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05.02.2015

12:53 Uhr

Transasia-Absturzes und seine Überlebenden

„Ich bin von einem kleinen Flugzeug getroffen worden“

Die Bilder gingen am Mittwoch um die Welt: Transasia-Flug GE235 stürzt mitten in Taipeh ab. Der Flügel der Maschine durchbricht die Fahrbahn und streift dabei ein Taxi. Geschichten der Überlebenden.

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Amateurvideo zeigt Absturz der Transasia-Maschine

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TaipehKrachend schlägt der Flügel des Flugzeugs auf der Fahrbahn auf, das Metall reißt über den Teer der Autobahnbrücke in Taiwans Hauptstadt Taipeh und erfasst ein Taxi. Dann endet Unglückflug GE235 in einem Fluss. Wie durch ein Wunder haben Taxifahrer Chou Hsi-tung und seine 26 Jahre alte Passagierin den Crash mit dem Flugzeug mit wenigen Schrammen am Mittwoch überlebt.

Die Windschutzscheibe des gelben Volkswagens ist zertrümmert, das Dach des Autos eingedrückt. Trotzdem meldet sich der 53-Jahre alte Chou pflichtbewusst sofort bei seiner Taxizentrale.

„Ich bin von einem kleinen Flugzeug getroffen worden“, sagt der schockierte Chou - das geht aus einem Mitschnitt hervor, den das Taxiunternehmen am Donnerstag veröffentlicht hat. „War das so ein ferngesteuertes Flugzeug?“, fragt der Mitarbeiter aus der Zentrale verwundert zurück. „Nein, ein richtiges kleineres Flugzeug. Jetzt ist es im Fluss“, sagt Chou.

Am Tag nach dem schlimmsten Flugunglück in Taiwan seit Jahren feiert das Land die Überlebenden. Viele Menschen sind noch von den dramatischen Videos des Absturzes schockiert. Daher wird jeder Mensch bejubelt, der den Crash überlebt hat.

Flugzeugtragödien asiatischer Airlines

4. Februar 2015: Transasia Airways GE235

Eine von der Fluggesellschaft Transasia Airways betriebene Turboprop-Maschine vom Typ ATR 72-600 neigt sich in der Luft zur Seite, trifft eine Hochstraße und ein Taxi und stürzt in einen Fluss. An Bord befinden sich 58 Menschen, mindestens 19 kommen ums Leben. Das Flugzeug verunglückt kurz nach dem Start vom Taipeher Sungshan-Flughafen auf dem Weg zur Inselgruppe Kinmen. Die meisten Passagiere stammen vom chinesischen Festland.

28. Dezember 2014: Air Asia QZ8501

Ein Flugzeug der Billigfluggesellschaft Air Asia stürzt auf dem Weg von der indonesischen Stadt Surabaya nach Singapur in die Javasee. An Bord befinden sich 162 Menschen, von denen bis Anfang Februar 90 geborgen werden.

Der Kontakt zu dem Airbus A320-200 mit mehrheitlich indonesischen Passagieren an Bord war rund 42 Minuten nach dem Start abgebrochen. Der Pilot hatte sich zuvor um Erlaubnis bemüht, in größere Flughöhe aufzusteigen. Ermittler sagen, die Maschine sei in einen gefährlich schnellen Aufstieg gegangen, was zu einem Strömungsabriss (englisch: Stall) geführt haben könnte, der zum Absturz führte. Sie untersuchen, ob Turbulenzen oder Aufwind zu dem drastischen Aufstieg beigetragen haben.

23. Juli 2014: Transasia Airways GE222

Eine Turboprop-Maschine der Transasia Airways stürzt in Häuser auf der Insel Penghu, westlich der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh, als sie einen zweiten Landeversuch unternimmt. Vier Besatzungsmitglieder und 44 Passagiere an Bord der ATR 72-500 kommen ums Leben. Zehn Passagiere überleben das Unglück. Zum Zeitpunkt des Absturzes herrschen starker Regen und schlechte Sichtverhältnisse.

17. Juli 2014: Malaysia Airlines MH17

Eine Boeing 777 der Fluggesellschaft Malaysia Airlines wird über einer von prorussischen Separatisten gehaltenen Gegend in der Ostukraine abgeschossen. Alle 298 Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord kommen ums Leben, die meisten davon niederländische Staatsbürger.

Die Maschine war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Nach Angaben niederländischer Ermittler wurde das Flugzeug wahrscheinlich von mehreren „mit hoher Energie betriebenen Objekten“ getroffen. Wie die niederländische Polizei sagt, wurde die Passagiermaschine wahrscheinlich von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen. Die prorussischen Rebellen in der Ostukraine bestreiten eine Verwicklung in den Absturz.

8. März 2014: Malaysia Airlines MH370

Das Verschwinden von Flug MH370 gehört zu den größten Rätseln der modernen Luftfahrt. Es wird davon ausgegangen, dass die Boeing 777 auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking vor der Küste von Westaustralien in den Indischen Ozean stürzte. An Bord befinden sich 239 Menschen. Bis heute sind bei der Suche im Meer keine konkreten Hinweise auf den Verbleib der Maschine gefunden worden.

Die Behörden haben einen Terrorakt als Ursache für den Absturz zwar ausgeschlossen, doch bleiben Verschwörungstheorien weiter bestehen. Malaysia Airlines hat inzwischen offiziell erklärt, dass MH370 abgestürzt sei und vom Tod aller Passagiere ausgegangen werde. Dadurch können Angehörige der Opfer Entschädigungen beantragen.

Unter ihnen ist Lin Ming-wei. Mit seiner Frau und seinem zwei Jahre alten Kind wollte er in Urlaub fahren. Beim Check-in stört ihn aber der Sitzplatz. Daher veranlasst er, dass er und seine Familie von Plätzen in Reihe 17 auf der einen Seite des Flugzeugs auf die andere Seite wechseln können, wie sein Bruder Lin Ming-yi am Donnerstag Reportern erzählt. Die Entscheidung rettet der jungen Familie möglicherweise das Leben.

Denn als das Flugzeug nach dem Touchieren der Brücke in den Fluss stürzt, reißt der Kumpf der Maschine genau an der Stelle auf, an der Lin Ming-wei mit seiner Familie saß. Als der Vater realisiert, was passiert ist, klettert er aus dem Flugzeug. Und findet seine Frau und seinen Sohn.

Lin Ming-wei ist der einzige Überlebende, der nur kurz im Krankenhaus behandelt werden muss, wie die taiwanesische Nachrichtenagentur CNA berichtet. Danach macht er sich auf den Weg zu der Klinik, in der sein Sohn und seine Frau behandelt werden. Der Zweijährige war zwischenzeitig auf der Intensivstation, aber sein Zustand hat sich verbessert, wie das Krankenhaus mitteilt. Seine Frau musste operiert werden, aber auch ihr Zustand ist stabil.

Transasia-Katastrophe

Verzweifelte Suche nach Verletzten wird fortgesetzt

Transasia-Katastrophe: Verzweifelte Suche nach Verletzten wird fortgesetzt

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Von

dpa

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