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01.05.2011

16:32 Uhr

Tod nach Luftangriff

Das Luxusleben des Gaddafi-Sprösslings

Saif al-Arab Gaddafi war der jüngste Sohn des libyschen Machthabers. Bei einem Nato-Luftangriff soll er getötet worden sein – wenige Wochen zuvor hatte der Student noch ein Luxusleben in München geführt.

Gaddafis jüngster Sohn Saif. Quelle: dpa

Gaddafis jüngster Sohn Saif.

MünchenSaif al-Arab Gaddafi fuhr teure Autos, lebte im Münchner Stadtteil Waldperlach in einer Villa: Der jüngste Sohn der libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi soll für eine Zeit die Universität in München besucht haben, doch ein einfaches Studentenleben führte er nicht gerade. Mehrfach geriet der Gaddafi-Sohn in der bayerischen Landeshauptstadt auch ins Visier der Polizei - doch er kam immer davon.

Einmal traf sich Saif al-Arab al-Gaddafi sogar mit dem Münchner Polizeipräsidenten zu einem Abendessen. Dieser stellte in Interviews später klar, von einem „Freundschaftstreffen“ könne keine Rede sein. Vielmehr habe er dem Gaddafi-Sohn klar gemacht, dass die Behörden weder die Ermittlungen gegen ihn einstellen noch auf seinen Wunsch nach Personenschutz eingehen würden.

Der Gaddafi-Clan

Muammar al-Gaddaf

Libyens Machthaber hat mehrere seiner Kinder in Schlüsselpositionen seines Landes untergebracht. Sein jüngster Sohn Saif al-Arab al-Gaddafi wurde in der Nacht zum Sonntag bei einem Luftschlag der Nato auf Tripolis getötet. Mitte März soll bereits sein Bruder Chamies Opfer eines Kamikaze-Piloten geworden und in einem Krankenhaus in Tripolis gestorben sein. Gaddafi ist seit 1970 in zweiter Ehe mit der Krankenschwester Safija Farkash verheiratet. Mit ihr hat er sieben Kinder.

Mohammed Al-Gaddafi

Der Informatiker wurde 1970 geboren und leitet das staatliche Post- und Fernmeldeunternehmen. Zudem besitzt er zwei libysche Mobilfunk-Anbieter. Er ist das einzige Kind von Gaddafi und der vermögenden Offizierstochter und Lehrerin Fatiha. Die Ehe wurde 1969 nach einem halben Jahr geschieden. Mohammed Al-Gaddafi führt zudem das Nationale Olympische Komitee.

Saif Al-Islam Al-Gaddafi

Sein Vorname wird mit „Schwert des Islams“ übersetzt. Nach einem Studium der Architektur und Wirtschaftswissenschaften in Tripolis, Wien und London gründete er 1999 die formal unabhängige Gaddafi-Stiftung für Entwicklung. Ihm gehören mehrere Wirtschaftsunternehmen. Nach Kritik am Führungsstil seines Vaters hatte er 2006 vorübergehend das Land verlassen. Seitdem gilt er im westlichen Ausland als möglicher reformorientierter Nachfolger des Diktators. Saif wurde 1972 geboren.

Al-Saadi Al-Gaddafi

Er besuchte die libysche Militärakademie und hat - wie sein Vater - den Rang eines Obersten. Nachdem er als Kommandant einer Eliteeinheit Islamisten in Libyen bekämpft hatte, ging er 2003 als Fußballprofi nach Italien. Er stand dort bei mehreren Erstligamannschaften unter Vertrag, kam aber kaum zum Einsatz, bevor er sich nach Doping-Vorwürfen verabschieden musste. Heute ist Al-Saadi (geboren 1973) Präsident des libyschen Fußballverbandes.

Mutassim Billah Al-Gaddafi

Mutassim (geboren 1975) absolvierte eine militärische Ausbildung in Libyen und Ägypten. Nach einem Zerwürfnis mit dem Vater floh er vorübergehend nach Ägypten. Später durfte er zurückkehren und befehligt nun die einflussreiche Präsidentengarde. In den vergangenen Jahren wurde Mutassim Billah wiederholt vom Vater mit wichtigen politischen und diplomatischen Aufgaben betraut.

