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07.04.2015

13:06 Uhr

Todesschüsse im Finanzamt

Steuerberater muss lebenslang in Haft

Vor sieben Monaten hat Steuerberater Olaf L. einen Finanzbeamten in Rendsburg erschossen. Jetzt verurteilte ihn ein Gericht zu lebenslanger Haftstrafe. Der 55-Jährige hatte sich von seinem Opfer schikaniert gefühlt.

Sieben Monaten nach den tödlichen Schüssen auf einen Finanzbeamten hat das Landgericht Kiel den Angeklagten Olaf L. zu lebenslanger Haft verurteilt. dpa

Der Angeklagte Olaf L. und sein Anwalt

Sieben Monaten nach den tödlichen Schüssen auf einen Finanzbeamten hat das Landgericht Kiel den Angeklagten Olaf L. zu lebenslanger Haft verurteilt.

KielSieben Monate nach den tödlichen Schüssen auf einen Finanzbeamten in Rendsburg ist ein Steuerberater zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Kieler Landgericht sprach den 55-Jährigen aus Fockbek (Schleswig-Holstein) am Dienstag wegen Mordes schuldig.

Nach sechs Verhandlungstagen sahen es die Richter als erwiesen an, dass der Mann am 1. September 2014 einen 57 Jahre alten Abteilungsleiter der Finanzbehörde mit mehreren Schüssen niedergestreckt hatte.

Tödliche Gewalt

Kunden greifen Mitarbeiter an

In deutschen Behörden gab es schon häufiger Vorfälle, bei denen wütende Kunden auf Mitarbeiter losgingen und diese schwer verletzten - in einigen Fällen wie jetzt im Finanzamt von Rendsburg in Schleswig-Holstein wurden Angestellte sogar getötet.

In diesem Fall war ein Selbstständiger so verzweifelt...

... dass er zur Attacke überging. Ein Steuerberater (55) erschießt im September 2014 im Finanzamt Rendsburg (Schleswig-Holstein) einen Beamten (57). Der Täter hatte die Behörde für seine finanzielle Misere verantwortlich gemacht.

Ein Rentner...

... erschießt im April 2013 den Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont (Niedersachsen). Tatort ist dessen Büro im Hamelner Kreishaus. Anschließend tötet sich der 74 Jahre alte Täter selbst. Er soll jahrelang Ärger mit der Justiz gehabt haben.

Mit einem Fleischermesser bewaffnet...

... stürmt ein 52 Jahre alter Mann im September 2012 in das Jobcenter im niederrheinischen Neuss und ersticht eine Mitarbeiterin. Der Vater von fünf Kindern hatte der Behörde illegalen Handel mit seinen persönlichen Daten unterstellt.

Die Randale in einem Jobcenter...

... in Frankfurt am Main im Mai 2011 war der Ausgangspunkt eines weiteren tödlichen Vorfalls: Eine 39-Jährige randalierte und verletzte einen Polizisten mit dem Messer. Dessen Kollegin schießt und trifft die Frau tödlich.

Mit 25 Stichen...

... in den Kopf tötet ein 46 Jahre alter Langzeitarbeitsloser im Februar 2001 den Direktor des Arbeitsamtes in Verden in Niedersachsen. Die Behörde hatte dem Täter zuvor die Unterstützung gestrichen.

Aus Rache und Hass...

...auf die Justiz erschießt ein 69-Jähriger im Mai 1998 einen 52 Jahre alten Amtsrichter in Essen. Er feuert viermal auf den Richter in dessen Dienstzimmer. Dann tötet er sich selbst.

Das Opfer starb wenig später im Krankenhaus. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die auf geplanten heimtückischen Mord plädiert hatte. Ein Gutachter erklärte den 55-Jährigen, der sich zur Urteilsverkündung aus seinem Rollstuhl erhob, für voll schuldfähig. Der Steuerberater fühlte sich seit Jahren vom Finanzamt schikaniert.

Zu Prozessbeginn hatte der 55-Jährige gestanden, auf den Beamten geschossen zu haben. Für die Tatzeit berief er sich aber auf einen Blackout. Der Mann wurde noch mit der Waffe in der Hand im Gebäude überwältigt. Seine Pistole will er nur aus Versehen zu einem Gespräch mit dem Beamten mitgenommen haben. Der Verteidiger hatte auf Totschlag plädiert und das Strafmaß ins Ermessen des Gerichts gestellt.


Von

dpa

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