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31.03.2014

12:56 Uhr

Trotz Beurlaubung

Neuer 5er-BMW für Tebartz-van Elst bestellt

VonDésirée Linde

Ein BMW mit Sonderausstattung: Bereits in der päpstlich verordneten Auszeit für Bischof Tebartz-van Elst ist für das Bistum Limburg ein Dienstwagen bestellt worden. Jetzt ist klar, wer den Auftrag unterschrieben hat.

Dienstwagen für den Bischof: der neue BMW 5er (Gran Turismo/Luxury Line). obs

Dienstwagen für den Bischof: der neue BMW 5er (Gran Turismo/Luxury Line).

Limburg/DüsseldorfDas Bistum Limburg kommt nicht zur Ruhe. Selbst nach dem Rücktritt des Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst in Folge des Prüfungsberichtes zu den explodierten Baukosten ist bekannt geworden, dass für das Bistum ein neuer Dienstwagen bestellt wurde: ein 5er-BMW mit exklusiver Ausstattung, ausgeliefert voraussichtlich im Mai. Allein das Modell mit Grundausstattung kostet 40.000 Euro.

Der Wagen wurde im Januar 2014 bestellt. Damals war Tebartz-van Elst bereits vom Papst seit Oktober beurlaubt gewesen. Weder der damalige Generalvikar Wolfgang Rösch, der an Tebartz-van Elsts Stelle das Bistum leitete, noch die Finanzverwaltung hätten von diesem Vorgang gewusst, sagte Bistumssprecher Stephan Schnelle. Erst durch eine Anfrage des Kölner Stadtanzeigers hätten Rösch und der neu eingesetzte apostolische Administrator Manfred Grothe davon erfahren.

Die Vorwürfe gegen Bischof Tebartz-van Elst

Amtsführung

Mehrere Priester warfen dem Bischof bereits 2010 einen autoritären Kurs vor. In ihrem Schreiben soll von „klerikalem Dünkel“, vom „Abtauchen der Kirchenleute“ und von „selbstverliebten Ritualen“ die Rede gewesen sein. Auch Ende August 2013 wendeten sich Gläubige gegen den Führungsstil von Tebartz-van Elst: Frankfurter Katholiken sprachen in einem offenen Protestbrief von einer Vertrauenskrise.

Bischofsresidenz

Unter enormen Druck geriet der Bischof wegen seines millionenteuren Amtssitzes. Im Dezember 2010 waren die Um- und Neubaukosten noch offiziell mit 5,5 Millionen Euro beziffert worden. Mittlerweile geht es um eine Summe von mindestens 31 Millionen Euro - und der Geistliche wird wegen angeblicher Prunksucht angeprangert. Eine von der Deutschen Bischofskonferenz berufene Kommission begann im Oktober 2013 mit der Untersuchung der Kostenexplosion und legte den Bericht Anfang März im Vatikan vor.

Strafantrag

Auch die Justiz ermittelte gegen den Bischof. Die Hamburger Staatsanwaltschaft beantragte einen Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst. Vorwurf: Der Bischof gab im Zusammenhang mit einem Erste-Klasse-Flug nach Indien eine falsche eidesstattliche Erklärung ab. Das Verfahren wurde gegen Zahlung von 20 000 Euro eingestellt. Laut Staatsanwaltschaft räumte der Kirchenmann die falschen Angaben ein. Die Limburger Ermittlungsbehörde prüft seit Monaten, ob sie ein Verfahren wegen Untreue gegen ihn einleitet.

Reaktion des Bischofs

Es gibt nicht viele Äußerungen von Tebartz-van Elst. Die erste Woge des offenen Protestes im August 2013 versuchte er mit einem Brief zu glätten, in dem er um Vertrauen bittet und Fehler einräumt. „Rückblickend gibt es Dinge, die ich anders angehen würde“, erklärte er. Zu den Verschwendungsvorwürfen sagte er später: „Wer mich kennt, weiß, dass ich keinen pompösen Lebensstil brauche.“ Man solle nicht den Stab über ihn brechen.

