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13.11.2011

09:51 Uhr

Trend in Japan

Wenn Ohrenputzen erotische Züge trägt

Japan ist bekannt für ungewöhnliche Vorlieben. Allein der Brauch des Ohrenputzens scheint Europäern fremd, die Verbindung mit erotischen Gefühlen erst recht. Das Geschäft boomt, auch wegen kontrastierender Unschuld.

Ohrreinigung im Kimono: Erotisch, aber ohne sexuelle Dienstleistung. dpa

Ohrreinigung im Kimono: Erotisch, aber ohne sexuelle Dienstleistung.

TokioWenn Takahisa Kobayashi seinen Kopf in den Schoß der attraktiven Ohrenputzerin bettet, denkt er an seine Mutter. Er liegt auf einer Matte aus Reisstroh und schaut in die sorgfältig geschminkten Augen der 24-jährigen Amane, während sich ihr Kimono an sein Gesicht schmiegt. Der traditionell eingerichtete Alkoven lässt die grellen Neonlichter der Straßen von Tokio vergessen. Die 24-Jährige spricht mit sanfter Stimme, während sie mit einem scharfen Bambusstock das Ohrenschmalz herauskratzt. Die zwischen Unschuld und Erotik rangierenden Ohrenstudios boomen in Japan.

„Ich komme hierher, um abzuschalten“, sagt der 30-jährige Kobayashi, der eine Beratungsfirma leitet. „Die meisten Japaner verbinden das Ohrenputzen mit ihrer Kindheit.“ Schließlich erinnere ihn die Zeremonie an seine Mutter, die ihn auf ihren Schoß setzte, um liebevoll seine Gehörgänge vom Schmalz zu befreien. „Gelegentlich putzt meine Frau meine Ohren, aber das ist ohne den traditionell japanisch eingerichteten Raum und die Tatami-Matte nicht dasselbe.“ Kobayashi ist einer von bis zu 150 Kunden - mehrheitlich Männer - die täglich in den Ohrenreinigungssalon Yamamoto Mimikakiten im quirligen Akihabara-Viertel kommen. Für eine halbe Stunde zahlen die Kunden umgerechnet 25 Euro. 16 Zimmer hat der Salon, einer von elf Filialen einer Kette. Oft sind alle belegt.

Amane begrüßt ihre Gäste im Sommer-Kimono mit einer Tasse grünem Tee. Sanft legt sie den Kopf der Kunden auf ihren Schoß und sucht die richtigen Stäbchen aus Metall oder Bambus. „Die Kunden sagen, es wirkt heilend und tröstlich, manche schlafen sogar fest ein während der Sitzung“, sagt sie. Die 24-Jährige, die auch als Masseurin arbeitet, kam ursprünglich als Kundin zu dem Salon. Damit gehört sie zu einer Minderheit von nur fünf Prozent, wie Salonmanager Satoru Takahashi angibt.

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