waren auch Premierminister Manuel Valls und wichtige Polizeivertreter anwesend.

Ein weiterer Franzose (28), der in einer Bank in Holland arbeitet und mitgeholfen hat, will anonym bleiben. Er und der Franko-Amerikaner Mark Moogalian (51), der angeschossen wurde und noch im Krankenhaus ist, sollen die höchste französische Auszeichnung später erhalten. Präsident Hollande und US-Präsident Barack Obama telefonierten und bekräftigen den Willen, „gemeinsam gegen den Terrorismus an allen Fronten vorzugehen“.

Während einer Pressekonferenz in der amerikanischen Botschaft in Frankreich erschien Spencer Stone sehr müde. Er war am Hals verletzt und sein Daumen fast mit dem Cutter durchtrennt worden. Aber er erzählte voller Energie: „Alek hat mich auf die Schulter geklopft und mir gesagt: Let´s go. Ayoub El Khazzani schien bis zum Ende kämpfen zu wollen, wir aber auch.“ Stone, Soldat der US Air Force, wachte gerade aus einem tiefen Schlaf auf, als er den 25-jährigen Marokkaner sah. Beide schlugen auf El Khazzani ein, um ihn zu stoppen.

Kommentare (3)

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Herr Thomas Melber

24.08.2015, 12:47 Uhr

Gar nicht. Und wenn nicht im Zug, dann passiert es in der S- oder U-Bahn oder im Bus (so wie in London). Es gibt wohl nur eine Lösung.

Herr Jürgen Bertram

24.08.2015, 13:07 Uhr

das war ein psychisch gestörter Einzeltäter der eine schwere Kindheit hatte......

Hat mit dem Islam gar nichts zu tun

Herr Teito Klein

24.08.2015, 15:02 Uhr

Der Täter will kein Terrorist sein
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Er wollte nur einen Raubüberfall begehen.
Dafür brauchte er eine Kalaschnikow, neun Magazine, eine Pistole und einen Rucksack voller Munition.
Aber er hat ja die Waffen rein "zufällig" im Park "gefunden".
Und er wollte doch "nur" auf ein Fenster schießen.

Sein Vater nimmt ihn in Schutz.
Sein Sohn habe nie über Politik gesprochen. Spanische Behörden berichten hingegen von Reden über den Kampf gegen Ungläubige.
Ayoub El Khazzani lebte von 2007 bis 2014 in Spanien, zunächst in Madrid, dann im andalusischen Algeciras. Dort fiel er den Sicherheitsbehörden wegen Reden auf, in denen er den bewaffneten Kampf gegen Ungläubige propagierte.

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