Der Bestellung liegt ein Leasingvertrag zugrunde, der in jährlichem Turnus zu erneuern war. „Unterschrieben hat ihn ein Mitarbeiter“, sagt Schnelle gegenüber Handelsblatt Online. Ob Tebartz-van Elst den Mitarbeiter anwies, den Vertrag zu erneuern oder dieser das aus eigenen Erwägungen tat, ist noch nicht geklärt.

Der Vertrag sei direkt vom Bischöflichen Stuhl abgeschlossen worden, unterzeichnet von dem Mitarbeiter unter dem Vermerk „Im Auftrag des Bischofs“. Eine Einweisung dazu dürfte Tebartz-van Elst wegen seiner Beurlaubung nicht geben. Ob er das allerdings überhaupt tat, ist unklar.

„Fest steht: Es war turnusmäßig dran, diesen Vertrag zu erneuern“, sagt Schnelle gegenüber Handelsblatt Online. „Über die Motivation des Mitarbeiters können wir noch nichts sagen.“ Grothe und Rösche würden dahingehend aber mit dem Mann das Gespräch suchen und diese Dinge aufarbeiten.

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Ein Freund, ein guter Freund

Das ist Understatement: Den neuen BMW 5er-Touring leistet man sich für 75.000 Euro, und der Nachbar bekommt davon gar nichts mit. Das wahre Prestige des Premium-Kombi zeigt sich innen und auf der Autobahn.

Das bischöfliche Ordinariat verfügt noch über zwei VW Passats als Dienstwagen. „Die Leasingverträge für die Passats laufen im Sommer aus“, sagt Schnelle. Sollte sich der Vertrag für den BMW als bindend erweisen, würde das Bistum ihn erfüllen, im Gegenzug aber auf einen der Volkswagen verzichten.

Wie hoch die monatliche Rate für den BMW sein wird, wollt er nicht sagen. Das Modell ist allerdings unter 400 Euro monatlich kaum zu haben.

Kommentare (12)

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31.03.2014, 11:37 Uhr

Protz und Prunk war schon immer das Kennzeichen des Klerus.
Oder anders ausgedrückt: Den Schäflein Wasser predigen und selber besten Wein trinken.

"Der emeritierte Bischof hat wie jeder Geistliche im Dienst des Bistums einen Versorgungsanspruch."
---
Die richtige Lösung wäre nicht der Rückzug unter Luxusbedingungen gewesen, sondern eine Strafversetzung (nach Krichenrecht müßte das machbar sein) irgend wo in den Sahel, nach Papua Neuginea oder sonst wo hin, wo das Leben hart und der Luxus rar ist.
Die Alternative wäre die Überweisung in ein Kloster mit Schweigegebot und Bekenntnis zur Armut, aber mit viel beten und noch mehr arbeiten. :-) Vielleicht lehrt das diesen Luxuspfaffen einmal Demut.

Account gelöscht!

31.03.2014, 12:56 Uhr

Es dauert wohl noch Jahrhunderte, bis die Menschheit überhaupt diesen Religionsquatsch überwunden hat.

Account gelöscht!

31.03.2014, 14:27 Uhr

Die katholische Kirche besitzt ein immenses Milliardenvermögen, trotzdem wird für die Armen gesammelt, nur damit die eigenen Vermögenswerte nicht eingebracht werden müssen.

Um besagte Vermögenswerte nicht gänzlich offenzulegen (die Luft wird jedoch immer dünner), werden konspirative Verschachtelungen gewählt, verbunden mit dem alleinigen Ziel, keinen finalen Einblick in diese black box zu ermöglichen.

Als Fazit bleibt leider zu sagen, dass u.a. Pädophile und Verschwender in der kath. Kirche immer noch sehr weich fallen, statt diese Herrschaften (Frauen als Bischöfe sind ja noch die nächsten 1000 Jahre tabu) nach Afrika in die Mission zu entsenden; jeder Bürger sollte sich deshalb gründlich überlegen, ob er dieses mehr als zweifelhafte Handeln auch noch mit seinen Spendengeldern unterstützen will.

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