Aischa Al Gaddafi

Die Juristin (geboren 1976) ist die einzige Tochter des Herrschers. Sie studierte in Tripolis und Paris. Aischa gehörte zu der Gruppe von Rechtsanwälten, die den gestürzten und später hingerichteten irakischen Diktator Saddam Hussein verteidigte. Sie ist seit 2006 mit einem Cousin ihres Vaters verheiratet und leitet heute eine libysche Wohltätigkeitsorganisation.

Hannibal Al-Gaddafi

Der Absolvent der Militärakademie in Libyen (geboren 1977) geriet durch seinen luxuriösen Lebensstil und Gewalttaten in die Schlagzeilen. 2005 soll er eine Freundin in einem Pariser Hotel niedergeschlagen haben. 2007 verhaftete ihn die Schweizer Justiz, weil er in Genf Hausangestellte misshandelt haben soll.

Saif-Al-Arab Al Gaddafi

Über diesen Sohn ist wenig bekannt. Nach Angaben eines libyschen Regierungssprecher war er bei seinem Tod in der Nacht zum 1. Mai 2011 etwa 29 Jahre alt. Er soll in München studiert haben, wo Saif-al-Arab mehrfach der Polizei auffiel, unter anderem wegen seines besonders lauten Ferraris und wegen Schlägereien in Nobel-Diskotheken.

Chamies Al-Gaddafi

Der nach Medienberichten nun getötete Sohn (geboren 1980) ist ebenfalls weitgehend unbekannt. Nach einer militärischen Ausbildung in Russland soll er zuletzt eine wichtige Funktion im libyschen Sicherheitsapparat bekleidet haben.

Milad Aubustaia Al-Gaddafi

Muammars Neffe wurde von dem Herrscher adoptiert. Während eines US-Bombenangriffs auf Tripolis 1986 soll er nach libyscher Legende das Leben des Machthabers gerettet haben. Die 15 Monate alte Adoptivtochter Hana wurde bei dem Bombardement getötet.

Manchmal gab es kleine Meldungen über die Eskapaden des Herrscher-Sohnes aus Libyen. Einmal berichtete die Boulevard-Presse vor ein paar Jahren, sein edler Sportwagen sei zu laut gewesen und deshalb von der Polizei beschlagnahmt worden.

Kurz vor Beginn der Unruhen in Libyen wurde dann bekannt, dass die Münchner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Waffenschmuggels eingestellt hatte. Der Student sollte 2008 in einem Diplomatenauto ein Sturmgewehr, einen Revolver sowie Munition von München nach Paris gebracht haben. Laut Staatsanwaltschaft konnte ihm das aber nicht nachgewiesen werden. Der „Spiegel“ hatte berichtet, das Verfahren sei trotz konkreter Zeugenaussagen eingestellt worden.

Als die Situation in seiner Heimat eskaliert war, sorgten seine Vergehen im Nachhinein für Aufregung. Im April kritisierte die Grünen-Rechtsexpertin Christine Stahl, offensichtlich hätten die Ermittlungsbehörden rechtsstaatliche Grundsätzen missachtet, dabei habe es sich keineswegs um irgendwelche „Studenten-Ulks“ gehandelt. Das Justizministerium listete auf ihre Anfrage hin Fälle auf, in denen gegen den Gaddafi-Sohn ermittelt wurde: wegen Verdachts auf Waffenschmuggel, vorsätzliche Körperverletzung oder Verstoß gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz. Zu einer Anklage kam es allerdings nie.

Nach Beginn der Proteste in Libyen war er aus München abgereist und hatte sich auch offiziell abgemeldet, war nach „Unbekannt/Libyen“ gezogen. Anfang März hieß es dann, Saif al-Arab Gaddafis Aufenthaltserlaubnis sei erloschen. Er hätte nur noch mit einem neuen Visum wieder nach Deutschland einreisen dürfen - dies würde ihm das Auswärtige Amt jedoch verwehren, erläuterte das bayerische Innenministerium.

Denn Mitglieder des Gaddafi-Clans waren nun unerwünscht. Ein Jahr zuvor sah es noch anders aus. Da soll er noch einen verbesserten Aufenthaltsstatus bekommen haben - weil sein Jahreseinkommen über 66.000 Euro lag.

Libyen: Nato-Luftschlag tötet Gaddafis jüngsten Sohn

Libyen

Nato-Luftschlag tötet Gaddafis jüngsten Sohn

Ein Luftschlag der Nato traf offenbar ein Haus der Familie von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Ein Sohn und drei Enkelkinder des Diktators sind nach libyschen Regierungsangaben tot. Gaddafi selbst entkam den Bomben.

Von

dpa

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