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06.07.2015

16:34 Uhr

Tierische Begegnung

Ein Känguru auf der Flucht

Dunkle Kulleraugen, lange Löffelohren: Kängurus lehren eigentlich nicht das Fürchten. Doch was, wenn so ein Tier plötzlich auf offener Straße vor einem steht? Im Sauerland hält Känguru Skippy Bürger und Polizei in Atem.

Spielende Kängurus: Im Sauerland läuft ein Känguru frei herum. ap

Auf der Flucht

Spielende Kängurus: Im Sauerland läuft ein Känguru frei herum.

OlsbergAls Annette Petri auf dem Weg zur Arbeit plötzlich vor einem Känguru stand, hatte sie Gänsehaut am ganzen Körper. „Wir blieben beide vor Schreck stehen und schauten uns in die Augen“, erzählt sie. Die 48-Jährige machte am vergangenen Freitagabend im sauerländischen Olsberg Bekanntschaft mit einem herrenlosen Känguru. Das hüpft seit mehreren Tagen durch die Gegend. Von Medien wurde es Skippy gekauft. Während Petri vor Angst stehenblieb, lief Skippy nach wenigen Sekunden davon. Das Tier flüchtete über einen nahe gelegenen Friedhof und verschwand.

Unklar ist, woher das Känguru stammt. „Es ist uns ein Rätsel“, sagte ein Polizeisprecher. Weil es aus Sicht der Ordnungshüter den Straßenverkehr gefährdet, soll es möglichst schnell eingefangen werden. Danach soll es bei privaten Känguru-Haltern in Medebach unterkommen.

Aus deren Bestand stammt Skippy laut Polizei aber nicht. Auch ein Zirkus gastiere zur Zeit nicht in der Gegend. Ein Hobbyjäger hatte Skippy bereits für ein kleines Video vor der Linse: „Das war schon ein Erlebnis der besonderen Art“, sagte er dem WDR.

Allerdings lässt sich das Tier bisher einfach nicht einfangen. „Das Känguru ist verdammt mobil, das ist ein riesiges Problem“, seufzt die Polizei. Zoologe Julian Heiermann vom Naturschutzbund Nabu bestätigt, dass Kängurus ziemlich schnell und sehr scheu sind. Zwar seien die Tiere Pflanzenfresser und würden daher nicht gleich verhungern. Der Straßenverkehr ist allerdings eine große Gefahr für die Tiere. Und andere Verkehrsteilnehmer. Vor heimischen Wildtieren müssen sie sich aber nicht fürchten: „Ich denke, selbst ein Wolf hätte keine Chance“, sagt Heiermann.

Skippy ist nicht das erste Känguru, das Schlagzeilen macht. Erst Ende vergangenen Jahres war in Brandenburg ein Känguru ausgerissen und mehrere Wochen auf der Flucht. Schließlich wurde das Tier tot aufgefunden. Immer wieder sorgen entlaufene Tiere in der nachrichtenarmen Zeit für Rummel: Die Kuh Yvonne wurde 2011 zum Medien-Star. Auf der Flucht vor dem Schlachter türmte sie bei Ampfing in Oberbayern in den Wald und ließ sich drei Monate lang nicht fangen. Erst nach einem Schuss aus einem Betäubungsgewehr konnte Yvonne wieder eingefangen werden.

Der Kaiman Sammy wurde 1994 sogar zur „Bestie vom Baggersee“. Die Echse war bei einem Badeausflug mit seinem Besitzer bei Dormagen im Rheinland abgetaucht. Trotz Sommersonne blieben die entsprechenden Badestellen deshalb tagelang leer. Nach einem Medienspektakel mit einwöchiger „Großwildjagd“ landete Sammy im Zoo. Schildkröte Lotti hielt 2013 einen Sommer lang das schwäbische Irsee in Atem. Wochenlang wurde nach ihr gefahndet, gefunden wurde sie bis heute nicht.

Von

dpa

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