Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.09.2016

07:54 Uhr

Tote Gorch Fock-Kadettin

Den Eltern bleiben Fragen und Misstrauen

Für die Staatsanwaltschaft war der Tod der jungen „Gorch Fock“-Kadettin vor acht Jahren ein tragischer Unfall. Daran zweifeln ihre Eltern bis heute. Vor dem Oberverwaltungsgericht kassierten sie jetzt eine Niederlage.

Das Schulschiff der Marine unter Segeln. Nach dem Tod einer Kadettin vor acht Jahren befasste sich ein Gericht erneut mit einer Entschädigungsklage der Eltern. dpa

Gorch Fock

Das Schulschiff der Marine unter Segeln. Nach dem Tod einer Kadettin vor acht Jahren befasste sich ein Gericht erneut mit einer Entschädigungsklage der Eltern.

MünsterAm Ende eines rund zwölfstündigen Prozesstages am Oberverwaltungsgericht Münster stehen Ernüchterung und eine Kampfansage: Auch wenn sie nach dem am Mittwochabend ergangenen Urteil im Streit um eine Entschädigungszahlung leer ausgehen, wollen die Eltern der vor acht Jahren tödlich verunglückten „Gorch Fock“-Kadettin Jenny Böken nicht aufgeben.

Für sie ist es ein Kampf David gegen Goliath. Sie wollen weitermachen in diesem Ringen um Antworten auf die Frage, was genau geschah in dieser verhängnisvollen Septembernacht, als ihre Tochter über Bord des Segelschulschiffes der Bundeswehr ging und ertrank.

Elf Tage später wurde ihre Leiche aus der Nordsee geborgen. Seither zweifeln ihre Eltern daran, wovon die Staatsanwaltschaft überzeugt ist: Dass der Tod der jungen Frau aus dem nordrhein-westfälischen Geilenkirchen bei Aachen ein tragischer Unfall war.

Rechtsrock an Bord: Neuer Wirbel um Segelschulschiff „Gorch Fock“

Rechtsrock an Bord

Neuer Wirbel um Segelschulschiff „Gorch Fock“

Nach dem Unfalltod einer Kadettin im Jahr 2010 war es wieder ruhiger geworden um das Marine-Segelschulschiff „Gorch Fock“. Jetzt gibt es neuen Ärger: Crewmitglieder sollen an Bord Rechtsrock gehört haben.

Für Marlis und Uwe Böken tun sich noch immer zu viele Fragen auf: War Jenny gesund genug, um Wachdienst zu schieben? Tragen Dritte Schuld am Tod ihrer Tochter? Was wusste der Schiffsarzt über ihre von allen Zeugen bestätigte Neigung überall einzuschlafen?

Eltern sehen viele Ungereimtheiten

Die Bökens fühlen sich im Stich gelassen von der Justiz. Versuche den Schiffsarzt zur Verantwortung zu ziehen, scheiterten bislang. An die Verhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster am Mittwoch hatten sie sich daher wie an einen Strohhalm geklammert. Und zwar nicht, weil es um eine Entschädigungszahlung von 20.000 Euro ging. „Das ist mir ganz egal“, betonte Vater Uwe Böken.

Vielmehr hätten sie das Verfahren angestrebt, in der vagen Hoffnung, dass die geladenen Zeugen „die Mauer des Schweigens durchbrechen“ würden, wie ihr Anwalt Rainer Dietz es nannte. Zumindest hofften sie auf die Chance, die vielen Ungereimtheiten der Todesumstände offenzulegen, um die Staatsanwaltschaft doch noch zu Ermittlungen zu bringen.

Allzu hohe Erwartungen hatte der Vorsitzende Richter Hans-Jörg Holtbrügge zum Auftakt jedoch gedämpft: In dem Berufungsverfahren gehe es allein um die Entschädigungsklage der Eltern nach dem Soldatenversorgungsgesetz. Es sieht Zahlungen an Hinterbliebene vor, wenn ein Soldat in einem besonders lebensgefährlichen Dienst ums Leben kommt – aber eben nur dann.

Die besondere Lebensgefahr konnten die Richter auch nach acht Zeugenaussagen und vielen Nachfragen aber nicht erkennen. Das Schiff habe ruhig und stabil im Wasser gelegen. Das Wetter habe keine besondere Sicherung notwendig werden lassen. Auch Jennys Gesundheitszustand habe nicht gegen die Borddienstfähigkeit gesprochen. Die Klage werde abgewiesen, eine Revision nicht zugelassen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×