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13.05.2016

19:54 Uhr

Tote „Gorch Fock“-Kadettin

Fall wird nach acht Jahren neu aufgerollt

Knapp acht Jahre danach ist der Tod der „Gorch-Fock“-Kadettin Jenny Böken immer noch ungeklärt. Zum ersten Mal sollen der damalige Kapitän und der Schiffsarzt jetzt öffentlich vor einem Gericht aussagen.

Der Fall um den Tod einer 2008 über Bord gegangenen Kadettin wird neu aufgerollt. dpa

Schulschiff „Gorch Fock“

Der Fall um den Tod einer 2008 über Bord gegangenen Kadettin wird neu aufgerollt.

MünsterDer Tod der 2008 auf der „Gorch Fock“ über Bord gegangenen Kadettin Jenny Böken wird erneut gerichtlich untersucht. Nachdem die Eltern der jungen Frau mit einer Entschädigungsklage gegen die Bundesrepublik Deutschland gescheitert waren, will das Oberverwaltungsgericht in Münster den mysteriösen Fall von Mitte September an ein weiteres Mal verhandeln. Das bestätigte ein Sprecher des Gerichts am Freitag. Die Eltern Marlis und Uwe Böken erhoffen sich Aussagen zur Klärung der Todesumstände.

Unter anderem sollen erstmals der damalige Kapitän sowie der Schiffsarzt öffentlich aussagen. Der Anwalt der Eltern, Rainer Dietz, bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung. Damit sollten zum ersten Mal in einem öffentlichen Verfahren zentrale Zeugen zum Geschehen an Bord der „Gorch Fock“, den Wetterbedingungen und zum Gesundheitszustand von Jenny Böken aussagen, sagte Dietz.

Marlis und Uwe Böken sehen Hinweise dafür, dass ihre Tochter ständig schläfrig und gar nicht diensttauglich war. Außerdem hätte sie wegen der Wetterbedingungen mit 15 Grad Wassertemperatur und Windstärke zwischen sechs und sieben nur gesichert ganz vorne an dem Posten „Ausguck“ Dienst tun dürfen.

Jennys Mutter Marlis Böken sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Es ist uns einfach wichtig, wenn wir die Möglichkeit haben, durch verschiedene Aussagen doch irgendwann einmal herauszubekommen, was in dieser Nacht eigentlich geschehen ist.“ Ihnen gehe es um Aufklärung, nicht um Geld.

Das Aachener Verwaltungsgericht hatte die Klage der Eltern auf 40.000 Euro Entschädigung nach dem Soldatenversorgungsgesetz im Oktober 2014 zurückgewiesen. Nach diesem Gesetz steht den Eltern eines Soldaten eine Entschädigung zu, wenn dieser bei der Dienstausübung unter besonderer Lebensgefahr stirbt. Der nächtliche Wachdienst von Offiziersanwärtern auf der Gorch Fock auf dem Posten „Ausguck“ ohne Sicherung sei bei entsprechender Wetterlage zwar lebensgefährlich. Er sei aber nicht mit einer besonderen Lebensgefahr verbunden, hatte das Verwaltungsgericht festgestellt. Die Eltern gingen in Berufung.

Jenny Böken aus Geilenkirchen war 2008 während ihrer Nachtwache von dem Segelschulschiff über Bord gegangen. Die Kieler Staatsanwaltschaft sprach von einem tragischen Unglück. Die Todesumstände sind aber bisher nicht geklärt.

Von

dpa

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