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02.08.2013

10:39 Uhr

Tourismus

Paris – Stadt der Diebe statt Stadt der Liebe?

Sie beherrschen das Einmaleins der Taschendiebe im Schlaf. Der Bittschrift-Trick oder die Ring-Abzocke? Die meist jugendlichen Taschendiebe von Paris kennen sich aus. Als Opfer bevorzugen sie Touristen.

Touristen und gebürtige Pariser nehmen ein Sonnenbad nahe des Eiffelturms in Pairs. Die Entspannung könnten junge Taschendiebe nutzen: Sie werden immer dreister. AFP

Touristen und gebürtige Pariser nehmen ein Sonnenbad nahe des Eiffelturms in Pairs. Die Entspannung könnten junge Taschendiebe nutzen: Sie werden immer dreister.

PairsEin heißer Hochsommertag vor der Pariser Oper: Eine Gruppe von fünf osteuropäischen Mädchen stürzt sich auf nichtsahnende Touristen: „Bitte unterschreiben“, betteln sie in gebrochenem Englisch und wedeln mit fotokopierten Blättern – eine Petition für taubstumme Straßenkinder und Waisen.

Bestenfalls Abzockerei, schlimmstenfalls ein Ablenkungsmanöver, meint Polizeihauptmann Renaud Gauthier vom 9. Pariser Bezirk. Ein Komplize klaut die Brieftasche, während das Opfer mit den Bittstellerinnen beschäftigt ist.

Es ist nur eine von vielen Maschen, mit denen die Banden Touristen – vor allem einkaufsfreudige Besucher aus China – aufs Korn nehmen, sagt Gauthier. „Da drüben, das Mädchen, sie versucht den Ring-Trick.“ Er zeigt auf eine junge Frau, die Touristen einen Ring aufdrängen will: Behauptet, ihn am Boden gefunden zu haben und fordert Finderlohn.

Auf der anderen Straßenseite versuchen zwei hochgewachsene Jugendliche, Menschen am Geldautomaten abzulenken. Einer drückt dann die Taste „Maximalbetrag“ und ist mit den Banknoten auf und davon.

Gauthier kennt die Verdächtigen. Viele kommen jeden Tag aus Lagern am Stadtrand. Die 16-jährige Marie aus Rumänien ist eine von ihnen. Sie ist schwanger, sieht viel älter aus. Sie lebt in einem Wohnwagen in der tristen Hochhaus-Vorstadt Courneuve. Die Petitionen bringen „mal hier, mal da 10 oder 15 Euros“, wie sie sagt. Genug für Essen. Wie viel noch mit Diebstählen reinkommt, bleibt unklar.

Etwa 200.000 bis 300.000 Touristen sind jeden Tag in Paris unterwegs. Jahrzehntelang hörte man die Warnungen vor Taschendieben vor allem in der Métro. Die Diebe werden aber immer dreister: Im April streikte das Personal des weltberühmten Louvre-Museums für einen Tag. Sie protestierten gegen die aggressiven Banden minderjähriger Taschendiebe, die die Heimstätte der Mona Lisa unsicher machen. Durch verbesserte Sicherheitsmaßnahmen ist seitdem die Zahl der Diebstähle stark gesunken.

Kommentare (2)

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02.08.2013, 10:57 Uhr

Das Klauen ist wohl überalle ein Problem, auch in Deutschland. Es müsste wohl mehr Polizisten aber auch mehr Jobs geben.
Wer Arbeit hat, muß nicht klauen gehen.
Ja, und dann trifft es hier halt die Bürger, das ist im Einzelfall nicht so schlimm.
Wenn ein Aufsichtsratschef Millionen verbrennt, oder ein Hoeneß dem Staat Millionen klaut wird das als nicht so schlimm empfunden.
Doch wie will man Taschendiebe bestrafen, wenn man die großen Verbrecher, die Millionen veruntreuen laufen läßt?

kraehendienst

02.08.2013, 11:48 Uhr

Solchen Leuten, die mich bedrängen dann noch in einem Gewühle sollte man alle Abwehrreaktionen körperlicher Natur und möglichst spontan zu Teil werden lassen. Wer heute in Weltstädte wie Paris oder London oder woanders hin fliegen "muss" der muss damit rechnen. In Barcelona auf der La Rambla gehört das ja zum guten Ton, das bestehlen. In Neapel zieht die Vespa an einem vorbei und ggf die knallrote Handtasche im Flug mit. Selbst Schuld, wer sich so in Szene setzen muss. Es fehlt auf jeden Fall die zweitteuerste Armbanduhr für 550.000 sFr und ein Cabrio welcher Gattung immer, damit das Bild komplett passt-psst....Das kommt halt davon, wenn man eine historische Kolonialmacht ist.

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