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20.02.2013

03:28 Uhr

The Giving Pledge

SAP-Gründer Plattner spendet Milliarden

Vor über 40 Jahren gründete Hasso Plattner den Software-Riesen SAP. Heute ist er Milliardär. Als erster Deutscher tritt er der Initiative von Buffett und Gates bei und verspricht, die Hälfte seines Vermögens zu spenden.

Als erster Deutscher spendet der Milliardär Hasso Plattner über die Hälfte seines Vermögens. dpa

Als erster Deutscher spendet der Milliardär Hasso Plattner über die Hälfte seines Vermögens.

New YorkSAP-Mitbegründer Hasso Plattner will mindestens die Hälfte seines Milliardenvermögens verschenken. Das ist zumindest das Aufnahmekriterium für die Spendeninitiative „The Giving Pledge“ von Warren Buffett und Bill Gates. Die Aktion, zu deutsch „Das Spendenversprechen“, gab Plattner am Dienstag in New York als ersten Deutschen im exklusiven Club der Superspender bekannt. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schätzt das Vermögen des 69-Jährigen auf 7,2 Milliarden Dollar (5,4 Milliarden Euro).

Die Schwächen von SAP

Schwache Position auf US-Markt

Der US-Markt ist für SAP äußerst wichtig – allerdings hat das Unternehmen hier mit Oracle einen sehr agilen und aggressiven Konkurrenten. Mit dem US-Konzern beharkt sich SAP auch juristisch, in einem Streit um den Diebstahl von Geschäftsdaten fordert dieser saftigen Schadenersatz. Die Übernahme der beiden amerikanischen Cloud-Dienstleister Ariba und SuccessFactors für insgesamt 7,8 Milliarden Dollar soll das US-Geschäft von SAP stärken.

Abhängigkeit von Großkunden

Trotz aller Bemühungen um Mittelständler ist SAP stark von den Großkunden abhängig. Damit leidet das Unternehmen stärker unter Konjunkturschwankungen – im Abschwung schieben die Konzerne große Investitionen lieber auf. SAP will mit alternativen Geschäftsmodellen gegensteuern, etwa Miet-Software (Software as a Service), für die die Kunden monatliche Gebühren statt Lizenzen zahlen.

Wechselkursrisiken

Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben Wechselkurseffekte den Gewinn niedriger ausfallen lassen. Die Euro-Stärke gegenüber asiatischen Währungen kostete den Weltmarktführer für Software zur Unternehmenssteuerung beispielsweise 400 Millionen Euro Gewinn.

Plattner gründete vor über 40 Jahren den Software-Riesen SAP, das heute eines der wertvollsten Unternehmen in Deutschland und der weltgrößte Anbieter für Unternehmenssoftware ist. Plattner, der inzwischen die meiste Zeit in Deutschland lebt, gilt als einer der größten Visionäre der Informationstechnologie und leitet zurzeit das Kontrollgremium von SAP.

Die Stärken von SAP

Hoher Börsenwert

Hohe Schulden, wenig Innovationen, kritische Kunden: SAP stand 2009 gehörig unter Druck. Der niedrige Aktienkurs befeuerte Übernahmegerüchte. Heute brummt das Geschäft wieder, an der Börse ist der Software-Konzern deswegen deutlich mehr wert. Ein Garant für die Eigenständigkeit.

Lukratives Wartungsgeschäft

SAP ist ein Software-Konzern, macht aber inzwischen mehr Umsatz mit der Wartungsverträgen als mit Lizenzen. Das beschert dem Unternehmen langfristig planbare Einnahmen. Das gilt auch für Cloud-Dienste, die bislang noch relativ wenig zum Umsatz beitragen, aber stark wachsen und daher als Geschäft der Zukunft gelten.

Zukunftstechnologie Hana

Mit der superschnellen Datenbank-Technologie Hana hat SAP ein Ass im Ärmel: Weil sie Daten im schnellen Hauptspeicher vorhält und nicht erst von einem langsameren Datenträger holen muss, kann sie laut SAP hunderte Milliarden Datensätze in Echtzeit auswerten. Damit beschleunigt der Software-Hersteller seine betriebswirtschaftlichen Anwendungen – eine Kampfansage an den Rivalen Oracle. SAP will die Technologie aber auch außerhalb des Kerngeschäfts vermarkten, etwa für die medizinische Analytik oder der Steuerung von Stromnetzen. Der Umsatz damit ist noch gering, aber die Chancen sind immens.

Als erster Deutscher gibt der SAP-Gründer mindestens die Hälfte seines Vermögens an die Spendeninitative „The Giving Pledge“ von Warren Buffett und Bill Gates, die sich zum Ziel gesetzt hat die reichsten Personen in Amerika und der Welt einzuladen, den Großteil ihres Reichtums der Philantropie zu geben. Weit über 40 Milliardäre haben sich bisher der Kampagne angeschlossen, unter ihnen der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, New York Citys Bürgermeister Michael Bloomberg und der Schöpfer der Indiana-Jones- und Star-Wars-Filmreihen, George Lucas.

Kommentare (6)

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shar

20.02.2013, 07:01 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

BassTian

20.02.2013, 07:36 Uhr

@shar:
"The Giving Pledge" fordert von ihren Mitgliedern lediglich, mindestens die Hälfte des eigenen Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden, es ist nirgends festgelegt, dass diese Spenden unbedingt in die USA gehen müssen. Bevor Du hier also vom Leder ziehst, hättest Du Dich mal lieber etwas genauer informiert - denn Lesen bildet... ;-)

Account gelöscht!

20.02.2013, 08:37 Uhr

Hier sehen wir sehr schön einen wichtigen Unterschied zwischen Deutschland/Europa und den USA. In den USA hätte Plattner viel weniger Steuern bezahlt, dafür ist die Spendenbereitschaft von vermögenden Amerikanern viel größer als in Deutschland, d.h. im Durchschnitt zahlen die reichen Amerikaner ungefähr so viel an die Allgemeinheit wie die reichen Deutschen. Letztere werden hier aber als "Arsch" o.ä. beschimpft. Noch schlimmer ist die Situation aber im halbsozialistischen Frankreich. Da werden Reiche explizit mit einer Strafsteuer belegt, nach dem Motto: "Mit ehrlicher Arbeit wärst Du nie so reich geworden." Die großen sozialen Unterschiede in den USA sind in vieler Hinsicht nicht gut. Aber sind wir in Europa mit unserem Klima des Hasses auf Reiche so viel besser?

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