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01.01.2006

13:00 Uhr

Triumphe und Tragödien

2005 hat die Republik verändert

Am Ende des Jahres 2005 war nichts mehr so, wie es am Anfang war. Für Philosophen ist das nichts ungewöhnliches, sie definieren Zeit als Form des Entstehens, Werdens, Fließens und Vergehens.

Gerhard Schröder ist nicht mehr Bundeskanzler. Wer hätte das Anfang 2005 gedacht? Foto: dpa

Gerhard Schröder ist nicht mehr Bundeskanzler. Wer hätte das Anfang 2005 gedacht? Foto: dpa

HB BERLIN. Vergangen ist Rot-Grün. Die Regierungskoalition hatte sich immer als Reformbündnis begriffen. Vergangen ist auch Gerhard Schröder (SPD) als Bundeskanzler. Niemand konnte sich am 1. Januar vorstellen, dass die CDU - Vorsitzende Angela Merkel in diesem Jahr als Bundeskanzlerin die Neujahrsansprache halten wird. 2005 hat Deutschland politisch komplett verändert - die einen feierten Triumphe, andere litten unter Niederlagen und Tragödien.

Die Zeit des Vergehens begann für Schröder, den SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering und Rot-Grün nicht erst bei der verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 22. Mai. Der Untergang des so genannten Reformbündnisses nahm seinen Anfang im hohen Norden der Republik: Am 17. März scheiterte Heide Simonis (SPD) bei der Wiederwahl zur Ministerpräsidentin auch im 4. Wahlgang. Statt Rot- Grün regiert in Schleswig-Holstein nun eine große Koalition - ein Menetekel für Berlin.

Später hieß es in der SPD-Führung, dass die Wahlschlappe in NRW wohl verschmerzt worden wäre, wenn die Sozialdemokraten nicht zuvor in Kiel verloren hätten. Der Anfang vom definitiven Ende von Rot-Grün wurde nach der Neuwahl-Ankündigung und der von Schröder bewusst herbei geführten Niederlage bei der Vertrauensabstimmung im Bundestag besiegelt.

Die SPD dümpelte im Umfragetief und die Union schwebte auf Wolke sieben. Vorübergehend wurde gar von einer absoluten Mehrheit bei der vorgezogenen Wahl am 18. September geträumt. Auf jeden Fall bereiteten sich Union und FDP auf die Regierungsübernahme vor. Doch alles kam ganz anders, die Topographie der politischen Landschaft wurde mit der Wahl total verändert. Die Union fuhr eines ihrer schlechtesten Ergebnisse ein, und auch die SPD konnte mit ihrem bisherigen Partner nicht weiter machen. Koalitionsbemühungen von Union und SPD mit den kleineren Parteien scheiterten schon im Anfangsstadium.

Als sich SPD-Kanzler Helmut Schmidt nach partei-internen Querelen 1982 verabschiedete, rückten bei der darauf folgenden Wahl die Grünen erstmals als neue Kraft in den Bundestag. Schröders Niederlage bei der Wahl 2005 und das unerwartet schlechte Abschneiden der Union schufen Platz für eine neue Linke mit altbekannten Gesichtern und Argumenten. Deutschland wird zum zweiten Mal von einer großen Koalition regiert, einem Bündnis der Wahl-Verlierer. Die Wahlgewinner - FDP und das Linksbündnis - bilden zusammen mit den Grünen die Opposition.

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