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25.08.2013

20:38 Uhr

Trauerfeier nach Bluttat

Familie des Dossenheimer Amokläufers bittet um Verzeihung

Auf der Trauerfeier für die Opfer des Dossenheimer Amoklaufs hat sich die Familie des Täters für die Bluttat entschuldigt. In einem Schreiben ließen die Angehörigen mitteilen, sie seien „zutiefst traurig und betroffen“.

Hunderte Menschen kamen zu der Trauerfeier für die Opfer des Dossenheimer Amoklaufs. dpa

Hunderte Menschen kamen zu der Trauerfeier für die Opfer des Dossenheimer Amoklaufs.

DossenheimFünf Tage nach dem Amoklauf im nordbadischen Dossenheim sind am Sonntagabend Hunderte Menschen zu einer Trauerfeier für die Opfer und Verletzten gekommen. Um möglichst vielen Trauernden Platz zu geben, hatte die Gemeinde im Vorraum und in den Seitenschiffen der Kirche in Dossenheim zusätzliche Stühle aufgebaut. Der ökumenische Gottesdienst stand unter dem Motto „Zeit zum Klagen, Schweigen, Trauern“. Ein 71 Jahre alter Sportschütze hatte am Dienstag in einer Vereinsgaststätte bei einer Versammlung von Wohnungseigentümern zwei Menschen getötet und fünf schwer verletzt. Am Ende erschoss er sich selbst.

Die Familie des Täters bat um Verzeihung. „Wir können uns nur aus tiefstem Herzen für das Leid entschuldigen“, heißt es in einer schriftlichen Erklärung aller Familienmitglieder. Ein Seelsorger der Feuerwehr hatte die Botschaft in ihrem Auftrag am Sonntagabend bei einem Trauergottesdienst vorgetragen. Darin teilen die Angehörigen mit, sie seien „zutiefst traurig und betroffen“ von der Tat.

Bluttaten mit Sportwaffen in Deutschland

Juli 2013

Ein Nachbarschaftsstreit in Wellendingen (Baden-Württemberg) endet tödlich. Ein 38 Jahre alter Sportschütze holt nach einem Wortgefecht seine Pistole und feuert mehrfach auf den Nachbarn.

Januar 2013

Drei Menschen sterben bei einem Familiendrama im Westerwald (Rheinland-Pfalz). Ein 45-jähriges Mitglied eines Schützenvereins erschießt seine Freundin, deren Großmutter und sich selbst.

Juni 2012

Ein 62 Jahre alter Sportschütze in Bad Dürrheim (Baden-Württemberg) feuert auf den 30-jährigen Sohn seiner Lebensgefährtin und verletzt ihn schwer. Bei seiner Festnahme schießt der schwer bewaffnete Mann zudem mehrfach auf einen Polizeihund.

Januar 2012

Ein 70-jähriger Sportschütze erschießt in Rostock erst seine Frau und dann sich selbst. Die Frau wollte sich von ihm trennen. Der Rentner besaß wegen seines Hobbys mehrere Waffen.

April 2011

Auf den Auszug seiner Freundin reagiert ein Sportschütze in Hamburg mit einem Blutbad. Der 36-Jährige tötet den Bruder der Frau und sich selbst. Eine Freundin und ein Mann, der zu Hilfe eilte, werden durch Schüsse lebensgefährlich verletzt.

September 2010

Eine 41-jährige Sportschützin erschießt in einem Krankenhaus im südbadischen Lörrach ihren Mann, den fünfjährigen Sohn und einen Pfleger. Die Frau hatte offenbar die Trennung von Mann und Kind nicht verkraftet. 2004 hatte sie in der Klinik, die zum Tatort wurde, eine Fehlgeburt erlitten.

September 2009

Tödliches Erbschaftsdrama im Landshuter Landgericht: Ein 60-Jähriger Mann erschießt am Rand eines Prozesses um einen Nachlassstreit seine Schwägerin und nimmt sich danach das Leben. Bei der Schießerei auf dem Flur des Gerichts werden zwei weitere Menschen verletzt. Der Mann hatte als Sportschütze mehrere Waffen.

März 2009

In seiner früheren Realschule in Winnenden bei Stuttgart und auf der anschließenden Flucht erschießt ein 17-Jähriger 15 Menschen und sich selbst. Die Waffe hatte er seinem Vater, einem Sportschützen, entwendet.

April 2002

Mit Pistole und Pumpgun tötet ein ehemaliger Schüler eines Erfurter Gymnasiums 16 Menschen und sich selbst. Die meisten Opfer sind Lehrer. Das 19 Jahre alte Mitglied eines Schützenvereins war der Schule verwiesen worden.

Die Angehörigen des Täters betonten in ihrer Erklärung, auch sie selbst sähen sich als Opfer. Sie wohnen nach eigenen Angaben seit mehr als 30 Jahren in Dossenheim. Es sei ihnen daher eine „Herzensangelegenheit“ dort auch weiter leben zu können.

Während der Trauerfeier wurden mehrere Kerzen angezündet – eine davon explizit auch für den Täter und seine Hinterbliebenen. „Wir werden sie nicht alleine lassen“, betonte der evangelische Pfarrer. Zugleich betonte er, die Gemeinde sei „aufgewühlt, traurig, erschrocken, voller Fragen“.

Die Bluttat in dem 12 000-Einwohner-Ort bei Heidelberg hatte bundesweit nicht nur für Bestürzung gesorgt, sondern auch eine Debatte über schärfere Waffengesetze ausgelöst. Nach Angaben der Heidelberger Staatsanwaltschaft hatte der Sportschütze aus Wut gehandelt: Er fühlte sich bei den Nebenkosten von den Miteigentümern der Hausgemeinschaft betrogen.

Von

dpa

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