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21.07.2012

04:55 Uhr

Tote bei „Batman“-Premiere

USA rätseln über Motive des Amoklaufs

12 Menschen tötete ein Amokläufer bei der Premiere des neuen „Batman“-Films in einer US-Stadt. Warum? Darüber schweigt sich der Verdächtige aus. Stück für Stück bringen Ermittler ans Licht, wie die Tat abgelaufen ist.

Improvisierte Gedenkstätte in der Nähe des Tatorts in Aurora, Colorado. AFP

Improvisierte Gedenkstätte in der Nähe des Tatorts in Aurora, Colorado.

Aurora/WashingtonNach dem Amoklauf von Aurora mit zwölf Toten sucht die Polizei weiter nach einem möglichen Motiv für die Bluttat. Der Verdächtige James H. verweigerte am Freitag die Aussage, wie aus Polizeikreisen verlautete. Das FBI und die örtliche Polizei versuchten indessen in die mit Sprengfallen gesicherte Wohnung des mutmaßlichen Attentäters zu gelangen.

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Berichte, wonach die Tat in Zusammenhang mit dem neuen "Batman"-Film stand, dessen Premiere H. in dem Städtchen Aurora im US-Staat Colorado stürmte, wollte die Polizei zunächst nicht bestätigen. In "The Dark Knight Rises", bei dessen Premiere der Verdächtige das Feuer eröffnete, stürmen ein Maskierter und seine Helfer in ein voll besetztes Football-Stadion, schießen um sich und zünden Sprengsätze.

Der Polizeichef von New York, Raymond Kelly, sagte, der Verdächtige habe seine Haare rot gefärbt und gesagt, er sei der "Joker", ein Bösewicht aus den "Batman"-Filmen und -Comicbüchern. "Das ist meines Wissens nach nicht wahr", sagte hingegen der örtliche Polizeichef Dan Oates, erklärte aber mit Kelly gesprochen zu haben.

Indessen versuchten die Behörden den genauen Ablauf der Tat zu rekonstruieren. Ein FBI-Beamter erklärte, H. habe sich gemeinsam mit den anderen Kinobesuchern eine reguläre Eintrittskarte gekauft. Als die Mitternachtspremiere angelaufen sei, habe er eine Ausgangstür geöffnet und sich offenbar außerhalb des Saales einen Helm, Schutzbekleidung sowie eine Gasmaske angezogen. Anschließend warf er Behördenangaben zufolge Gaskanister in den Raum und begann inmitten des Rauches, der sich dadurch entwickelte, mit einem halbautomatischen Maschinengewehr, einer Pistole und einer Schrotflinte wahllos auf die Besucher zu feuern.

Zwölf Menschen kamen bei einem der blutigsten Amokläufe in der jüngeren US-Geschichte ums Leben, 58 weitere wurden von Kugeln getroffen und verletzt. Nach Angaben der Polizei schweben noch elf der Verletzten in Lebensgefahr. Im US-Staat Colorado ereignete sich 1999 auch das Massaker von Columbine, bei dem zwei Schüler zwölf ihrer Klassenkameraden sowie einen Lehrer und anschließend sich selbst töteten.

Der mutmaßliche Täter von Aurora, außerhalb von Denver, wurde von der Polizei als 24-jähriger Student identifiziert, der bisher polizeilich nicht aufgefallen war. 2010 wurde er Bachelor für Neurowissenschaften. Nach Angeben eines Bekannten der Familie hat James H. anschließend noch ein Masterstudium angehängt, aber dennoch keinen Job gefunden. Der Bekannte, Tom Mai, beschrieb ihn als netten und schüchternen jungen Mann.

Angesichts der Bluttat stellten US-Präsident Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney ihren zuletzt immer härter geführten Wahlkampf zurück und sprachen den Familien der Opfer ihr Mitleid aus. Keiner der beiden äußerte sich aber zunächst zum Thema der Kontrolle von Waffenbesitz.

Der Schütze von Colorado habe die Waffen und Munition offensichtlich ganz legal erworben, sagte Auroras Polizeichef Dan Oates laut dem Sender CNN. Allein 6000 Schuss Munition habe er im Internet gekauft. Während der Tat habe er eine Faustfeuerwaffe, ein halbautomatisches Sturmgewehr und ein Schrotgewehr benutzt, berichteten US-Medien. Außerdem habe man in seinem Auto eine weitere Pistole gefunden.

Kopfzerbrechen bereitete den Ermittlern die mit Sprengsätzen präparierte Wohnung des Amokschützen. Sicherheitshalber wurden neben dem Wohnhaus des Täters auch vier umliegende Apartmenthäuser evakuiert. Die komplizierte Konstruktion aus Sprengstoff und entzündlichen chemischen Substanzen beschrieb Polizeichef Oates als etwas, „was wir noch nie gesehen haben“. „Es gibt eine Menge Drähte“, sagte er. Frühestens im Laufe des Samstags könnten Experten die Wohnung betreten. Auch der Einsatz von Spezialrobotern war im Gespräch.

Die USA-weit zweitgrößte Kinokette AMC teilte mit, dass die Sicherheitsvorkehrungen in ihren Häusern verstärkt würden und man eng mit den örtlichen Behörden zusammenarbeitete, damit sich die Kunden sicher fühlen könnten. Bis auf weiteres sei es in den AMC-Kinos nicht erlaubt, Gesichtsmasken zu tragen oder Spielzeugwaffen mitzubringen, hieß es mit Blick auf verkleidete Besucher - vor allem Fans von Comic-Verfilmungen staffieren sich gern wie ihre Leinwandhelden aus.

Kommentare (4)

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JSeliger

21.07.2012, 06:39 Uhr

Solange die Amerikaner die Freiheit des Individuums über die Freiheit der Gesellschaft stellen, ändert sich auch nichts an der vergleichsweise hohen Gewalt im Land. Zusätzlich zu den Amokläufen kommen ja noch die alltäglichen Strassenschiessereien mit den daraus resultierenden Mord- und Totschlagsfällen hinzu. Dass es neben den laschen Schusswaffengesetzen auch noch andere Gründe für die hohen Kriminalitätsraten in amerikanischen Städten gibt, scheint sicher zu sein. Im allgemeinen lebt es sich eben in einer stabilen Mittelschicht sicherer als im Wilden Westen. Als in den Staaten lebender und arbeitender Deutscher habe ich das aus meiner Sicht unlogische Freiheitsdenken der meisten Amerikaner noch nie verstanden. Eine Verfassung der Realität anzupassen ist sicherlich nicht kommunistisch oder unpatriotisch.

SlingShot

21.07.2012, 08:03 Uhr

Family Day in Alabama:
http://www.youtube.com/watch?v=KYzH9BBiinM

Moika

21.07.2012, 09:48 Uhr

Was soll der Quatsch mit dem Amoklauf? Amokläufe sind spontane und absolut nicht geplante Aktionen. Der Mann aber hatte sich auf sein Verbrechen bestens vorbereitet, da kann von Amok doch überhaupt nicht die Rede sein.

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