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27.08.2016

15:57 Uhr

Trauer um Erdbebenopfer

Italiens Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Pfusch am Bau

Mindestens 290 Tote hat das Erdbeben von Italien bislang gekostet, ganze Ortschaften wurden dem Erdboden gleichgemacht. Während das Land trauert, tritt die Staatsanwaltschaft in Aktion – wegen möglichen Pfuschs am Bau.

Erdbeben-Katastrophe

Tag der Trauer in Italien

Erdbeben-Katastrophe: Tag der Trauer in Italien

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RomNach dem katastrophalen Erdbeben in Italien hat die Staatsanwaltschaft in den verwüsteten Regionen Ermittlungen eingeleitet. In der Provinz Rieti soll etwa untersucht werden, ob gegen Bauvorschriften verstoßen wurde. „Was da passiert ist, kann nicht nur als Unglück gesehen werden“, zitierte die Tageszeitung „La Repubblica“ am Samstag Staatsanwalt Giuseppe Saieva. Bei einigen der zerstörten Häuser sei „mit mehr Sand als Zement“ gebaut worden.

Vor allem der Einsturz einer erst kürzlich renovierten Grundschule in Amatrice hatte Aufsehen erregt. Bisher seien aber keine Verdächtigen identifiziert worden. Allein in Amatrice kamen nach vorläufigen Zahlen mehr als 230 Menschen ums Leben.

Auch die Staatsanwaltschaft in der Provinz Ascoli Piceno hat Ermittlungen nach dem Erdbeben eingeleitet, dem in Arquata und Pescara del Tronto Dutzende Menschen zum Opfer gefallen sind. Untersucht werden soll unter anderem, wer für den Bau, Wiederaufbau oder die Erdbebensicherung der Wohngebäude zuständig war, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete. Ein Teil des betroffenen Gebiets war bereits 1997 bei einem Beben in Mitleidenschaft gezogen worden.

Der Bürgermeister von Arquata del Tronto wies Fehler beim Wiederaufbau nach dem Unglück von 1997 zurück. „Ich habe 13 Dörfer, von denen drei dem Erdboden gleichgemacht wurden. Aber die nach dem Erdbeben von 1997 wieder aufgebauten Teile sind nicht betroffen“, sagte Leandro Petrucci der Ansa. „Die nach dem Erdbeben vor 19 Jahren wieder aufgebauten Häuser haben gehalten, auch wenn sie beschädigt sind.“

Drei Tage nach dem schweren Erdbeben hat Italien unterdessen mit einem Staatsbegräbnis Abschied von den Opfern genommen. An der zentralen Trauerfeier am Samstag in der Stadt Ascoli Piceno nahmen auch Staatspräsident Sergio Mattarella und Regierungschef Matteo Renzi teil. Vor ihnen standen aufgereiht 35 mit Blumen geschmückte Särge, daneben weinende Angehörige.

Nationaler Trauertag am Samstag: Erdbebenopfer bekommen ein Staatsbegräbnis

Nationaler Trauertag am Samstag

Erdbebenopfer bekommen ein Staatsbegräbnis

Die Opfer der Erdbebenkatastrophe in Italien bekommen ein Staatsbegräbnis. Zu der Trauerfeier an diesem Samstag in Ascoli Piceno kommen auch Staatspräsident Sergio Mattarella und Regierungschef Matteo Renzi.

In ganz Italien wurden zum Tag der nationalen Trauer die Flaggen auf halbmast gesetzt. Der Sender RAI verzichtete auf allen seinen Kanälen aus Respekt vor den Opfern auf Werbung. Über eine Solidaritäts-SMS wurden bereits mehr als 6,1 Millionen Euro gesammelt.

„Habt keine Angst, euer Leid hinauszurufen, aber verliert auch nicht euren Mut“, sagte Bischof Giovanni D'Ercole beim Staatsakt in einer großen Sporthalle. „Zusammen werden wir unsere Häuser und Kirchen wieder aufbauen.“

„Unsere Türme mit den Glocken, die uns den Rhythmus der Tage und der Jahreszeiten vorgegeben haben, sind eingestürzt. Sie läuten nicht mehr“, betonte der Bischof in seiner Predigt. „Aber da gibt es etwas, das uns sagt, dass unsere Glocken wieder erschallen werden.“

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